Comeback der Mütter
Kinder statt Karriere

bezugnehmend auf den Artikel im Spiegel,
Nr. 29, 16.07.2001 von Daniela Eder

Reaktion einer "ganzen" Frau auf "Comeback der Mütter" :

Frigitte Prüdiger aus Herdhausen schreibt:

Liebe Frau Spiegel-Redakteurin!

Endlich traut sich jemand die Wahrheit zu sagen, endlich wird wieder einmal öffentlich ausgesprochen, dass das Muttersein das einzig Wahre auf Gottes Erden ist, das "Mutter sein" das Einzige ist, zu dem uns die Natur befähigt und erschaffen hat. Ihr Artikel über die Rolle der Frau hat mich sehr berührt und meine tiefste innere Überzeugung sowie die meines Mannes Machismo Prüdiger bestätigt. Ich danke ihnen für die einfache Gestaltung und Formulierung der verschiedenen Frauentypen, ein differenzierteres Beleuchten von vielschichtigeren Rollenbildern wäre dem Verständnis und der Klarheit ihres Artikels nicht zuträglich.

Sie sehen die Emanzipation in der Krise, überforderte Superfrauen an allen Ecken und Enden. Da muss ich auch den Kopf schütteln, wenn die Frauenbewegung die Vereinbarkeit von Beruf und Kind fordert und damit nur Chaos schafft. Da würde ich ja gar nicht mehr wissen wer ich bin, Mutter oder Berufstätige, das ist doch verwirrend. Klar bekommt man da die Krise. Die Frauen müssen einsehen, dass das Tanzen auf zwei oder mehreren Hochzeiten nicht möglich ist. Berufstätige Mütter können doch nicht verlangen, dass sich vollzeitbeschäftigte Väter auch am Abend und am Wochenende noch um ihre Kinder kümmern. Die Frauenbewegung sollte sich, wie der Name schon sagt, mehr auf Bewegung, also sportliche Aktivitäten zur Erhaltung des Körpers beschränken und nicht die klar schwarz-weiß gezeichneten Frauenbilder durcheinander bringen.

Dirk Everson, Berliner Geschäftsführer einer Werbeagentur weiß ja auch aus beruflicher Erfahrung, dass kombinierte Rollentypen wie Karrierefrau und Mutter beim kaufkräftigen Publikum nicht ankommen. Die Frau ist mit solchen komplizierten Werbebotschaften restlos überfordert und soll in ihrer Kaufentscheidung auch nicht gestört und verwirrt werden. Schließlich gibt sie das Geld ihres Mannes aus.

Wie wahr wenn sie schreiben, dass die Männerwelt so eisig und stressig ist. Mein Mann sagt das auch immer wenn er vom Büro nach Hause kommt und sich vor den Fernseher zurückzieht. Ich habe da einen viel leichteren Tagesablauf, bin nicht herausgefordert, muss nicht meinen "Mann" stehen. Der Haushalt geht so nebenher zwischen den Terminen, Hausaufgaben und anderen Bedürfnissen meiner drei Kinder. Und wenn eine Frau sich in der harten männlich dominierten Berufswelt nicht wohlfühlt dann soll sie lieber gehen, man kann doch nicht verlangen, dass sich die Männer ändern. Ich bin furchtbar stolz auf meine Kinder. Wenn ich arbeiten würde, würde mir jedoch der Stolz wahrscheinlich abhanden kommen, wie sie schreiben und wie auch mein Mann sagt. Also bin ich stolz und still.

Sogar Madonna und Steffi Graf haben erkannt dass der Beruf dem Mutter sein geopfert werden muss. Hat Madonna nun eigentlich ihre Tournee zugunsten ihrer süßen Kleinen abgesagt? Ich bin da nicht ganz auf dem Laufenden. Wird wohl so sein wenn ihre Zitate und Geschichten gut recherchiert sind.

