Buchbesprechung




Das Wunder der ersten Lebenswochen
Marshall H. Klaus, Phylis H. Klaus
Kösel Verlag 2000; ISBN: 3466344247 * info
127 S., 17,95 Euro

Babys kommen als kleine Persönlichkeiten zur Welt. Wer Kontakt mit Neugeborenen hat und offen ist für die Faszination, die von einem kleinen Menschen ausgeht, weiss um seine erstaunlichen Fähigkeiten. In diesem Buch sind neue Erkenntnisse über das Verhalten und die Fähigkeiten von Neugeborenen zusammengetragen.
Das erste Kapitel widmet sich der Zeit vor der Geburt - dem Beginn des Bewusstseins. Ultraschall, Computertomographie, Fiberoptik und andere Technologien geben unseren Vorstellung von der Lebenswelt eines Ungeborenen ein gutes Bild, z.B. wie ein Fetus auf Licht, Geräusche und sensorische Botschaften reagiert. Nach 23 Tagen fängt sein Herz an zu schlagen, mit 12 Wochen können alle Gelenke eines Armes oder Beines gleichzeitig bewegt werden. Gähnen, schlucken, lächeln, nuckeln, greifen, sich zusammenkauern und wieder ausstrecken - das sind einige der eigenen Aktivitäten, die den Feten auf die Welt außerhalb der Gebärmutter vorbereiten.
Ein weiteres Kapitel konzentriert sich auf die ersten Minuten nach der Geburt. Dieser kostbare Moment, der so einmalig ist, zeigt uns, welche Fähigkeiten ein gerade geborenes Menschenkind hat. Es kann ganz alleine zur Brust seiner Mutter finden, sofern wir seine Fähigkeiten nicht behindern, indem wir es gleich waschen.
Die wunderbaren sensiblen Bilder (über 50 Schwarz-Weiss-Fotos) machen auf verschiedene Verhaltensmuster aufmerksam. Keine Werbefoto-Kinder, sondern Neugeborene: zerknauscht, etwas verschmiert mit Käseschmiere und doch rein und so wach für diese Welt.
Die weiteren Kapitel im Buch gehen auf die Fragen ein: was sieht ein Neugeborenes, was hört ein Neugeborenes, was kann es tasten, schmecken und riechen.
Interessant finde ich auch das Kapitel über Bewegungen und Rhythmen. Das auf uns oft unwillkürlich wirkende Gezappele eines Neugeborenen scheint nach neuesten Erkenntnissen nach einem erkennbaren Rhythmus und Muster abzulaufen, eine Grundlage für gezielte Handlungen.
Erfreulich, dass die Autoren sich auch mit dem adoptierten Baby auseinandergesetzt haben. Auch die Familie als Ganzes kommt nicht zu kurz.

Ein wertvolles und bereicherndes Buch, das nicht nicht nur in die Hände junger Eltern gehört. Es ist auch für Hebammen und Geburtshelfer geschrieben, hilfreich z.B. für den Vorbereitungskurs oder als Nachschlagewerk für die vielen Fragen, die junge und werdende Eltern stellen.

Es ist eine Aufforderung an alle, die mit Babys zu tun haben, ihre Sinne dafür zu schärfen, Kinder sensibel wahrzunehmen, um ihnen damit beste Bedingungen für ihre soziale, körperliche und geistige Entwicklung zu geben. Bereits beim Lesen kann man (wieder) lernen, mit den Eltern zu staunen über das Wunder der ersten Lebenswochen. Ich hoffe, dass Sätze wie "Das versteht der Kleine noch nicht" damit bedeutungslos werden.

Die Autoren:
Prof. Dr. Marshall H. Klaus ist ein international bekannter Neonatologe und Professor für Kinderheilkunde an der Universität von Kalifornien in San Francisco. Seine Frau Phyllis H. Klaus lehrt und praktiziert Psychotherapie am Erikson Institute in Santa Rosa und hat eine Therapiepraxis mit Schwerpunkt auf Problemen in der Schwangerschaft, rund um die Geburt und die Zeit danach. Sie sind Eltern und Großeltern.

Barabara Müller-Wopfner 12/2002

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