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Babys aus dem Labor. Segen oder Fluch?
Theresia Maria de Jong
Beltz Verlag 2002; ISBN: 3407221347 * info
250 Seiten, € 14.-
Kinderkriegen war einmal reine Frauensache.
Der Körper der Frau, der das "Wunder der Fortpflanzung"
vollbrachte, wurde bewundert, geachtet und mit Ehrfurcht behandelt.
Aus ihrem Vermögen, Leben zu spenden, erwuchs der Frau Macht und Ansehen.
Sie war Vertreterin der "großen Mutter", die alles Leben schenkt.
aus dem Vorwort
Unverblümt und unerschrocken nennt Theresia Maria de Jong die Dinge beim Namen und räumt endlich auf mit der Jubel-Propaganda der Kindermacher.
Die wunderbare Entstehung des Lebens wird von der Reproduktionsindustrie zum gewinnbringenden Herstellungsprozess degradiert, die Frau dabei als Rohstofflieferantin benutzt. Die künstliche "Zeugung" - besser gesagt die Herstellung von Kindern im Labor - ist heute ein grossangelegtes weltweites Experiment an Frauen, verübt von rücksichtslosen, macht- und geldgetriebenen Medizinern, die mit Unterstützung der Pharma- und medizintechnischen Industrie eine starke Lobby im Rücken haben und dabei alle Skrupel über Bord werfen.
Die Autorin geht in ihrem Buch ein auf das gesellschaftlich geprägte Rollenbild der Frau als Mutter, die Glorifizierung des Kindes als Erfüllung weiblicher Bestimmung und die Fixierung auf ein Kind. Sie beschreibt den Leidensweg einer "Sterilitätskarriere", auf den frau sich begibt, wenn es mit dem Kinderwunsch nicht so klappt wie gewünscht.
Sie rechnet ab mit den Nutzniessern dieses Dilemmas: der Fortpflanzungsindustrie und ihren Handlangern und Machenschaften. Sie widmet sich den Methoden und Praktiken der künstlichen Befruchtung (IVF und ICSI) und der heiss diskutierten vorgeburtlichen Diagnostik (PID) - medizinische Techniken, die sich allesamt im Experimentierstadium befinden. Dabei erläutert sie Fakten, Abläufe und komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse und schreibt über Erfahrungen, Machbarkeiten und Auswüchse, von denen in den Medien ansonsten nur selten berichtet wird.
Mit falschen Versprechen und ungenügender Aufklärung über die nicht unerheblichen gesundheitlichen Risiken und Gefahren der Kinderwunschbehandlung, sowie der permanenten Verschleierung und Schönfärberei von "Erfolgsraten" ist es den Kindermachern in den vergangenen beiden Jahrzehnten gelungen, bei hilfesuchenden Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch völlig unhaltbare Hoffnungen zu wecken: neben der Schwangerschaft wird auch das "machbare" gesunde Kind angepriesen. Dies alles geschieht mit dem gierigem Griff ins Portemonnaie hilfesuchender potentieller Eltern-Kunden.
Die Kindermacher-Mafia ist allerdings so erschreckend vom Misserfolg gezeichnet, dass es äusserts verwunderlich ist, wie wenig dies bisher in der breiten Öffentlichkeit realisiert wurde. Die tatsächliche Erfolgsrate (= baby take home rate) beträgt nur ~ 10%. Viele Mehrlingsschwangerschaften - und dadurch bedingt auch eine hohe Frühgeburtenrate mit unabsehbaren und oft lebenslangen Schäden für die Kinder und ihre Familien - sind eine Folge der künstlichen Zeugung. Mit den seelischen Auswirkungen und den sozialen Problemstellungen kann sich die Gesellschaft befassen - oder auch nicht.
Die Missbildungsrate bei den künstlich entstandenen Kindern ist ebenfalls eklatant hoch, die psychischen und sozio-medizinischen Folgen bereits zu erahnen, aber in ihrer ganzen Auswirkung noch lange nicht abzusehen. Welche Auswirkungen die manipulierenden Eingriffe bei der künstlichen Zeugung auf die bereits geborenen Kinder haben und wie es ihnen ergeht, wird nicht verschwiegen: beispeilsweise gestörtes emotionales und soziales Verhalten, Angstneurosen oder Identitätsprobleme.
Die Verantwortung und die Konsequenzen aus der Kinderwunschbehandlung trägt ausschliesslich die Frau. Mit so befreiend klingenden Schlagworten wie "Selbstbestimmung" und "Eigenverantwortung" ist es tatsächlich gelungen, üble Bauernfängerei zu betreiben. Die Marktlücke 'Frau und Kinderwunsch' wird skrupellos und gewinnbringend ausgenutzt.