An dieser Stelle möchte ich sie außerdem zu ihrer gründlichen Recherche beglückwünschen. Sie haben sogar den neuen Trend zum "Mutter sein" gefunden. Ich habe auch schon hinter den Büschen in Herdhausen danach gesucht, konnte aber bisher nichts finden. Aber Gott sei Dank ist es nun auch von den gescheiten Herren vom deutschen Bundesgerichtshof entschieden - die Frau gehört zum Kind und sie hat auch die Hauptverantwortlichkeit. In Österreich haben die Verantwortlichen leider einen Rückschritt gemacht, wenn ich daran denke, dass dort das Sorgerecht auf beide Elternteile verteilt wurde. Und nicht zu vergessen, Bundeskanzler Schröder meinte, Selbstverwirklichung beginnt in der Familie. Mein Mann hat zwar gewettert als er das gehört hat und meinte, das ginge zu weit, wenn sich die Frauen nun schon in der Familie selbst verwirklichen wollen, aber ich konnte ihn beruhigen und habe ihm erklärt, dass damit gemeint sein, die Frau müsse in der Pflege und Bedienung von Kind und Mann aufgehen.

Ich bin der Meinung Frauen sollen nicht nur auf die Mutterschaft stolz sein, sondern auch auf den Dienst am Wirtschafts- und Pensionssystem, den sie durch die Geburt vieler vieler Kinder leisten. Das steigert den Wert der Frau! Man fühlt sich mit Kind so vollständig und ganz Frau und ist nicht so einsam wie die Karrierefrauen. Und eine Geburt erleben zu dürfen ist das äußerste an Glück. Der Schmerz löscht sofort jegliche Erinnerung an Ausbildung, Beruf und sonstige außerhäusliche Aktivitäten. Das zehnmalige Besteigen des Kilimandscharo in einer Stunde, wie Veronica Ferres die Geburt beschreibt, besiegelt das weibliche Mutterdasein für die nächsten 20 Jahre. Die Frau trachtet nach nichts anderem mehr als dies nochmals und nochmals und nochmals erleben zu dürfen. Aber doch irgendwie schade, dass wir Frau Ferres nie wieder in einem Film sehen werden, denn das Mutterglück hat sie von der Leinwand hinweggerafft. Oder glauben Sie, Frau Redakteurin, die Schauspielerin wird irgendwann wieder ihrer wahren Bestimmung untreu? Ich hoffe Veronica Ferres und ihre Kolleginnen vergessen nicht, dass die Wirtschaft Arbeitskräfte und Beitragszahler braucht.

Gut das in dieser Hinsicht der repräsentative Querschnitt an zitierten Powerfrauen auch belegt, dass das herkömmliche Emanzipationsmodell zum Auslaufmodell abgesunken ist. Das habe ich mir nämlich auch schon immer gedacht. In diese Richtung gehen außerdem viele Zitate wichtiger männlicher Experten. Tilmann Falt, Geschäftsführer der Bonner Sponsor Partners Agentur erzählt in ihrem Artikel, dass noch keine seiner schwangeren Mitarbeiterinnen nach der Karenz wieder ins Unternehmen zurückgekehrt ist. Böse Zungen mögen ja behaupten dass könne an einer frauenfeindlichen Firmenkultur oder an den Kündigungen nach ausgelaufenem Schutz liegen, aber dass sind wirklich böse Zungen. Ich kann diesen Frauen nur gratulieren. Sie besinnen sich auf die Mutterschaft und überlassen das harte Feld der Arbeit den fähigen Männern.

Begrüßenswert ist auch der Umstand, dass die Feministinnen wieder zu ihren fraulichen Wurzeln zurückfinden und wenn es das Alter noch erlaubt, schnell ein paar Babys in die Welt setzen. Es ist als ob die reuige Tochter heimkehrt. Und man muss schon sagen, dass die Feministinnen wirklich viel Wirbel und Chaos in die geordnete patriachale Welt gebracht haben. Ich schäme mich es zu sagen, aber auch meine Mutter war Feministin. Ihr Kampf um sogenannte Freiheiten endete in der Scheidung meiner Eltern. Die egoistischen Ansprüche meiner Mutter haben meine Kindheit zerstört und ich bin in der elementaren Rangliste von Wolfgang Schmidbauer, dem Psychoanalytiker aus Münchenhausen, nach hinten katapultiert worden. Von der Kategorie "Betreuung durch eine unzufriedene berufstätige Mutter" bin ich abgeglitten in die "Betreuung einer unzufriedenen Hausfrau". Und dann erfahre ich noch aus ihrem Artikel, dass ich als Kind geschiedener Eltern zur Risikogruppe gehöre. Also da muss ich ihnen wiedersprechen, ich bin kein Risiko für andere Menschen denn ich zeichne mich aus durch die sehr geschätzten weiblichen Eigenschaften wie Sanftmütigkeit, Friedfertigkeit und Altruismus. Mein Mann lobt mich auch immer sehr dafür.

