Lassen Sie uns heute über etwas sprechen, worüber man eigentlich gar nicht spricht - schon gar nicht öffentlich: Die Langeweile der Mütter kontra den Stress der Väter. Ein Tabu, nicht? Vorweg muss ich Sie jedoch darauf aufmerksam machen, dass ich eine Pizza im Ofen habe; ich werde also unser Gespräch irgendwann unterbrechen müssen. Meine Frau Beatrice (Name aus Gründen der Pietät gegenüber meiner Frau Susanne geändert) hat den mit Tomaten, Mozzarella, Schinken und italienischen Kräutern beladenen Teig noch in die Röhre geschoben, bevor sie zur Arbeit fuhr. Nein, nein, es ist nicht wie Sie denken: normalerweise bin ich es nämlich, der zur Arbeit fährt, während Beatrice derweil zu Hause nach dem Rechten sieht. Aber an zwei Vormittagen pro Woche ist sie als kaufmännische Sachbearbeiterin bei einer kleinen Firma in Zürich tätig. Normalerweise mittwochs und freitags. "Aber heute ist doch Mittwoch?", werden Sie jetzt bestimmt feststellen, "Weshalb fährt denn diese - diese - Beatrice erst um die Mittagszeit zur Arbeit, wo sie doch eigentlich um diese Zeit schon wieder nach Hause kommen sollte?" Es ist für Sie wichtig zu wissen, dass wir für heute über die gesamte Familie den Ausnahmezustand verhängt haben. Deshalb, weil meine Frau heute morgen einen Kurs in Selbstverteidigung besucht hat, sie demzufolge erst mittags ins Büro fahren konnte, ich hingegen wie üblich morgens im Büro war, jetzt aber ausnahmsweise zu Hause am PC sitze und mit knurrendem Magen auf den Ruf des Timers warte. Und da dachte ich halt, schreibst du mal was.
Nun also zum Thema.
Doch vorerst noch was zum Organisatorischen: Rühren Sie sich bitte nicht vom Fleck, wenn ich dann meine Pizza holen gehe; es wird bestimmt nicht lange dauern. Ich werde mir nur kurz das köstliche Ding in Stücke schneiden und dann wieder zu Ihnen zurückkommen. Eine Prosciuto während dem Schreiben zu essen stellt für mich kein echtes Problem dar. Unsere Kinder haben übrigens schon gegessen; zusammen mit ihrer Mutter.
Jetzt aber: Wir wollen gemeinsam versuchen, eine Antwort auf die Frage zu finden, wer denn wohl von beiden mehr Stress hat: Mutter oder Vater. Gehen wir doch dazu von einer Durchschnittsfamilie aus: Die Mutter ist Hausfrau und Mutter, heisst Beatrice und arbeitet nebenbei an zwei Vormittagen pro Woche als kaufmännische Angestellte in einer kleinen Firma in Zürich; der Vater ist voll berufstätig und Vater, schreibt in seiner Freizeit Texte wie diesen hier. Unsere Musterfamilie hat zwei schulpflichtige Kinder, 8- und 11-jährig, wobei das jüngere ein Mädchen ist und das ältere ein Junge. Die Mutter vertritt die Meinung, der Haushalt, die Kinderbetreuung und der Teilzeitjob bedeute für sie Stress. Der Vater bringt durchaus dafür Verständnis auf, hält aber dagegen, sein Vollzeitjob, zusammen mit den üblichen Vaterpflichten, abends und an den Wochenenden, stresse ihn mindestens genau so. Die Mutter sagt, sie müsse wegen der Kinder permanent online sein und komme deshalb kaum einmal dazu, einen ordentlichen Frühjahrsputz durchzu... Einen Augenblick bitte, die Pizza klingelt...
