Was Sie schon immer über
MÄNNER wissen wollten ...

von Volker van den Boom

Oft entsteht der Eindruck, dass Frauen und Männer sich überhaupt nicht verstehen, dass die Geschlechter verschiedene Sprachen sprechen. So kam es über die Jahrhunderte zu einer Reihe von Vorurteilen, die niemand mehr in Frage stellt. - Im Folgenden möchte ich mich daher mit den Behauptungen beschäftigen, die im allgemeinen über Männer aufgestellt werden und, wie oft auch bei Witzen, manchmal einen wahren Kern haben.


1. Behauptung: Männer sind konfliktscheu

Das scheint, wenn man sich so in der Welt umschaut, erst mal grundfalsch zu sein. Schließlich sind es doch Männer, die sich streiten und prügeln, die Konkurrenzkämpfe und Kriege führen, die verletzen und demütigen. Dennoch weiß jede Frau im Grunde: stehen zu Hause in der persönlichen Beziehung mal die Probleme an, dann sind Männer nicht mehr so bereit, sich auseinanderzusetzen. Lieber wollen sie das Problem schnell vom Tisch haben, oder sie werden plötzlich hilflos, schweigen und drücken sich solange vor der Angelegenheit, wie es nur geht, oder eben sie sehen das Problem einfach nicht.
Frei nach dem Motto: "An den Taten sollt ihr sie erkennen" kommen Frauen zu dem Schluss: Männer sind konfliktscheu. Stimmt ja auch. Wir Männer haben Angst vor Auseinandersetzung, vor Auseinandersetzungen, die unpersönlich tangieren. Auf der Arbeit kann da eine gesunde Distanz gewahrt bleiben - zu Hause jedoch fühlen wir uns den emotionalen Dingen ausgeliefert, die da auf uns zukommen.
Handlungsunfähigkeit ist jedoch ein Zustand, den wir fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Darüber hinaus scheuen wir uns vor Auseinandersetzungen, aber auch, weil wir Angst vor unseren Frauen haben. Tief in uns drinnen erleben wir unsere Partnerin als die Dominante in der Beziehung - und uns als kleine Feiglinge. Das Schlimmste für Jungs war und ist einfach immer noch, wenn Mama ihnen böse wird. Genauso ist es bei uns erwachsenen Männern: wir sind bemüht, bloß alles so zu machen und zu regeln, dass unsere Frau zufrieden mit uns ist und lieb zu uns bleibt. Um das hinzubekommen, legen wir uns oft ganz schön krumm. Nein, natürlich nicht so, dass Frau es merkt. Wäre ja noch schöner, wenn diese blamable Situation auch noch sichtbar würde. Nein, das machen wir mit uns selber aus. Und gerade bei der Auswahl der Mittel sind wir dann auch nicht gerade zimperlich: alles ist recht, was den Erfolg bewirkt. Hauptsache, die Frau bleibt uns gewogen - oder tut zumindest so.


2. Behauptung: Männer sind emotional unterentwickelt

Wer das behauptet, lügt. Oder will Männern Böses. Oder hat einfach keine Lust mehr, hinter den abweisenden, kühlen und gleichgültigen Fassaden der Männer nach Gefühlen suchen zu müssen. Wir Männer haben nämlich einen Trick kultiviert: wenn ich so tue, als wäre ich emotionslos, dann verhindere ich, dass jemand sieht, dass er Emotionen bei mir auslösen kann. Und wenn dieser Jemand genau das nicht mitbekommt, dann bekommt er auch nicht mit, wie ausgeliefert ich mich ihm gegenüber eigentlich fühle, oder wie abhängig von seinem Wohlwollen ich eigentlich bin, oder wieviel Angst ich habe, dass er mit meinen Gefühlen spielen könnte.
Also liebe Frauen, wer cool aussieht ist auch cool. Bilden Sie sich bloß nicht ein, wir Männer wären emotional abhängig von Ihnen, oder dass wir hilflos wären, wenn Sie mit unseren Gefühlen spielen, oder dass wir gar auf Ihr Wohlwollen angewiesen sind. Niemals! Wir Männer sind frei von solchen Empfindsamkeiten!
Die Wahrheit ist natürlich eine andere. Männer sind (genauso wie Frauen) hoch empfindliche Wesen voller Gefühle und in direkter Linie vom Wohlwollen ihrer Frauen abhängig. Ehrlich gesagt, haben wir jedoch einen Fehler: wir wollen nicht, dass das irgend jemand bemerkt. Und deshalb verstecken wir unsere Gefühle. Und deshalb müssen Frauen bei Männern immer so lange nach Gefühlen suchen.


