ABR – Advanced Biomechanical Rehabilitation
ABR Therapie für Kinder mit einem erhöhten Risiko von Entwicklungsstörungen (Frühgeburt, Mehrfachgeburt oder Geburt mit Komplikationen)
von Jana Neumann
Bei einer großen Anzahl von Kindern die als Früh- oder Mehrlingsgeburt zur Welt kommen, wird später die Diagnose "ICP - Infantile Zerebralparese" gestellt. Mittlerweile bilden Patienten mit Zerebralparese und anderen Schäden des zentralen Nervensystems die absolute Mehrheit von ABR Patienten weltweit.
Bei solchen Patienten war eine volle Ausreifung der körpereigenen Systeme im Mutterleib nicht gegeben. Dieser Mangel zeigt sich oft in Entwicklungsstörungen, nicht zuletzt im Bereich der motorischen Entwicklung. Auch wenn ein Kind mit Geburtskomplikationen zur Welt kommt, steigt das Risiko eines Gehirnschadens erheblich, und auch hier muss man mit Entwicklungsverzögerungen rechnen.
Leider werden solche Fehlentwicklungen oft viel zu spät diagnostiziert. Schon nach Vollendung des ersten Lebensjahres steigt der für eine Rehabilitation notwendige Aufwand um ein Mehrfaches, egal ob mit oder ohne ABR. Nach Ablauf dieser Zeit sind in der Regel nicht nur deutliche strukturelle Deformationen aufgetreten, die behoben werden müssen, damit funktionelle Verbesserungen erzielt werden können, sondern eine wichtige Phase für die Entwicklung des Bewegungsapparates ist bereits abgeschlossen. Dagegen sind die Plastizität und das Veränderungspotential körpereigener Systeme in den ersten Lebensmonaten vergleichsweise sehr groß.
Im Wesentlichen bewirkt die ABR Therapie eine Stärkung und gezielte Steuerung der körpereigenen plastischen Gestaltungskräfte. Angewendet während der ersten Lebensmonate, verstärkt die Behandlung nicht nur die pneumatische Kapazität der Lunge, sondern auch die biomechanischen Qualitäten der inneren Organe. Die gesamten Körperfunktionen werden maßgeblich verbessert. Die ABR-Therapie leistet eine wesentliche Unterstützung für die Ausreifung der inneren Systeme und schafft die besten Voraussetzungen für eine bestmögliche Weiterentwicklung des Kindes.
Dank der hohen Genauigkeit der ABR-eigenen Evaluierungsmethoden ist es bereits in den ersten Lebenstagen möglich, das erhöhte Risiko bei einem Säugling festzustellen und geeignete Anwendungen anzugeben
Insbesondere bei beatmeten Kindern sind einige Symptome auch für die Eltern frühzeitig erkennbar:
- abnormer Muskeltonus (sowohl Hyper-, als auch Hypotonie)
- paradoxe Atmung
- Apathie (begrenzter oder fehlender Bewegungsdrang)
- Irritabilität
Dringend empfohlen sind hier prophylaktische ABR-Maßnahmen, um folgenden, häufig erst später auftretenden Symptomen vorzubeugen:
- Bewegungs- und Haltungsstörungen
- Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen
- Unkontrollierte und unwillkürliche Bewegungsabläufe
- Mangelnde Kontrolle der Mimik, häufiges Grimassieren
- Krampfanfälle (Epilepsie)
- Hör-, Sprach- und Sehstörungen
- Augensymptome (Schielen)
- Schluckbeschwerden, Speichelausfluss
Ausführliche Information über die ABR Therapie:
ABR Deutschland
Email: info@abr-therapy.com
Im Internet: www.abr-therapie.de
Die Autorin: Jana Neumann ist ABR-Trainerin und Leiterin von ABR Deutschland. Studium der Medizin in Russland. Seit 2000 ist sie im Bereich ABR tätig. Ausbildung zur ABR Trainerin bei Leonid Blyum, arbeitet eng mit ihm zusammen. Sie unterstützt ABR Dänemark und ist verantwortlich für die Koordination der deutschsprachigen Patienten.