Hier bin ich wieder. Ich liebe die Prosciuto mit ordentlich frisch gemahlenem Pfeffer. Aber heiss muss sie sein, richtig heiss. - Übrigens habe ich Ihnen noch nicht gesagt, wo sich zur Zeit unsere Kinder aufhalten: Heute haben wir ja - wie gesagt - Mittwoch, und da ist nachmittags jeweils schulfrei. Das ist in der ganzen Schweiz so, wenn ich mich nicht irre. Schon damals, als ich selbst noch die Grundschule besuchen musste. Eine schweizerische Tradition also. Und überdies der Hauptgrund, weshalb wir Schweizer noch keine Europäer sind: Wir wollen uns doch von der EU nicht dreinreden lassen!, schon gar nicht, wenn es um den schulfreien Nachmittag geht. Wäre ja noch schöner, wenn uns die EU vorschreiben würde, den schulfreien Mittwoch Nachmittag zum Beispiel auf den Donnerstag zu verlegen. Stellen Sie sich doch nur mal die absurde Situation vor, wenn auf den Mittwoch Vormittag gleich der Donnerstag Nachmittag folgen würde... Dann müsste ja nach dem Donnerstag Vormittag der Mittwoch Nachmittag nachgeholt werden - nein, so was dürfen wir nicht zulassen, lieber sind wir die einzigen Europäer, die keine Europäer sind. - Sind Sie eine EU-Bürgerin oder ein EU-Bürger? Dann wollen Sie bitte dieses stichhaltige Argument als Entschuldigung gelten lassen und uns Eidgenossen nicht mehr Aussenseiter hänseln. Und kommen Sie ja nicht auf die Idee, unser Land zu überfallen, denn unsere Neutralität ist uns derart heilig, dass wir in einem solchen Fall nicht mal für uns selbst Partei ergreifen würden. Und ohne jeden Widerstand macht Krieg doch keinen Spass, oder? Ersparen Sie sich also das Schlechte Gewissen.
Aber darüber wollte ich mit Ihnen ja gar nicht sprechen. Kommen wir zurück zum Thema: Unsere Kinder sind also im Moment nicht in der Schule, weshalb auch immer. Matthias (Name geändert, weil mir mein Sohn Philippe verboten hat, ihn in meinen Texten namentlich zu erwähnen) ist noch im Keyboard-Unterricht und dürfte in zirka einer Viertelstunde zurück sein. Unsere Tochter Jenni (Name aus Gründen der Pietät gegenüber meiner Tochter Corina geändert) ist in ihrem Zimmer und bereitet ihre Barbies auf die Miss-Wahl vor. Mögen Sie ein Stück Pizza?
Also mal ehrlich: Im Moment kann ich am Zuhause-Sitzen nichts Stressiges finden. Im Grunde genommen ist es doch ganz nett, ein wenig auf die Kinder zu sehen und... Das Telefon läutet! Entschuldigen Sie mich für einen Augenblick...
"Hier Eckstein?" (Name aus Gründen der Pietät gegenüber mir selbst geändert)
Ich höre jemanden nach Worten suchen. Dann eine Kinderstimme:
"Hallo, hier ist Barbara. Kann ich Jenni haben?"
"Hallo Barbara. Klar, ich geb sie dir gleich. Tschüs!"
Es ist mir wirklich peinlich, unsere interessante Diskussion schon zum zweiten Mal unterbrochen zu haben. Aber vielleicht wars ja das letzte Mal. - Gut, wo waren wir stehen geblieben? Ach ja, bei...
"Du, Papa, darf ich zu Barbara gehen?"
Meine Tochter - ist sie nicht süss?
"Was wolltest du Papa sagen, mein Goldengel?"
"Darf ich zu Barbara gehen?"
"Na ja, wenn du..."
"Hey, Barbara, mein Papa hat Ja gesagt!"
Sie drückt sich den Hörer an die Brust: "Wann muss ich wieder zu Hause sein?"
Ich überlege: "So gegen 17 Uhr, O.K.?"
Staunend: "Erst um 17 Uhr?"
"Warum nicht? Ich glaube kaum, dass es draussen schon früher dunkel wird."
"Danke, Papa, danke!"
Ich kriege einen Kuss. Ich bin erstaunt.
Meine Tochter schlendert aus dem Zimmer, noch verschiedene Details telefonisch vereinbarend.
Kinder... ?! Haben Sie auch Kinder? Ja? Dann muss ich Ihnen gratulieren, echt. Es gibt doch nichts Schöneres, als...
"Soll ich mir 'ne Mütze anziehen?"
"Ja doch, es ist saumässig kalt draussen. Hast du eigentlich deine Schulaufgaben schon gemacht?"
"Das erledige ich dann abends, pha!"
Eine Sekunde bitte, ich muss nur schnell noch...
"Das gefällt mir aber nicht, dass du weggehst, ohne vorher deine Hausarbeiten zu machen. Ich weiss genau, wie das dann abends so abläuft, von wegen 'Ich bin ja so hundemüde' und so."
"Aber Barbara wartet schon vorne bei der Post."
