Babymassage
Für eine gute Eltern-Kind-Beziehung von Anfang an
von Sigrun Rux
"Gleich nach der Geburt bekam ich das winzige Etwas auf meinen Bauch geklatscht, zerknittert und verschrumpelt und noch mit der weißlichen Käseschmiere bedeckt", erinnert sich Ulrike an ihr erstes Geburtserlebnis, "Und trotzdem: So weich, so zart, fühlt sich so ein neugeborenes Baby an, dass man gar nicht anders kann, dieses Menschlein, das man gerade erst kennen gelernt hat, zärtlich zu berühren und an sich zu drücken".
Viele Mütter haben solche Gefühle, wenn sie zum ersten Mal in Kontakt mit ihrem "frisch geschlüpften" Sprössling treten. An Schmerzen können sich die meisten nicht mehr erinnern, im Vordergrund steht nur der Wunsch dem Baby Geborgenheit zu geben. Tatsächlich ist es kein Zufall, dass neugeborene Babys nach der Geburt ungefähr eine Stunde wach bleiben, bevor sie in einen langen, tiefen Schlaf versinken. In dieser einen Stunde nämlich übt das Baby eine ungeheure Anziehungskraft auf seine Eltern aus, und die sind wiederum in dieser emotionalen Ausnahmesituation äußerst empfänglich dafür. Diese wirkungsvolle Kombination scheint die Liebe fest in der Familie zu verankern.
Babymassage: Streicheln und Kuscheln
Es wird gequetscht und gedrückt - für ein Baby bedeutet es eine enorme Anstrengung, auf die Welt zu kommen, und der erste Eindruck ist unter Umständen gar nicht so erfreulich.
War es nun Monate lang warm und kuschelig, wird der kleine Mensch von einer Minute auf die andere mit einer Flut von Reizen wie Lärm, Licht und einer kühlen Brise konfrontiert. "Eltern können ihrem Baby durch zärtliche, fürsorgliche Berührungen viel Gutes tun", ist der Kinderarzt Dr. Peter Voitl überzeugt, "sie erleichtern so dem Neuankömmling den Übergang vom Mutterleib in unsere Welt".
"Ein Kind mit Berührungen zu füttern, seine Haut zu nähren, ist ebenso wichtig, wie seinen Magen zu füttern", diese Erkenntnis legt auch der französische Arzt Frederick Leboyer , der die Wurzeln der Babymassage aus einer alten, indischen Tradition aufgegriffen hat, allen Müttern ans Herz.
Sanfte Berührungen sind nicht nur eine wichtige Basis für eine innige Eltern-Kind-Beziehung, sie können die gesamte geistige und körperliche Entwicklung des Babys positiv beeinflussen. Durch die Berührung der Haut erreichen nämlich verschiedene Reize, die über Nervenbahnen weitergeleitet werden, das Gehirn. So wird zum Beispiel die Herz-Kreislauffunktion angekurbelt und die Sinneswahrnehmung der Haut aktiviert.
Babymassage regt außerdem die Verdauung an, wirkt gegen Blähungen und vermittelt dem Baby Geborgenheit, Vertrautheit und Entspannung", erklärt Dr. Voitl, "Außerdem stimulieren und unterstützen sanft ausgeführte Streichelbewegungen auch das Immunsystem".
Babymassage hilft bei Baby Blues
Auch die Eltern können profitieren, wenn sie regelmäßig körperlichen Kontakt zu ihrem Baby haben, besonders wenn sie am Anfang noch unsicher sind, etwas "falsch" zu machen.
So zerbrechlich, wie sie auf den ersten Blick aussehen, sind diese kleinen Geschöpfe gar nicht - im Gegenteil Babys lieben es, fest und sicher berührt zu werden, das gibt auch ihnen ein Gefühl der Sicherheit.
"Das bewusste Berühren des kleinen Babykörpers ist aber in vielen Fällen auch eine erfolgreiche Methode, Müttern zu helfen, die Schwierigkeiten haben, sofort nach der Geburt eine enge Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen", weiß die Psychologin Dr. Maria Weißenböck aus dem FEM-Zentrum der Semmelweis Frauenklinik.
Wenn eine Frau eine lange, schmerzvolle Geburt hinter sich hat, oder ihre Erwartungen durch einen Kaiserschnitt zerstört wurden, ist es nur zu verständlich, dass sie sich nicht gleich von Anfang an so zu ihrem neugeborenen Kind hingezogen fühlt, wie sie selbst vielleicht erwartet hat. Viele Frauen glauben, von Anfang an versagt zu haben, wenn bei ihnen die Mutterliebe nicht wie ein Sofortkleber anhaftet.
"Es ist ja auch bekannt, dass sich die Situation in den ersten Wochen und Monaten zu hause nicht unbedingt mit den Vorstellungen aus der rosaroten Perspektive vor der Geburt deckt", meint Dr. Weißenböck. Nicht selten enden solche enttäuschten Erwartungen in einer depressiven Verstimmung, die oft über mehrere Monate dauern kann, also weit über die sogenannte Wochenbettdepression hinausgeht.
Zärtliche Berührungen mit Hautkontakt, können sehr viel dazu beitragen, dass die Freude am eigenen Kind und dadurch auch die enge Beziehung wächst. Man akzeptiert ja auch bei jeder anderen Beziehung, dass sie ihre Zeit braucht um zu wachsen, warum also nicht auch beim Baby, das immerhin von einem Tag auf den anderen die Welt zeitweise völlig auf den Kopf stellt. Die Babymassage, sowie jeder andere bewusste Kontakt zum Baby, ist der beste Weg, Blockaden abzubauen. Und im täglichen Umgang mit dem Baby ergeben sich dazu genug Gelegenheiten.
Tipps für eine erfolgreiche Babymassage:
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