Die Babyklappe setzt sich durch
Ein Schutzkonzept für Frauen und Babys
©www.babyfenster.de
Im April 2000 wurde in Hamburg die erste Babyklappe eingeweiht. Das Projekt Findelbaby von Sternipark e.V. ist initiiert worden, um Leben zu retten.
Der Verein SterniPark e.V. hat mit dieser Einrichtung eine Annahmestelle geschaffen, die jungen Müttern in verzweifelten Situationen rund um die Uhr die Möglichkeit bietet, ihre Neugeborenen anonym abzugeben.
Die positive Bilanz des Projektes ist eindeutig, die Hilfe wird in Anspruch genommen: 8 Säuglinge wurden im ersten Jahr ab- bzw. übergeben, alle waren weniger als 10 Tage alt. Das durchschnittliche Alter der Mütter lag bei 23 Jahren, die Nationalitäten sind unterschiedlich, ebenso die Glaubenszugehörigkeiten. Gemeinsam ist allen diesen Frauen die schwierige, aussichtslos erscheinende Lebenssituation.
Etwa 40-50 Babys werden nach offiziellen Angaben in Deutschland im Jahr ausgesetzt, sie werden meist auf Müllhalden, in Abfallbehältern oder Parkanlagen gefunden. Nur die Hälfte überlebt. Die Dunkelziffer wird auf etwa 1000 geschätzt. Die grösste Gefahr für Neugeborene ist die Kälte. Diese kleinen Menschchen können ihre Körpertemperatur noch nicht so gut regulieren wie grosse Menschen, die Gefahr des Todes durch Erfrieren ist besonders gross.
Die kostenlose Notrufnummer 0-800-456 0789 steht Schwangeren und Müttern in Notlagen rund um die Uhr zur Verfügung.
Die Beratung erfolgt anonym. Ebenso anonym kann die Mutter ohne Preisgabe ihrer Identität den Mitarbeiterinnen ihr Neugeborenes übergeben.
Der Verein Sternipark e.V. bietet Müttern, die sich noch nicht sicher sind, die Möglichkeit, für eine geraume Zeit mit ihrem Baby auf einem Ferien- und Jugendhof zusammenzuleben. Dabei werden sie fachkundig unterstützt. Die Mütter können den Aufenthalt jederzeit beenden, auch ohne ihr Baby mitzunehmen.
Wer überhaupt nicht mehr weiter weiß, kann zur Babyklappe kommen und sein Kind dort anonym abgeben.
Eine Babyklappe befindet sich in der Goethestraße 27 in Hamburg-Altona, eine weitere in der Schönenfelder Straße 5 in Hamburg-Wilhelmsburg.
Hinter der Baby"klappe" befindet sich ein Wärmebettchen, wie es auch in Kinderkliniken und Entbindungsstationen zu finden ist. Dort kann das Baby hineingelegt werden. Beim Benutzen gibt ein Sensor Alarm, dadurch werden die Helfer alarmiert, die in wenigen Minuten zur Stelle sind. Das Baby wird dann kinderärztlich untersucht und ggf. behandelt. Danach findet es vorübergehend Platz bei einer ausgewählten Pflegefamilie.
Die Mutter hat 8 (-10) Wochen Zeit, ihren Entschluss zu überdenken und rückgängig zu machen. Danach wird das Baby zur Adoption freigegeben. Frauen, die ihr Baby in einer 'Babyklappe' abgeben, haben keine Strafverfolgung zu befürchten, da weder eine Kindesaussetzung vorliegt, noch die Sorgepflicht verletzt wird. Es gibt keine polizeilichen Befragungen und keine Zeugen.
Die Babyklappe hat ein historisches Vorbild: Im Jahre 1709 hatte ein reicher holländischer Kaufmann eine "Babyklappe" am Waisenhaus in Hamburg eingerichtet. Die Glocke, die die Neuankömmlinge anzeigte, klingelte bald so oft und es wurden immer häufiger ältere Kinder abgegeben, so dass die Einrichtung nach einem Jahr wieder geschlossen werden musste.
Mittlerweile gibt es viele Babyklappen bundesweit (siehe Liste). Manche haben andere Namen, wie Babykorb, Babyfenster, Babywiege, Babynest, Babykörbchen, Lebenspforte oder Babyschleuse.
In Österreich gibt es Babyklappen in Wien und Ried, weitere sind geplant. Erfolge mit der Babyklappe nach deutschem Vorbild haben auch die Amerikaner zu verzeichnen, wo dieses Modell bereits in Kalifornien erfolgreich praktiziert wird.
Die Diskussion zur Babyklappe ist - auch unter Experten - kontrovers. Es gibt neben vielen Befürwortern auch Gegner dieser Initiative, die den Nutzen in Zweifel ziehen und neben Missbrauch u.a. psychische Folgeschäden bei den Müttern und den abgegebenen Kindern befürchten.
Den InitiatorInnen geht es allerdings hier in erster Linie um konkrete unbürokratische Hilfe für Mütter in akuter Notlage und um's nackte Überleben von schutzlosen und gefährdeten Säuglingen.
Hand in Hand mit dem Projekt Findelbaby geht die Initiative für die Anonyme Geburt, ebenso von Sternipark e.V.
Das St. Anna Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg war das erste Krankenhaus in Deutschland, in dem Frauen anonym entbinden können. Initiatorinnen sind hier, ebenso wie beim 'Projekt Moses', engagierte Mitarbeiterinnen vom Sozialdienst katholischer Frauen.
Mittlerweile gibt es weitere Krankenhäuser, die die Anonyme Geburt anbieten, z.B. in Flensburg, Erfurt, Nürnberg-Süd und Herne. Diese Krankenhäuser und die beteiligten Fachleute bewegen sich mit ihrer Initiative (noch) im Bereich der juristischen Grauzone.
Es bleibt auch nicht bei den Initiativen Babyklappe und Anonyme Geburt. Vielmehr soll die Hilfe schon im Vorfeld ansetzen: Schwangere Frauen finden Aufnahme durch engagierte Menschen bereits in der Schwangerschaft, ein Haus für schwangere Frauen, Mütter und Kinder ist in Hamburg geplant. Junge Mütter haben die Möglichkeit, mit ihrem Baby eine Zeitlang in abgeschirmter Umgebung zusammen zu sein. Sie können sich jederzeit entscheiden, ob sie ihr Baby behalten wollen oder nicht. Auswegslosigkeit wird durch Verständnis gemildert, tatkräftige Hilfe angeboten und Lösungswege werden aufgezeigt.
Die Information der Öffentlichkeit erfolgt in vielfacher Form und soll - egal wie unkonventionell auch immer - dazu beitragen, ein Schutzkonzept für betroffene Frauen und ihre Babys flächendeckend zu verwirklichen.
Aussergewöhnliche Umstände erfordern eben auch aussergewöhnliche Massnahmen!
Weitere Informationen und aktuelle Neuigkeiten finden Sie hier:
Sternipark e.V. - Projekt Findelbaby
www.sternipark.de
Sozialdienst katholischer Frauen
www.skf-zentrale.de
www.skf-zentrale.de/html/buh_babyfenster.html
Verbundprojekt Babyklappe von Caritas und Diakonie in Berlin
www.babyklappe-berlin.de
Babyklappen und Babyfenster (Liste)
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