Meine Autorität ist gefährdet. "Nimm doch das Zeugs mit, dann könnt ihr die Aufgaben gemeinsam lösen."
"Ja, gut."
"Um fünf bist du aber zu Hause, gel! Tschüs und viel Spass, mein Schatz! - Und hey!: Wie heisst diese Barbara denn noch?"
"Bernasconi. Barbara Bernasconi. Tschüs Papa!"
Ich muss mir den Namen aufschreiben - sorry - aber man will ja schliesslich wissen, wo sich die Kinder so rumtreiben, nicht? Adresse und Telefonnummer fände ich ja auf der Klassenliste. - So, das hätten wir. Um den Faden wieder aufzunehmen: Es gibt wahrlich nichts Schöneres, als Kindern zuzusehen, wie sie... Zur Abwechslung wieder mal ein Telefon...
"Ja, Eckstein?"
"Grüezi Herr Eckstein, hier Moser."
"Grüss Gott Frau Moser."
"Ich bin die Mutter von Patrick (Name geändert, einfach so). Wie Sie bestimmt wissen, wollten sich Matthias und Patrick heute Nachmittag treffen."
"Ach ja? Ich kam eben erst von der Arbeit nach Hause, Frau Moser, und weiss deshalb nicht, was wer und wo mit wem..."
"Doch, doch! Patrick ist jetzt noch im Kung-Fu in Wolldorf (Ortsname frei erfunden, aus welchen Gründen auch immer). Ich muss ihn um viertel vor zwei dort abholen gehen und da dachte ich, wir könnten doch gleich noch schnell zum Hundsee fahren, jetzt, wo dieser doch seit Jahren wieder einmal zugefroren ist."
"Hab ich gelesen, ja."
"Patrick wollte zuerst nicht mitkommen und sagte: 'Was soll ich auf dem blöden Eis?'. Zusammen mit Ihrem Mattias käme er aber mit."
"Nun, Frau Moser, leider ist Matthias noch nicht vom Keyboard nach Hause gekommen, sollte aber jeden Augenblick eintrudeln. Wann genau sagten Sie, wollen sie fahren?"
"Wie gesagt muss ich um viertel vor zwei..."
"Entschuldigen Sie bitte, ich werde alt."
Kichern. "Geht uns doch allen gleich, Herr Eckstein, nicht?"
"Das können Sie laut sagen. Wenn ich doch nur wüsste, wie lange der Unterricht..."
"Vielleicht können Sie ihren Sohn ja auf dem Handy erreichen."
"Wir haben leider - es ist mir peinlich, das sagen zu müssen - nur ein einziges Handy im Haus und das dürfte im Moment im Handschuhfach des Toyotas liegen, dieser wiederum steht vor dem Büro meiner Frau in..."
"Bei uns hat halt jeder eins. Na dann schicken Sie den Jungen doch einfach mal rüber, sobald er nach Hause kommt. Derweil schicke ich Patrick ein SMS, er solle doch bitte ein paar Minuten länger auf uns warten."
"Gut. Und danke, dass Sie unseren Sohn mitnehmen wollen."
"Keine Ursache. Auf Wiederhören."
"War mir ein Vergnügen."
Wissen Sie, wie lange normalerweise eine Musikstunde so dauert? Solche Dinge hat meine Frau voll im Griff, aber ich? Hoffentlich kommt er bald; ich würde es ihm gönnen, einmal auf einem zugefrorenen See rumtollen zu dürfen. Sieh an, das wird er sein...
"Hallo Matthias. Wie wars im Keyboard?"
"Hoi! (Anmerkung für EU-Bürgerinnen und EU-Bürger: Dieser Ausspruch ist eine regional verankerte und insbesondere bei Kindern und Jugendlichen verbreitete Form der Begrüssung) Hat Patrick angerufen?"
"Nein, aber seine Mutter. Zieh deine Schuhe nicht aus, du solltest gleich zu ihr rüber gehen."
"Zu seiner Mutter?"
"Ja. Ihr holt dann gemeinsam Patrick ab. Und dann fahrt ihr zum Hundsee. Ist ja zugefroren."
Schleudert seine Notenmappe in die Wohnung. "Gib mir die Handschuhe, bitte."
"Wann gedenkst du denn, deine Schulaufgaben zu machen?"
"Das erledige ich dann abends, pha!"
Meine Autorität ist erneut gefährdet. "Nimm sie doch wenigstens mit, vielleicht können du und Patrick sie gemeinsam lösen; nach dem Hundsee, meine ich."