Die Autorin verurteilt die Verlogenheit und Propaganda der Kindermacher, die uns in die Irre zu treiben versuchen und uns eine Welt in Aussicht stellen, in der die Fortpflanzungsfähigkeit von der Sexualität und damit von der zwischenmenschlichen Beziehung getrennt wird. Dafür übernimmt eine ganze Industrie unter dem Deckmäntelchen der Hilfsbereitschaft die Produktion von Menschen nach Gutdünken - und schädigt damit nicht nur die Frauen, sondern missbraucht vorsätzlich auch die Seele des Ungeborenen schon bei der "Zeugung".
Die Präimplantationsdiagnostik bietet nicht nur die Möglichkeit der Geschlechts- und Eigenschaftswahl, sondern bereitet auch den Weg für eine legale Lizenz zum Töten nicht "einwandfreier" Embryonen. Bei den auserwählten und implantierten wird die normgetreue Entwicklung in der Schwangerschaft kontrolliert… Ein bedrohliches Scenario, von denen die meisten Frauen und Paare, die sich hilfesuchend darauf einlassen, keine Vorstellung haben.
Die ganze Schmutzkampagne der Fortpflanzungsindustrie unter dem Deckmäntelchen der Frauenfreundlichkeit und dem manipulierenden Slogan "Recht auf ein eigenes Kind" erhält durch teilweise perverse Ideologien ihrer Vertreter einen besonders abstossenden Beigeschmack. Als Beispiel dient ein renommierter Geburtsmediziner an einem der grössten geburtshilflichen Zentren im deutschsprachigen Raum, dessen Vorstellungen die Autorin anführt: da ist von Sterilisation aller Frauen mit 18 Jahren die Rede, von einer Korrektur der normalen Fortpflanzungsvorgänge mittels medizinischer Massnahmen und von einem grundsätzliches Abschaffen der natürlichen Geburt…
Embryonen-Adoption und -spende, Eizellen- und Spermamarkt, Leihmutter-Service und auf dem internationalen Markt angebotene Embryonen"specials", künstliche Gebärmütter und die skrupellose Ausnutzung junger Frauen als Eizellenspenderinnen führen in erschreckender Weise vor Augen, auf welchem Territorium wir uns hier bewegen. Überzählige Embryonen werden bereits als gewinnbringendes Abfallprodukt betrachtet und für Forschungszwecke gebraucht. Menschliche Blastozysten als Stammzelllieferanten für geplante menschliche Ersatzteillager und die Herstellung von Embryonen einzig und alleine zum Zwecke der Forschung sind bei Weitem keine Utopie mehr, die legalen Voraussetzungen werden fast unbemerkt getroffen - dies alles geschieht jetzt und mit geradezu haarsträubenden Aussichten und in bedrohlicher Geschwindigkeit…
Erfreulich ist, dass die Autorin auch Alternativen in der Kinderwunschbehandlung aufzeigt: nicht invasive, natürliche Behandlungsmethoden, die gute Erfolge erzielen - auch bei Paaren, denen die Reproduktionsmediziner oft in vielen Jahren nicht helfen konnten. Vieles weist darauf hin, dass der Grund für Sterilität auch in der Psyche liegen kann; ein ganzheitliches Behandlungskonzept, dass hier ansetzt, wird im Buch beschrieben.
Für die bei Weitem überwiegende Gruppe der Paare, die trotz oftmals jahrelanger Kinderwunschbehandlung und künstlicher Befruchtungsversuche kinderlos bleiben, schreibt Frau de Jong über den Umgang mit ungewollter Kinderlosigkeit und alternativen Lebenskonzepten - und inspiriert zu neuen Gedanken, anderen Wegen und einem erfüllten Leben, auch ohne Kind.
Das Buch ist fesselnd geschrieben, mann/frau möchte es nicht mehr aus der Hand legen. Die teilweise komplexen wissenschaftlichen Hintergründe sind anschaulich und auch für Laien gut verständlich dargestellt. Mit jeder Seite werden selbst mit dem Thema weniger vertrauten Menschen die unglaublichen Zusammenhänge klarer und der Zorn steigt - auch darüber, wie es überhaupt möglich werden konnte, all diese Tatsachen so lange hinter den Kulissen zu verstecken.
Ein absolut notwendiges Buch - im Interesse aller Frauen und Kinder!
Wenn Sie dieses Buch gelesen haben, stellen Sie es bitte nicht ins Bücherregal - geben Sie es weiter!
Silvia Skolik
Geburtskanal Redaktion, Februar 2003
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