Es freut mich sehr in ihrem Artikel zu lesen, dass die Frauen wieder einen erstaunlichen Ehrgeiz entwickeln, eine gute Mutter zu sein. Endlich ist das Jahrhundert der schrecklichen Mütter vorbei. Und wenn wir noch ein wenig Geduld aufbringen, dann werden sich die schwangeren Frauen auch noch vom Lesen der idealisierenden Schwangerschafts- und Kinderbücher abbringen lassen. Zu viel Wissen tut nicht gut, meint auch mein Mann. Skandalös ist natürlich der beschriebene Umstand, dass 182 befragte schwangere Frauen gestanden, insgesamt 322 Säuglingspflegekurse und dergleichen belegt zu haben. Das ist wirklich maßlos übertrieben. Eine Langzeitstudie hat ja auch gezeigt, dass überehrgeizige Mütter, die vor der Mutterschaft in Top-Positionen arbeiteten, diesen Leistungsdruck einerseits selbst erlebten und nun wieder an ihre Kinder weitergeben. Hier wird einmal mehr klar, dass die anspruchsvollen Managerposten den Männern überlassen werden sollten. Nachdem sie an der Erziehung der Kinder nur geringfügig beteiligt sind weil ja eh die Mutter da ist, besteht kaum Gefahr, dass sich von väterlicher Seite ein Leistungsdruck überträgt.

Die Kinder laufen ja des öfteren Gefahr, Opfer der Neurosen und sonderbaren Verhaltensweisen der Mütter zu werden. Schrecklich wenn Frauen ihre Babys als Liebesersatz, Stellvertreter für den Partner und Antidepressiva betrachten. Diese Frauen stellen maßlose Ansprüche, das hält doch kein Mann aus. Gut dass es zukunftsorientierte Mitarbeiter auf Arbeitsämtern gibt, die die Frauen darüber aufklären, dass die Deutschen am Aussterben sind und die Mutterschaft eine ehrenhafte Aufgabe und daher jedweder Berufstätigkeit vorzuziehen ist.

Ja und wie steht es da mit ihnen, liebe Redakteurin. Ihr Beruf wird ihnen wohl auch bereits zu stressig sein, die Arbeitswelt zu hart. Ich hoffe sie arbeiten fleißig daran schwanger zu werden um endlich eine ganze Frau zu sein und ihre wahre Bestimmung erfüllen zu können. Überlassen sie ihren Arbeitsplatz den männlichen Kollegen, die machen das ohnehin viel besser. Was, sie können es sich nicht leisten die Arbeit aufzugeben weil Sie Geld verdienen müssen? Aber bei Veronica Ferres, Madonna und Steffi Graf geht's doch auch, und diese Powerfrauen sind ja so repräsentativ! Bleiben Sie zu Hause hinterm Herd, da ist es nicht so stressig, da haben Sie dann genug Zeit um sich Filme wie "Tage wie dieser" anzusehen um vielleicht zu erkennen, das nicht Michelle Pfeiffer als fertige Alleinerzieherin am abendlichen Sofa einschläft sondern George Clooney, der nicht einmal einen einzigen Tag die ach so stresslose Kindererziehung aushält.

... drei betroffene Frauen die sich vom Spiegel Artikel "Comeback der Mütter" distanzieren: Daniela Eder, Elke Polland, Sigrid Ströher (tätig in den Bereichen Jounalismus, Training, Personalentwicklung, Feminismus)

Quelle:
Weibernet
http://www.weiber.net
2001

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Aktualisiert: 25.11.2011  webmaster@geburtskanal.de
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