Sind Mütter denn an allem Schuld?
Eine Buchbesprechung

Ein Buchtip von FrauNet

Das Buch
"Sind Mütter denn an allem Schuld?"
von Yolanda Cadalbert-Schmid

Im Klappentext heißt es:
Gleichgültig, ob das Kind am Daumen lutscht, Drogen nimmt oder im Berufsleben versagt, in allen Fällen wird die Mutter dafür verantwortlich gemacht. Die Folge sind drückende Schuldgefühle und ein permanent schlechtes Gewissen. Yolanda Cadalbert-Schmid, selbst Mutter von zwei Kindern, bietet Informationen aus der Geschichte, der Entwicklungspsychologie, der Soziologie und dem Alltag der modernen Frau, um Mütter zu entlasten und endgültig klarzustellen: Mütter sind nicht an allem schuld.

Diesen heißen Tip gab uns Monika Berktold. Sie hat das Buch gelesen und schreibt dazu:

Hier einmal ein kleiner Querzug durch die angesprochenen Themen:
Die großen Themenkreise dieses Buches reichen von "Das Jahrhundert der Gleichberechtigung: Ernüchterung" und "Mütterlichkeit im historischen Wandel" bis zu "Mütter zwischen pädagogischen und psychologischen Ansprüchen".

Besonders griffig und lesenswert sind für mich die Abschnitte "Die Normalbiographie der Frau: Ideal und Realität". Hier kann sich jede finden, die vom prallen Berufsleben in die Mutterrolle wechselt. "Die Domestizierung der Mütter" und "Die Hausfrau, das wertlose Wesen" sprechen wohl auch anderen ganz aus der Seele.

Unsere Bemühungen um das Wohlergehen des Kindes wird angenehm relativiert, wenn man sieht, wie sich die Mütterlichkeit im historischen Wandel entwickelt hat.
So blieb das Kind bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts weitgehend unbeachtet, erhielt es erst in der Folgezeit plötzlich ein Seelenleben, das eine spezielle mütterliche Zuwendung braucht. Interessant ist auch, wie Psychologen und andere Experten erst Ende des 19. Jahrhunderts beginnen, die Besonderheiten der Mutter-Kind-Beziehung zu betonen und die Vollzeitbetreuung durch die Mutter als unabdingbare Garantie für die gesuchte Entfaltung des Menschen vorauszusetzen.

Ein für mich erschreckendes Bild wird hier von der "guten alten Zeit" wach:
"In einigen Regionen Europas (unter vielen Beispielen seien hier nur Wien, Stuttgart und Toul genannt) war es bis Ende des 19. Jahrhunderts üblich, wache Kleinkinder durch heftiges, betäubendes Wiegen und Schütteln in den Zustand der Bewußtlosigkeit zu bringen." "Wache Kleinkinder waren lästig." usw.

Auch die Rolle der Kirche wird kurz beleuchtet:
"Höchstes Ziel war ein puristisches Asketentum (Zölibat der Priester), ein Distanzhalten zur sündigen Frau, die als >schlimmstes Lockmittel des Satans< galt." !!!

Der Wandel der Familienstruktur von der nur scheinbar paradiesischen Kinderzeit in Großfamilien, bis zur heutigen Kleinfamilie wird nüchtern betrachtet und verlangt eine Revision der bisherigen Verklärung.

Ansprechend sind auch Inhalte, wie "Berufstätige Mütter - Rabenmütter?", "(Ohn)Macht der Mütter?", "Die Überschätzung des mütterlichen Einflusses".

Unbedingt lesen muß man den provokant getitelten Abschnitt "Mütter: Kläranlagen einer kranken Gesellschaft?". Eigentlich sollte man ihn gleich hier komplett wiedergeben. Als Appetitmacher jedoch nur so viel: "Frau als Entspannungsmittel, ...Frau als emotioneller Abfallkübel, der mit eingebauter Wasch- und Kläranlage alles wieder läutert, ist gefragt......Die Mutter soll, so die Erwartung, unberührt von äußeren krank machenden Umständen ihre Kinder gesund und unangetastet großziehen, sie mit Liebe füllen und stark machen gegen jedes spätere Ungemach. ...soll sich ...von biologisch angebauten Produkten ernähren, damit ihr Kind gesund auf die Welt kommt, um später nach Luft japsend durch die schadstoffgeschwängerten Straßen zur Schule zu fahren...usw."

Es ist schwer ein Ende zu finden, über das hier geschriebene zu berichten. Ein Buch, das uns Müttern aus der Seele spricht und unsere Situation in ein realistisches Licht rückt.

Zur Person der Autorin: Yolanda Cadalbert-Schmid ist Journalisitin und Mitglied des kantonalen Parlaments des Großen Rates Basel-Stadt. Sie lebt mit ihrer Familie in Riehen bei Basel in der Schweiz.

Sind Mütter denn an allem schuld?
Yolanda Cadalbert-Schmid
Kösel Verlag, München, Tb; ISBN: 346630329X

Quelle:
Fraunet
www.allgaeu.org/fraunet/

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