Buchbesprechung




Von der Wehemutter zur Hebamme
Die Gründung von Hebammenschulen mit Blick auf ihren politischen
Stellenwert und ihren praktischen Nutzen

Christine Loytved (Hg.)
Universitätsverlag Rasch Osnabrück; ISBN: 3935326459 * info
128 S., 18 Euro

Anlässlich der Jubiläen zweier grosser Hebammenschulen in Berlin und Göttingen vor 250 Jahren ist mit diesem Band eine Zusammenfassung wissenschaftlicher Studien zur Entwicklung der Hebammenausbildung und den Einflüssen auf die Hebammenarbeit in Deutschland entstanden:

Die Hebamme im soziokulturellen Blickpunkt - eine sorgfältig gestaltete Rückblende.

Die Autoren der gesammelten Beiträge sind HistorikerInnen und KulturwissenschaftlerInnen:

  • Zur Erforschung geburtshilflichen Überlieferungswissens von Frauen in der frühen Neuzeit - Waltraud Pulz
  • Frauenberuf ohne Vorbildung? Hebammen in den Städten und auf dem Land - Eva Labouvie
  • Moderne Hebammen, traditionelle Wirklichkeiten: Probleme auf der Mikroebene - Oliver Stenzel
  • Hebammen und Geburtshelfer im Göttingen des 18. Jahrhunderts. Das Jahr 1751 und seine Folgen - Henrike Hampe
  • Zur Gründung der Hebammenschule an der Berliner Charité 1751 - Christine Loytved
  • "… zwinget mich nicht dahin zu gehen, wo ich aller Schamhaftigkeit vergeßen sein soll." Aus den Anfängen der Jenaer Entbindungsanstalt - Stefan Wolter
  • Der Schritt von der Hebammenlehre zum Unterricht beim Mediziner - Christine Loytved
  • Von Wehemüttern und Geburtshelferinnen. Zur Geschichte der Hebammen in Lippe. - Barbara Linzbach


Fazit: Der Berufsstand der Hebamme hat seit seiner Professionalisierung gegen die Diskriminierung durch die Mediziner zu kämpfen. Die Einführung der Hebammenschulen hatte zur Folge, dass das persönliche Vertrauensverhältnis der Frauen zu "ihrer Hebamme" abgelöst wurde vom neuen System der Geburtsmedizin, das allein für sich den Anspruch auf eine sichere Geburtshilfe erhob und den Hebammen die Schuld für den Tod unzähliger Mütter und Kinder zuschob. Die Folgen dieser Entwicklung tragen die Frauen - Schwangere und Hebammen - heute noch.

"Dieser erste Band der Schriftenreihe 'Frauengesundheit' richtet sich an Hebammen und an Laien, die sich für die Geschichte der Geburt interessieren, sowie speziell an Forschende in Medizingeschichte, Soziologie, Pflege, Gesundheits- und Kulturwissenschaften." (aus dem Klappentext)

"Von der Wehemutter zur Hebamme" sollte Pflichtlektüre in der Hebammen-Ausbildung sein!

Geburtskanal Redaktion, 2002

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