Die Babyklappe - Hilfe in grösster Not
Anfang April 2000 ist in Hamburg die erste Babyklappe eingeweiht worden. Das Projekt Findelbaby von Sternipark e.V. soll Leben retten.
Der Verein SterniPark e.V. hat damit eine anonyme Annahmestelle geschaffen, die jungen Müttern in verzweifelten Situationen rund um die Uhr die Möglichkeit bietet, ihre Neugeborenen anonym abzugeben.
Die Babyklappe kann man sich wie eine übergrosse Briefkastenklappe vorstellen. Dahinter befindet sich ein Wärmebettchen, wie es in Kinderkliniken und Entbindungsstationen verwendet wird. Dort kann das Baby hineingelegt werden. Beim Öffnen gibt ein Sensor Alarm. Danach dauert es nur wenige Minuten, bis die ersten Helfer vor Ort sind. Das Baby wird dann von einem Kinderarzt untersucht und ggf. behandelt und findet einen vorrübergehenden Platz in einer ausgewählten Pflegefamilie.
"[...] Eine Frau macht sich wegen Kindesaussetzung nur dann strafbar, wenn sie es 'in einer hilflosen Lage in Stich läßt' (§ 221 des Strafgesetzbuches). Weil das Kind beim Projekt Findelbaby, auch nach Abgabe in der Babyklappe, sofort Hilfe bekommt, wird der Straftatbestand nicht erfüllt. Insofern schützt das Projekt nicht nur das Kind, sondern auch die Mutter.[...]" (Sternipark e.V.)
Die grösste Gefahr für Neugeborene ist die Kälte. Diese kleinen Menschchen können ihre Körpertemperatur noch nicht so gut regulieren wie grosse Menschen, die Gefahr des Todes durch Erfrieren ist gross.
Babies auf Müllhalden, in Abfallbehältern oder in Parkanlagen könnten durch das "Projekt Findelbaby" hoffentlich bald der Vergangenheit angehören.
Nach Angaben des Vereins (Sternipark e.V.) werden in Deutschland jährlich etwa 40-50 ausgesetzte Babies gefunden, nur die Hälfte davon überlebt. Die geschätzte Dunkelziffer liegt bei etwa 1000 weggeworfenen oder ausgesetzten Babies.
Die kostenlose Notrufnummer 0-800-456 0789 steht Schwangeren und Müttern in Notlagen zur Beratung zur Verfügung.
Die Beratung erfolgt anonym. Ebenso anonym kann die Mutter ohne Preisgabe ihrer Identität den Mitarbeiterinnen ihr Neugeborenes übergeben.
Der Verein Sternipark e.V. bietet Müttern, die sich noch nicht sicher sind, die Möglichkeit, für eine geraume Zeit mit ihrem Baby auf einem Ferien- und Jugendhof zusammenzuleben. Dabei werden sie fachkundig unterstützt. Die Mütter können den Aufethalt jederzeit beenden, auch ohne ihr Baby mitzunehmen.
Wer überhaupt nicht mehr weiter weiß, kann zur Babyklappe kommen und sein Kind dort anonym abgeben.
Eine Babyklappe befindet sich in der Goethestraße 27 in Hamburg-Altona, eine weitere in der Schönenfelder Straße 5 in Hamburg-Wilhelmsburg.
Die Mutter hat acht Wochen Zeit, ihr Kind wieder zu holen. Danach wird es zur Adoption freigegeben. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Adoptionsvermittlung relativ einfach, weil die Nachfrage sehr groß ist.
Die Babyklappe hat ein historisches Vorbild: Im Jahre 1709 hatte ein reicher holländischer Kaufmann eine "Babyklappe" am Waisenhaus in Hamburg eingerichtet.
Die Glocke, die die Neuankömmlinge anzeigte, klingelte bald so oft und es wurden immer häufiger ältere Kinder abgegeben, so dass die Einrichtung nach einem Jahr wieder geschlossen werden musste.
Bundesfamilienministerin Christine Bergmann hat die Einrichtung ähnlicher Angebote in anderen Großstädten gefordert.
In Sulzbach-Rosenberg (Oberpfalz) läuft mit dem "Projekt Moses" bereits ein ähnliches Projekt, das auch in Frankfurt/Main und Fulda anlaufen soll.
Seit kurzem gibt es auch in Berlin (14163 Berlin-Zehlendorf, Krankenhaus Waldfriede, Tel. 030-818100) die Möglichkeit, ungewollte Babies anonym und straffrei abzugeben. Pastorin Gabriele Stangl hat dieses Projekt ins Leben gerufen.
Das St.-Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg ist das erste Krankenhaus in Deutschland, in dem Frauen auch anonym entbinden können. Diese Möglichkeit stellt eine Ergänzung zum "Projekt Moses" dar und wird vom Sozialdienst katholischer Frauen unterstützt.
In Wien bestehen ebenfalls Pläne, eine Babyklappe nach Hamburger Vorbild einzurichten und damit verzweifelten Müttern zu helfen.
Die Babyklappe ist bereits zum Einsatz gekommen, lesen Sie mehr dazu hier:
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