Erfahrungsbericht:
Gerard Montocchio wurde am 10. Oktober 1995 in Wien, Österreich geboren. Gerade zwei Tage alt, entdeckten die Ärzte, dass er einen schweren Herzfehler hatte: eine Transposition der großen Gefäße. Er wurde sofort operiert und in künstlichen Tiefschlaf versetzt. Es ging ihm sehr schlecht. Er wurde an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, seine Nieren versagten, so dass er eine Nierendialyse bekommen musste, er erlitt einen Herzstillstand. Mit 17 Tagen wurde sein Herzfehler durch eine arterielle 'Switch-Operation' behoben. Er entwickelte einen Hydrocephalus, wodurch eine Shunt-Implantation notwendig wurde. Als Anfälle auftraten, wurden diese mit Phenobarbital behandelt. Sauerstoffmangel führte zu tief greifenden Gehirnschäden. Nach 2,5 Monaten wurde er aus dem Krankenhaus entlassen. Er wurde immer noch durch einen Schlauch durch die Nase gefüttert, konnte die Glieder kaum bewegen, war 95% gehörgeschädigt und konnte nicht richtig sehen. In den folgenden vier Jahren machte er sehr langsame Fortschritte. Er bekam wöchentlich je eine Stunde Physiotherapie, Ergotherapie und Craniosakrale Therapie. Im Alter von einem Jahr lernte er, sich vom Rücken auf die Seite zu drehen. Mit 21 Monaten konnte er sich vom Rücken auf den Bauch und zurück drehen und sich so rollend (wie ein Baumstamm) fortbewegen. Kurz vor seinem 4. Geburtstag lernte er, sich nach vorne zu bewegen indem er sich auf dem Bauch entlangzog, einen halben Meter auf einmal. Bis er etwa ein Jahr alt war, war er völlig hypotonisch (schlapp), neigte aber dazu, den Nacken nach hinten zu beugen. Mit 4 Jahren war sein Rumpftonus immer noch hypoton und er hatte Mühe, seinen Rumpf aufrechtzuhalten. Im Laufe der Jahre waren seine Beine spastisch geworden. Beide Hüften waren ausgerenkt, und seine Beine scherten, beide Füße nach aussen und unten gedreht. Seine Hände und Arme wurden zunehmend spastisch.
Ab dem Alter von viereinhalb Jahren, vier Jahre lang, haben wir zu Hause das intensive Behandlungsprogramm der Institutes for the Achievement of Human Potential (Doman-Programm) durchgeführt. In diesem Zeitraum lernte er, lange Strecken auf dem Bauch zu kriechen, sich auf alle Viere zu heben und auf allen Vieren mit großer Mühe bis zu drei Meter am Tag zu krabbeln. Er lernte hören, sehen und lesen. Im letzten Jahr des IAHP-Programms machte er keine Fortschritte in der Beweglichkeit mehr.
ABR Therapie
Nachdem wir das ABR-Tatsachen-Video gesehen hatten, verstanden wir, dass seine Fortschritte in der Beweglichkeit durch Abnormalitäten in seiner Körperstruktur behindert wurden. In einem Jahr, seitdem wir im Mai 2004 ABR begonnen haben, hat Gerard sensationelle Fortschritte gemacht.
Strukturelle Verbesserungen
Sein Becken öffnete sich (Abstand zwischen den Beckenknochen von 14,5 auf 16 cm erweitert), sein Brustkorb weitete sich, die inneren Ecken der Schulterblätter haben sich herabgesenkt und stabilisiert, seine Arme sind weniger spastisch, sein rechter Hoden stieg ab, sein Gesicht wurde breiter, sein Kopf wuchs deutlich (Vergrößerung des Kopfumfangs 1,4 cm im letzten Jahr, verglichen mit 0,3 cm im Jahr davor).
Funktionelle Verbesserungen
Seitdem er ABR angefangen hat, hat Gerard gelernt, sich in die hohe Knieposition hinaufzuziehen; er ist zum ersten Mal auf ein Bett geklettert; er kann viel besser schlucken; seine Kopfbeherrschung ist deutlich verbessert; er hat angefangen, mit den Lippen zu schmatzen; er hat zum ersten Mal allein auf einem Bürostuhl gesessen – 30 Minuten lang – und hat sich in die aufrechte Position gezogen, indem er sich an einem Fensterbrett festhielt.
geschrieben von Ilse Montocchio,
Mutter von Gerard (9,5 Jahre),
2005
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