Buchbesprechung




The Spiritual Life of Children
Robert Coles
A Peter Davison Book, Houghton Mifflin Company, Boston 1990
358 Seiten, mit Inhaltverzeichnis und Literaturangaben, gebunden.


Robert Coles ist verheiratet mit Janes Coles und Vater von drei Söhnen, die bereits früh in seine Arbeit involviert waren. Er arbeitet als Kinder- und Jugend-Psychiater und Psychoanalyst, ist Lehrer an der Havard Universität und deren Schulen, und hat sich bei seinen Forschungen bemüht, die Lebenswelten der Kinder zu verstehen.

Seit 1961 veröffentlicht er in Artikeln, Wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten und Büchern die Erfahrungen und Ergebnisse seiner Forschung, durch die er zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten hat.

Eines seiner hervorragendsten Werke ist "The Spiritual Life of Children", in dem er sensibel und selbstkritisch die Interviews mit Kindern aus verschiedenen kulturellen und soziologischen Umfeldern darstellt, die ihn zu größerem Respekt vor den religiösen Vorstellungen von Kindern führten.

Das Buch ist leider nur in Englisch zu erhalten, wodurch der Vorteil entsteht, die Texte langsamer zu lesen und dadurch die vielen verschiedenen Ebenen, die der Autor anspricht, besser zu begreifen. Bei der Lektüre versinkt der Leser in die spannende Innenwelt des Kindes und bemerkt Aspekte auch bei den eigenen Kindern, die oft übersehen werden. Die sprachliche Hürde des Lesens entspricht der sprachlichen Barriere des Kindes, wenn es von Erfahrungen und Überlegungen berichten soll, für die in der häuslichen Kultur der Familie mitunter zu wenig Worte vorhanden sind.

Inhalt:
In der Einleitung erzählt der Autor ausführlich über seinen eigenen Werdegang und wie er langsam auf die Spur dieser wichtigen Botschaften der Kinder gestoßen ist. Er bietet in den Kapiteln "Psychoanalyse und Religion" und "Methodik" verständlich Grundlagenwissen, um den Ausführungen folgen zu können.

In den weiteren 10 Kapiteln wird mit Interviewbeispielen, Analysen und Erklärungen aufgezeigt, wie sich spirituelles Leben bei Kindern und Jugendlichen zeigt. Von immer neuen Blickwinkeln aus wird wiederholt das selbe (bestätigende) entdeckt: Kinder fragen nach dem Leben. ("Das Gesicht Gottes", "Die Stimme Gottes", "Junge Spiritualität: Psychologische Themen", "Junge Spiritualität: Philosophische Überlegungen", "Junge Spiritualität: Visionäre Momente", "Repräsentationen", "Christliche Erlösung", "Selbstübergabe im Islam", "Jüdische Gerechtigkeit" und "Sekuläre Selbsterfahrung".)

Das letzte Kapitel "Das Kind als Pilger" ist wie eine Ernte für den Psychotherapeuten, der sich von vielen vorgefassten Meinungen über das Kind lösen musste um zu erkennen, dass Kinder ein spirituelles Leben in sich tragen.

Dieses Buch empfehle ich, weil es ermutigend wirkt, sich auf diese spirituelle Ebene auch schon sehr kleiner Kinder einzulassen. In der Stillbeziehung wird durch die Stärkung des Urvertrauens von Mutter und Kind in der Familie ein Klima geschaffen, das hilft, diesen Aspekt des menschlichen Erlebens zu erahnen.

Dr. Brigitte Humer-Tischler

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