"Na gut. Sie liegen auf meinem Schreibtisch. Bitte."
"Viel Spass, Superman! Und komm nicht zu spät nach Hause."
"Um acht?"
"Sieben!"
"Halb acht?"
"O.K., halb acht."
"Tschüs Paps, dann bis um acht!"
Sie sind noch da?, gut. Jetzt, wo beide Kinder aus dem Haus sind, habe ich endlich Zeit. Viel Zeit. Zeit für SIE! Und für unser Thema. Gibt es eigentlich etwas Durchhängenderes als eine kalte Pizza? Also: Ich finde, dass es sich Mütter hin und wieder zu Hause ganz gemütlich machen können; besonders dann, wenn wie jetzt die Kinder aus dem Haus sind. Was denken Sie? Nicht zu vergleichen mit dem Stress im Büro: da läuft das Telefon heiss, da müssen Termine eingehalten werden, da wird man ständig unterbroch... Eine Sekunde...
"Eckstein!"
"Ist Matthias da?"
"Nein, er ist mit Patrick losgezogen."
"Wohin?"
"Hundsee."
"Danke und tschüs."
"Tschüs."
Im heutigen Nachmittag scheint irgendwo ein Hund begraben zu sein, finden Sie nicht auch? Diese ewigen Telefonanrufe. Dabei habe ich mir schon lange vorgenommen, heute endlich einmal den Keller auszumisten. NACH unserem Gespräch, versteht sich. Sie können sich ja nicht vorstellen, was sich da während all der Jahre so angesammelt hat. Da kauft man den Kindern Skischuhe - und nach zwei Jahren sind diese Dinger bereits zu klein - und stehen rum. Das selbe mit den Skiern. Oder den Wanderschuhen. Ein kleines Kinderfahrrad liegt auch noch unten. - Wirklich, da sollte ich dringend... Zur Abwechslung mal die Türglocke...
Gegensprechanlage. "Wer ist da?"
"Hallo Herr Eckstein, ich bin Silvana. Kommt Jenni ein bisschen raus zum Spielen?"
"Tut mir leid, Silvana, aber Jenni ist zu Barbara gegangen."
"Barbara Bernasconi?"
"Ja genau."
"Ich schick Barbara ein SMS."
"Wie du willst. Tschüs Silvana."
"Adieu Herr Eckstein."
Darf ich Sie zwischendurch mal was fragen?: Laufen denn heute alle Kinder in diesem Alter mit Handys rum? Haben wir da vielleicht was nicht mitbekommen? Stellen Sie sich vor, was das kostet! Andererseits möchte ich natürlich verhindern, dass unsere beiden nicht europäischen Kinder bald die einzigen Europäer sind, denen man kein SMS schicken kann. Aber über dieses Thema könnten wir ja ein andermal sprechen. Ursprünglich wollten wir ja mal zusammen das Thema Stress ausdiskut... Wird man denn hier nie in Ruhe gelassen, sapperlot?
Gegensprechanlage. "Ja bitte?"
"Hallo Papa."
Ich öffne die Tür. "Du, Jenni?"
"War Silvana da?"
"Vor fünf Minuten, ungefähr."
"Sie hat Barbara ein SMS geschickt: Wir sollten sie zu Hause abholen kommen. Da waren wir bereits; ist aber niemand zu Hause gewesen."
"Ihr seid ja schnell wie der Blitz! Vielleicht ist Silvana ja noch auf dem Weg nach Hause. Habt ihr sie denn unterwegs nicht getroffen?
"Nein."
"Wo wohnt sie denn?"
"Drüben bei den weissen Häusern. Da, wo auch Tina von der Bären-Klasse wohnt. Was sollen wir jetzt tun?"
"Barbara", frage ich, "Barbara, hast du dein Handy dabei?"
"Na klar! Immer."
"Dann könntest du ja - na, dieses andere Mädchen halt - anrufen und sie fragen, wo sie gerade steckt."
Meine Tochter: "Sie heisst Silvana."
"Ja genau, die."
Barbara: "Geht leider nicht."
"Und weshalb nicht?"
"In meinem Handy ist kein Geld mehr drin. Mein Papa hat vergessen, neues Geld rein zu tun."
"Dann lauft doch noch mal rüber zu den weissen Häusern. Vielleicht ist sie ja inzwischen dort angekommen."
"Wieviel Uhr haben wir?"
"Viertel nach drei."
Sie rennen los.
