Buchbesprechung




Krabbensalat
Claudia Ascher
Verlag für Medizin und Gesundheit, 2001; ISBN: 3932977033 * info
283 S., 18.- Euro

Nach langjähriger Hormonbehandlung ist es endlich soweit: Frau Ascher ist schwanger - sie erwartet Fünflinge. Bei aller Vorfreude gibt es auch Schattenseiten: Die Schwangerschaft verläuft kompliziert, Mutter und Kinder sind der ständigen Gefahr einer Frühgeburt ausgesetzt. Als sich bei der werdenden Mutter auch noch das lebensbedrohliche HELLP-Syndrom entwickelt, werden die Babys nach einem Blasensprung per Kaiserschnitt auf die Welt geholt - in der 27. Schwangerschaftswoche, Geburtsgewicht zwischen 620 und 870 Gramm, realistische Lebens-Chance: gering.

Damit beginnt der Über-Lebenskampf der fünf Winzlinge - werden sie es schaffen, und wenn ja, wie? Werden sie sich normal entwickeln, werden sie sehen, hören, sprechen können? Werden sie glückliche und zufriedene Menschen sein? Werden Mutter und Vater die notwendige Kraft aufbringen, um alle Schwierigkeiten gemeinsam zu meistern?

Die Mutter verbringt die ersten bangen Tage nach der Geburt noch selbst auf der Intensivstation, wo sie besonders unter der inkompetenten Betreuung und der schlechten Atmosphäre leidet. In den folgenden Monaten pendeln die jungen Eltern täglich zwischen verschiedenen Kinderkliniken hin und her, Ärzte und Schwestern werden zu Vertrauten, die Neugeborenen-Intensivstationen zum zweiten Zuhause…

Die Autorin versteht es, ein bewegendes Stück Lebensweg eindrucksvoll und - bei aller Dramatik - auch mit Humor zu schildern. Realistisch beschreibt sie ihre (teilweise auch negativen) Erfahrungen und findet viele gute Worte für die Menschen, die ihrer Familie eine Hilfe und Unterstützung in schweren Zeiten waren - und sind. Die medizinischen Hintergrundinformationen zum Themenkomplex Mehrlingsschwangerschaft und Frühchen sind fachkundig und präzise, dabei laienverständlich geschrieben.

Im emotionalen Auf und Ab zwischen Angst und Freude, Sorge und Hoffnung, medizinischen Erfolgen und niederschmetternden Ereignissen, ist die lebensbejahende und liebevolle Beziehung der Eltern zu den Kindern immer zu spüren. Ein komplizierter Start für eine junge Familie, deren Lebensweg bei aller medizinischen Kunst ohne die innige Verbundenheit des Elternpaares sicher weniger glücklich verlaufen wäre.

Die positive Einstellung, die sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht, hat mich einfach fasziniert! Trotz grosser Krisen voller Zuversicht in die Zukunft schauen und die schönen Seiten des Lebens bei aller Sorge trotzdem geniessen zu können, das ist schon eine Kunst - und sehr beeindruckend! Im Nachwort steht geschrieben:

"Es ist uns eine grosse Freude,
die tolle Entwicklung unserer Kinder zu sehen".

"Krabbensalat" ist ein Buch voller Hoffnung, nicht nur für Eltern und medizinische BetreuerInnen von Frühgeborenen, sondern auch für Paare, die sich mit dem Gedanken an eine Kinderwunschbehandlung tragen - und überhaupt für alle Menschen, die sich mit den menschlichen Aspekten von Mehrlingsschwangerschaften und Frühgeburten befassen möchten.

Silvia Skolik 12/2002

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