Politik versagt
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Forschungspolitik
26.1.2001
Politik hat bei BSE versagt
Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Professor Hubert Markl, hat der Politik gravierende Fehler bei der Bekämpfung der Rinderseuche BSE vorgeworfen. "Die Politik hat hier versagt, weil sie nicht früh genug dafür gesorgt hat, dass keinerlei Tiermehl von getöteten, erkrankten britischen Rindern exportiert und sogar wieder an Rinder verfüttert werden konnte", sagte der Zoologie-Professor der Zeitung "Die Welt" (Donnerstag). "Wäre man hier vorsichtiger gewesen, dann hätten wir vermutlich auf dem Kontinent heute dieses Problem nicht." Der "Irrsinn", von an BSE erkrankten Rindern gewonnenes Eiweiß wieder an Rinder zu verfüttern, sei trotz der dringenden Warnungen von Wissenschaftlern "viel zu lange" fortgesetzt worden.
Nach dem Auftreten der Rinderseuche in Großbritannien Anfang der 80er Jahre seien fast 20 Jahre für der Erforschung von BSE verloren worden. "Diese Zeit hätte man nutzen können, um diese Krankheit wissenschaftlich besser aufzuklären." In Deutschland habe die "in hohem Maße politisch gewollte und geförderte Selbsttäuschung, als lebten wir auf einer ewig BSE-freien Insel", viele Wissenschaftler "nicht gerade motiviert", sich des Themas BSE anzunehmen.
Noch gebe es in Deutschland keinen einzigen Fall der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (n-CJD), die als menschliche Variante von BSE gilt. "Sie wird aber wahrscheinlich noch auftreten", befürchtete Markl. Auf jeden Fall müsse nun alles getan werden, um Prionen-bedingte Krankheiten besser zu verstehen.
dpa
Quelle: www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=51790
Greenpeace
www.greenpeace.de
Redaktion Aktuell
8.12.2000
BSE und das Versagen der Politik
Kommentar von Martin Hofstetter, Landwirtschafts-Experte bei Greenpeace
BSE ist nicht nur Ausdruck einer Krise unserer industrialisierten Nahrungsmittelproduktion, sondern auch der Politik. Rot-Grün hat wie die vorherige Bundesregierung die Interessen der Industrie vor den Verbraucherschutz gestellt - gegen besseres Wissen. So hat Landwirtschaftminister Funke noch vor wenigen Tagen erklärt, BSE könne nicht in Deutschland ausbrechen. Dabei ist ihm bekannt, dass von 1980 bis 1993 über 13.000 Rinder und etwa 1000 Tonnen potentiell infiziertes Viehfutter aus Großbritannien importiert wurden. Und im Ministerium weiß man schon lange, dass auch das deutsche Verfahren zur Herstellung von Tiermehl die BSE-Erreger nicht zuverlässig abtötet. Insgeheim hatte man sich seit Monaten auf den Tag eingestellt, an dem das erste deutsche BSE-Rind gefunden wird. Die EU hatte Deutschland bereits in diesem Sommer zum Unmut von Minister Funke und Bauernverbandspräsident Sonnleitner als wahrscheinlich BSE-verseucht eingeschätzt.
Bei Funke liegen seit mehreren Monaten die Pläne für die alternative Entsorgung des Tiermehls in der Schublade. Aber auf Druck der deutschen Futtermittel- und Fleischindustrie haben Politiker aller Couleur und der Bauernverband dem Verbraucher die BSE-freie Republik vorgegaukelt. Bis vor kurzem durfte sogar Risikomaterial wie Rinderhirn und Milz weiter in deutsche Wurst verarbeitet werden. In anderen europäischen Ländern ist dies aus gutem Grund längst verboten!
Verbraucher und Landwirte werden die Suppe auslöffeln müssen, die ihnen Politik und Futtermittelindustrie eingebrockt haben. Die Politiker drehen sich derweil im öffentlichen Wind, geben heuchlerisch der EU die Schuld an der Misere und wollen die Kosten des BSE-Tests auf die Verkaufspreise für Rindfleisch umlegen. Etwa 12 Milliarden DM hat die Seuche den europäischen Steuerzahler bereits jetzt gekostet.
Nach dem BSE-Schock werden Politik und Fleischproduzenten nur langsam wieder Glaubwürdigkeit erlangen. Die erste Bewährungsprobe steht schon an: Sollten sie das Tiermehl nicht durch normale Soja, sondern durch Gen-Soja ersetzen wollen, würden sie nicht nur die Verbraucher weiter verunsichern. Sie würden auch die landwirtschaftliche Entwicklung weiter in die falsche Richtung lenken. Statt dessen brauchen wir eine De-Industrialisierung der Lebensmittelerzeugung, in Richtung ökologische Landwirtschaft, die Gentechnik vermeidet und mit vernünftigen Mitteln hochwertige Lebensmittel erzeugt.
Quelle: www.greenpeace.de/GP_DOK_3P/REDAKTIO/E001213K.HTM
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