3. Behauptung: Männer gehen immer zu schnell an die Decke

Wer seine Gefühle vor anderen gerne versteckt und im Griff haben möchte, der muss permanent gegen seine eigene Natur ankämpfen. Gefühle verdrängen oder gar missachten bedeutet immer: sich Gewalt anzutun, Druck auf sich selber auszuüben. Und Druck schafft im System Mensch immer Gegendruck. Entsprechend herrscht im Manne konstant hoher Druck. Manche Männer können ihn ein Leben lang aushalten… und bekommen so schöne Dinge wie Magengeschwüre, Herzinfarkte, Gehirnschlag oder Bluthochdruck. Andere führen den Überdruck regelmäßig ab, durch häufigen Sport, Aggression oder Sex. Wieder andere versuchen, beruhigend auf den Druck einzuwirken, durch positives Denken, autogenes Training oder Alkohol.
Alle drei Möglichkeiten lindern zwar das Symptom, berühren aber nicht die Wurzel des Übels. So kommt es, dass Männer immer noch schnell an die Decke gehen, wenn nicht alles so läuft, wie sie es gerne hätten. Früher half da HB, heute nur noch Therapie.


4. Behauptung: Männer wollen nur das Eine

Ja, ich gebe es zu: Sex bedeutet uns viel. "Man hat ja sonst nichts im Leben!" lautet da ein Spruch, der aber schnell und deutlich sagt, was hinter dieser Sexsucht steckt. Wenn nämlich 1. Die Männer einer Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung zuliebe alle Unstimmigkeiten in ihren Beziehungen decken und Probleme harmonisieren, wenn sie 2. Ihre Empfindlichkeiten und Gefühle hinter den sieben Bergen verstecken oder ganze Festungsanlagen um sich bauen, und wenn sie 3. dann auch noch unter permanentem Druck stehen - ja, was bleibt denn da noch vom Leben? Wo gibt es denn da noch Gefühle, Abenteuer, Erlebnisse? Auf der Achterbahn, beim Extremsport und beim Sex. Erfrischend belebt er so das Einerlei des Alltags. Sex also, als Leckerchen für stressgeplagte Männer, die Stimulanz für eintönige Gestalten. - Wer verlernt hat, dass auch andere Gefühle belebend sind, eben wieder Leben einhauchen können, der greift auch weiterhin zu seiner Droge.


5. Behauptung: Wenn er steht, dann will er auch

Weit gefehlt, meine Damen! Weit gefehlt, meine Herren! Nicht nur Frauen, auch die Männer glauben, dass, wenn er steht - das beste Stück des Mannes - dass dann auch Sex angesagt ist. Fatale Folge dieses Irrtums: Frauen fühlen sich oft bedrängt ("Schon wieder??") oder finden sich in der Rolle des Sexmuffels wieder ("Ich habe nicht so viel Lust wie er, irgendwie bin ich falsch.")
Männern ergeht es da nicht besser, wenngleich ihr Irrtum angenehmer ist: denn wenn er steht, dann ist es bewiesen: jetzt habe ich Lust, jetzt brauche ich Sex!
Nichts da! Das muss nicht so sein. Wer von den Männern kennt nicht die Morgenlatte, die einfach da ist, ganz ohne Sex im Kopf. Obwohl sie, rein technisch gesehen, dazu benutzt werden kann, einem Werkzeug gleich, dessen Anwesenheit alleine den Gebrauch schon fast zwingend notwendig macht. Doch kommt es auch vor, daß Er sich regt und zum kompletten Ständer sich entwickelt, wenn die Liebe sich breit macht im Herzen des Mannes - wenn er seiner Frau tief in die Augen schaut und sein Herz sich weit, weit öffnet. Dann öffnen sich auch andere Kanäle, das Blut strömt in die Adern und schwellt nicht nur die Brust. Ein Ständer also als Beweis nicht einfach nur der sexuellen Lust.
Bleibe ich jedoch ganz ehrlich, dann muß ich leider sagen: was wir erst mal in den Händen halten, das lassen wir nicht so schnell wieder los. So ist es auch mit der Lust: selbst wenn die Erregung fehlt, selbst wenn wir nicht in Wallung sind: Hauptsache das Werkzeug klappt - Der Hunger kommt eben oft doch erst beim Essen.


6. Behauptung: Männer, ihr könnt euch ändern

Aber: "Wie?" werden Sie mich fragen. Auch das ist eigentlich schnell gesagt, wenngleich es mehr ein Stoßseufzer ist: Ach Männer, was legt ihr euch so krumm, versteckt und verstellt euch, lauft vor eurem Inneren weg und macht ganz cool auf Lust for Life! Ihr seid ertappt - schon längst! Denn jede Frau weiß im Grunde, wie zartbesaitet Männer sind. Drum hört doch auf mit eurer Show: zeigt euch, wie ihr seid. Zumindest eurer Frau und euren Kindern. Die haben doch ein Anrecht darauf. Und liebevoll werden sie dann schon mit euch umgehen.
Traut euch und zeigt, wie empfindsam ihr seid. Haucht euch das Leben ein - beginnt das Abenteuer der Gefühle, mit allen Auf und Abs, mit Ängsten und Glücksgefühl.


Der Autor:
Volker van den Boom ist Sexualtherapeut und Partnerschaftsberater in Aachen:

Praxiszentrum f. biol. Heilmethoden u. Psychotherapie
Volker van den Boom
Vaalserstr. 525
52074 Aachen
Tel. 0241/4134071
http://www.sexualberatung-aachen.de/

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Aktualisiert: 25.11.2011  webmaster@geburtskanal.de
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