Haben Sie das mitgekriegt? Laufen schon mit 'nem Handy rum und können noch nicht mal die Uhrzeit ablesen; nimmt mich Wunder, wo das noch hinführt. Aber ich sage mir immer: Ist halt 'ne andere Generation! - Recht haben Sie, machen Sie sichs nur bequem...
Telefon. "Was ist denn nun schon wieder?"
"Spreche ich mit Herrn Eckstein?"
"Ja."
"Paula Mastroiani von der Firma Baggio-Trojani-Virogliese S.A."
"Sie wünschen?"
"Ich möchte Ihnen ein einmaliges Angebot unterbreiten: Ein Korb randvoll mit ausgesuchten Spezialitäten aus der Toskana, zu einem sensationellen und einmaligen Probierpreis. Zum Verschenken oder Selber-Geniessen. Sie werden begeistert sein, Herr Eckstein. Feiner, würziger Salami, typisch toskanische Pasta sowie..."
"Tut mir leid, aber ich..."
"Und das Ganze kostet Sie nicht mehr als - Sie werden staunen - 38 Euro! Na, was sagen Sie jetzt?"
"Ich habe keine Euro. Ist da auch Wein dabei?"
"Was für eine Frage, Herr Eckstein, selbstverständlich bekommen Sie zwei Flaschen vom edelsten und natürlich biologisch angebau..."
"Dann schicken Sie mir so 'n Körbchen. Die Rechnung bitte in Schweizer Franken. Aufwiederhören, Frau Mozzarella."
Es muss sich heute um einen total vermurksten Mittwoch Nachmittag handeln. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass so was jeden Tag... Herrgottnochmal!
"Ja, was ist?"
"Hallo, hier ist Stephan Meier."
"Und?"
"Hat Matthias seine Schulaufgaben schon gemacht? Ich habe da nämlich ein Problem und möchte ihn fragen, ob er mir vielleicht erklären kann, wie man im Mathe-Buch auf Seite 58..."
"Keine Ahnung, ob er diese Aufgabe schon gelöst hat oder nicht. Er treibt sich gerade mit einem seiner Freunde auf dem Hundsee rum. Der kann was erleben, wenn er nach Hause kommt, ohne seine Hausaufgaben gemacht zu haben."
"War ja nur eine Frage. Tschüs dann."
Jetzt war ich zu hart, nicht? Aber es kann einem ja wirklich auf den Keks gehen, wenn...
"Bin ich denn ein Disponent oder was!"
"Was ist denn mit dir los, Papa?"
"Wo bist du, Matthias?"
"Zuhause bei Patrick, was dachtest du denn?"
"Ja, es haben dich einige Kollegen gesucht, ja, wenn dus wissen willst, ja. Frag mich aber jetzt bitte nicht, wie die alle hiessen. Weshalb rufst du an?"
"Man hat mich eingeladen, zum Essen hier zu bleiben. Ich komme also erst so gegen neun nach Hause. Wer hat mich gesucht? Sag schon!"
"Schulaufgaben?"
"Hm..., teilweise."
"O.K., dann bis um neun. Weshalb denn so spät? Können die nicht früher essen? Ach was solls..."
Ist Ihnen schon aufgefallen, dass es draussen bereits dunkel wird? Die Tage sind halt verdammt kurz in dieser Jahreszeit, verdammt kurz. Ich werde meine Tochter...
"Gratuliere! Da haben Sie die genau richtige Nummer eingestellt!, hier ist nämlich Eckstein, Eck wie 'Ecke' und Stein wie 'Stein', und es spricht der Vater Eckstein persönlich mit Ihnen. Welches ist denn ihr Begehr? So sprecht!"
"Spinnst du oder was?"
"Ach DU bist es, Du Holde, Du Angebetene! Was gelüstet Dich, von mir in Erfahrung zu bringen? Sprecht Euch nur aus, Euer Euch treu durchs Leben Begleitender wird sich für Eure Anliegen alle Zeit des Reiches nehmen, seid Euch dessen nur gewiss."
"Du hast was getrunken."
"Oh nein!, meine Liebe, derart verkommenes Benehmen war mir bisweilen fremd; es übermanne mich nicht und ziehe mich nie in seinen Bann. Weder habe ich irgendwelcher Süchte gefrönt, noch sonst was Abscheuliches getan. Möge die Langeweile, die mich zermürben wollende, in Bälde von mir lassen."
