Sehr eindrucksvoll schildert die Autorin in einem Gedicht ihre Erfahrung und Entscheidung sowie ihr Erleben nach dem "positiven" pränatal-diagnostischen Befund.

Ich bin unendlich traurig

von Arite Schäfer

Ich bin unendlich traurig,
Dich nicht mehr in meinem Bauch zu spüren.
Ich bin unendlich traurig,
dass Du nicht mehr bei mir bist.
Ich bin unendlich traurig,
nicht zu wissen, wie es Dir geht.
Ich weiß, dass Du jetzt schläfst - für immer.
Aber wo?

Und warum musste das gerade Dir und mir passieren?
Bin ich schuld, dass ich Dir nicht die Möglichkeit gegeben habe,
dass Du jetzt leben konntest?
Was wäre das für ein Leben gewesen?
Ich weiß es nicht!

Und gerade, weil ich es nicht weiß, habe ich diesen Schritt getan.
Fünf ganze Monate konnte ich Dich unter meinem Herzen tragen.
Ich war so froh darüber.
Ich wollte Dich.

Ich hatte Dich liebgewonnen, mit jedem Tag,
jeder Stunde, jeder Minute, jeder Sekunde mehr.
Ich bin so unendlich traurig!

Nach der Entbindung habe ich Dich im Arm gehalten,
konnte dich ansehen, Dich streicheln, Dich berühren.
Ich hätte es gern noch länger getan!
So klein wie Du warst, so zart.
350 Gramm, etwas 20 cm.
Friedlich hast Du geschlafen.

Die Strapazen der Geburt hast Du nicht überstanden.
Diese Kraft hattest Du nicht.
Ich bin so unendlich traurig!
In meinem Herzen trage ich Dich immer bei mir!
Bitte verzeihe mir!
Ich liebe Dich, mein Nico!

März 2004

Quelle:
Mütter besonderer Kinder
http://muetter.besondere-kinder.de

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