|
In Mondnächten
Ami McKay
btb 2007;ISBN: 3442751802 * info 412 S., € 19.95
„Es gibt Babys, die nicht für diese Welt geschaffen sind. Du kannst ihn nur beschützen, bis sein Engel kommt, “ sagt die alte Hebamme Miss Babineau zur jungen Dora Rare in der berührenden ersten Geburtsszene in diesem Buch. Es entführt uns in einen abgelegenen Winkel der Welt, nach Scots Bay an der kanadischen Küste. Im Mittelpunkt steht Dora, die von Nachkommen eines Indianers und einer schottischen Einwanderertochter abstammt. Nicht nur der Umstand, dass sie mit einer Glückshaube zur Welt kam, bewegt die Geburtshelferin des Bezirks dazu, Dora zu ihrer Nachfolgerin zu erwählen. Es ist ihre Intuition, die ihr bei der Arbeit eine ebenso große Hilfe ist wie das Beten und die Hausmittel. Sie weiß, dass Dora Rare etwas Besonders ist und die Kraft hat, mit ihr zusammen den verstorbenen, zu früh geborenen Jungen in den Wäldern im Garten der Toten zu begraben. Vorher muss Dorrie ihm einen Namen geben: „Sprich ihn einmal aus, damit er weiß, dass er geboren wurde.“
Zuerst widerstrebend übernimmt Dora, von nun an immer mehr Hebammenaufgaben. Sie lernt, mit normalen Schwangerschafts-und Geburtsverläufen, Krisensituationen und Kräutern umzugehen. Sie muss sich mit ihrem jähzornigen Ehemann und der neuen Geburtsmedizin in Gestalt eines jungen, unerfahrenen Arztes herumschlagen. Er richtet eine Geburtsklinik ein und lockt mit Modernität, Hygiene, Schmerzfreiheit und angeblicher Sicherheit. Eine Zeitlang verlässt Dora ihr Zuhause, um seinen Anschuldigungen zu entgehen. Letztlich findet sie Freundinnen, die und zu ihr stehen, eine Adoptivtochter, einen Geliebten - und ein Haus. Dort kann sie „ihre“ Frauen betreuen, so wie sie es brauchen und schätzen. Dieses Haus war der Anlass für den Roman. Als die schwangere Ami McKay mit ihrer Familie nach Scots Bay zog, hätte sie nicht gedacht, dass in ihrem neuen Zuhause eine fast vergessene Geschichte auf ihre Entdeckung wartet: die eines Geburtshauses und seiner Besitzerin, der 1955 verstorbenen Hebamme Rebecca Steele. Das wenige Dokumentationsmaterial sowie die Erzählungen der Adoptivtochter und anderer BewohnerInnen der Bucht lieferten den Stoff, aus dem diese faszinierende und lebendige Hebammenbiografie komponiert ist. Das Buch stand wochenlang auf den kanadischen Bestsellerlisten. Es erinnert daran, dass das Leben und die Geburten etwas mit Schicksal - und mit Liebe zu tun haben.
Dorothea Rüb, 2007
Österreichische Hebammenzeitung http://zeitung.hebammen.at
|