"Benimm dich normal. Ich wollte dir nur sagen, dass noch Champignons im Kühlschrank sind. Vielleicht könntest du sie ja für heute Abend..."
"Ein Pilzgericht! Wie köstlich! Solches muss dir von einem himmlischen Wesen eingeflüstert worden sein. Wie einfallsreich und fürstlich! Nichts täte ich lieber, als deinem Begehr untertänigst zu genügen. Ein Pilzgericht! So stimmet an der Balladen viele! Frohlocket, jubilieret und..."
"Du hast doch was getrunken."
"Schenket mir doch Glauben! Lieber wäre mir, enthauptet zu werden, als von Euch bis ans Ende meiner Tage als Lügner verdammt dahin zu siechen. Gestattet mit deshalb, Eure Vermutung erneut zu entkräften."
"Ich komme erst nach sieben Uhr. Hoffentlich bist du bis dann wieder nüchtern. Tschüs."
"So gehet nun hin und tut der Werke viele, auf dass euch der Schweiss von der Stirne rinne und Ihr den Eurer Harrenden mit Silberlingen zuhauf erfreuen möget. Ich werde derweil im Kühlschrank Pilze pflücken gehen."
Da bin ich wieder - und da geh ich wieder...
"Ich bin Eckstein und wer bist du?"
"Hallo Paps, du Witzbold."
"Witzbold? Witzbold? Wo siehst du denn hier einen Witzbold, Jenni?"
"Mein Paps macht immer solche Spässe, weisst du, Barbara. - Hey, Paps, ich bin immer noch hier. Kannst du mich abholen kommen, es ist schon dunkel."
"Wenn du mir verrätst, wo 'hier' ist, dann vielleicht."
"Na bei Barbara, wo denn sonst? Sie wohnt in den roten Häusern. In der Nummer sieben."
"Verstanden! Wiederhole: Rote Häuser! Nummer Sieben! - Bitte kommen!"
"Verstanden, Herr Major! Kommst du jetzt gleich? - Bitte kommen!"
"Verstanden! Sofffort, Lady! Ich komme aber zu Fuss, mein Panzer verlor die Ketten. Gib mir fünf Minuten. - Bitte kommen!"
"Verstanden! Ich geh schon mal raus und warte dort. Bis dann! - Ende und Schluss!"
Hören Sie: Ich muss jetzt leider gehen. Haben Sie morgen Nachmittag Zeit? Dann schauen Sie doch bitte mal bei mir im Büro vorbei. - Mögen Sie ein Stück Pizza mit nach Hause nehmen?
Quelle und Copyright
Hugo Weyermann
Freier Schweizer Schriftsteller
http://www.undsoweiter.ch
Wir danken dem Autor für die freundliche Genehmigung zur Publikation und verweisen ausdrücklich auf die Urheberrechte und Nutzungsbestimmungen:
http://www.undsoweiter.ch/nutzbestimmklein.htm
zurück
|
|
|
© 2000-2010 Geburtskanal ™
Impressum Aktualisiert: 25.11.2011 webmaster@geburtskanal.de |
|
|
Aktuelles Artikel Kurzmeldungen Gesundheit Unterhaltsames Aufgelesen Veranstaltungen Archiv |
|
Wissen A-Z Umfassende Wissensbasis zu Familienplanung, Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Kindern |
|
Hot News Brandaktuelles In eigener Sache Newsletter ...und mehr |
|
Suchen & Finden im unserem Fachleute-Verzeichnis: Hebammen, -praxen Geburtshäuser Fachärzte/-innen Kliniken und Institutionen ExpertInnen der Frauen- und Familiengesundheit Organisationen und BeraterInnen Selbsthilfegruppen ...und mehr |
|
Literatur Themenspezifische Bücherlisten Buchbesprechungen Neue Bücher Unsere Buch-Tips Aktuelle Fachliteratur Besonderes J |
|
Pinnwand Kontakte Marktplatz Tauschbörse Geburtsanzeigen ... kostenlos inserieren |
|
Bildergalerie Kinder der Welt Wie Leben entsteht Fotokunst Malerei Eindrücke Abbildungen ... und mehr |
|
Bequem Einkaufen Online Shops Neue Produkte Besondere Angebote Unsere Empfehlungen Anbieter-Verzeichnis |
|
Über uns Impressum Unsere Zielsetzung Mitmachen ? Service - Kontakt Kooperationen Werbung - Statistik Rechtliches |
|
Links Linksammlungen zu verschiedenen Themenbereichen |