Shayla und die tolpatschige kleine Fee

von J. Robert Whittle und Joyce Sandilands

Polly, die tolpatschige Fee, war immer in Schwierigkeiten.
Ihr fröhliches, glockenhelles Lachen konnte man überall im Garten hören, aber die ungebärdige kleine Fee störte mit ihrem Übermut alle Gartenbewohner.

Frau Spinne wedelte unwillig mit ihren vier Armen und und stampfte ärgerlich mit ihren vier Beinen auf, als Polly ihr beim Rückwärtsfliegen ungeschickt das Häubchen vom Kopf riss.

"Pass doch auf", rief Frau Spinne ärgerlich und wedelte abwehrend mit all ihren Armen und Beinen, "Du benimmst dich wie ein Elefant im Feenland!"

Übermütig ließ sich Polly auf Priscilla Stiefmütterchen's Blütenbätter fallen, zwei schlafende Marienkäfer wurden dabei hoch in die Luft gewirbelt. Willy Wurm streckte seinen Kopf aus dem Erdloch und und betrachtete überrascht den Aufruhr.

"Du bist mir vielleicht eine, kleine Polly", seufzte Priscilla Stiefmütterchen und rollte ihre Blütenblätter zu einem bequemen Sitz für die kichernde Fee zusammen.

Anders als bei den anderen Feenmädchen war Polly's Haar leuchtend rot - nicht so blond und seidig fliessend wie bei ihren Schwestern. Dafür waren ihre Haare zu zwei Pferdeschwänzen gebunden, die ganz gerade von ihrem Kopf abstanden. Ihre übergrossen goldenen Sandaletten trug sie an den falschen Füssen und ihre Strumpfhose verkehrt herum.

Ihr hauchzartes schäbiges Kleidchen war von den Brombeerbüschen ganz zerrissen und hing nur noch in Fetzen an ihr. Ihre Flügel waren ziemlich verknittert.

Großvater Hummel flog heran, schüttelte unwillig seinen Kopf und brummelte traurig vor sich hin: "Polly, mein Mädchen, was sollen wir bloß mit Dir machen?"

Dann nahm er Polly sachte bei der Hand und brachte sie zu sich nach Hause in den Bienenstock. Er befahl den Bienen, eine ordentliche Fee aus Polly zu machen. Die Bienen waren bald eifrig damit beschäftigt, Polly zu schrubben, sie zu baden, ihr Kleid auszubessern, ihr Haar zu bürsten und zu kämmen und ihre Flügel zu glätten. Als sie fertig waren, schubsten sie sie aus dem Bienenkorb hinaus ins Sonnenlicht.

Alle Geschöpfe im Garten starrten ungläubig auf die neue Polly. Der Käfer Brian kniff die Augen zusammen und dachte, er müsse wohl träumen. Familie Gänseblümchen winkte mit all ihren Blütenblättern und grüsste die wunderschöne kleine Fee, die glücklich über ihren Köpfen herumflog.

Aber damit waren Polly's Schwierigkeiten noch nicht beendet. Etwas später verschüttete sie Gordie Grashüpfer's Milch, als sie zu dicht neben ihm landete. Als sie das Mißgeschick beseitigen wollte, schubste sie die arme Raupe Carey ungeschickt von der Bank, so dass sie kopfüber im Gras landete.

"Polly, liebe Polly", lachte die Feenkönigin, "ich glaube, ich glaube, wir sollten dich einfach so nehmen wie du bist. Vielleicht wird sich deine Tolpatschigkeit legen, wenn du älter wirst."

"Schaut nur, schaut nur!" rief einer der Königsschmetterlinge aufgeregt. "Da ziehen neue Menschen in unser leeres Haus ein!"

Aufgeregt verfolgten die Gartengeschöpfe, wie ein Umzugswagen ausgeladen wurde. "Wer sind diese Leute?" fragte Polly das Eichhörnchen neben ihr.

"Das ist einfach zu beantworten", erwiderte dieses. "Das ist die Familie Falconer aus Victoria und sie haben ein kleines Mädchen mit Namen Shayla."

Polly klatschte vor Freude in die Hände. Sie liebte es sehr, neue Kinder von anderen Orten zu treffen. Sie hatte ihnen so viel von Calgary zu erzählen.

"Langsam, Polly." Die Feekönigin hob warnend den Finger. "Beruhige dich. Du hast gerade dem armen Willy Wurm den Hut vom Kopf gefegt."

"Versteckt euch rasch!" brummte Frau Hummel aufgeregt. "Hier kommt ein kleines Mädchen. Das muss wohl Shayla sein, die ihren neuen Garten entdecken will."

Die Feen, Frösche und all die anderen Gartengeschöpfe verschwanden wie von Zauberhand, alle ausser der neugierigen Polly. Sie verwandelte sich in einen Schmetterling und flog dem lachenden sechsjährigen Mädchen entgegen, das hüpfend und springend auf sie zukam.

"Bist du Shayla?, flüsterte Polly und flog so dicht heran, dass sie an Shayla's Nase stieß. "J-ja-a, das bin ich", antwortete Shayla überrascht und starrte verdutzt den Schmetterling an. Schnell hob sie ihre kleine Hand, damit er darauf landen konnte. "Bist du ein sprechender Schmetterling?"

Polly gluckste glücklich und setzte sich sachte auf Shayla's Hand. Dort verwandelte sie sich ganz unerwartet wieder in eine kleine Fee.

"Ooooh!" Shayla jauchzte vor Überraschung, "bist du eine richtige Fee?"
"Natürlich bin ich das!" lachte Polly.
"Willst Du meine Freundin sein?"

Und so begann die wunderbare Freundschaft zwischen dem Mädchen Shayla und einer kleinen Fee mit Namen Polly.



Originaltitel "Shayla and the Clumbsy Fairy"
© 2001 by J. Robert Whittle and Joyce Sandilands

aus dem Englischen übersetzt von Silvia Skolik

J. Robert Whittle hat dieses Feenmärchen (und andere) zusammen mit seiner Frau Joyce Sandilands für seine Enkelin geschrieben. Er stammt aus Yorhshire, UK, wo er als Ingenieur im Kohlebergbau arbeitete, bevor er mit seiner Familie nach Australien auswanderte. Er lebt heute mit seiner Frau Joyce in Victoria auf Vancouver Island, Canada und genießt schreibenderweise seinen Ruhestand.


Mehr von J. Robert Whittle finden Sie hier:
www.lizziebooks.com

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Aktualisiert: 25.11.2011  webmaster@geburtskanal.de
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