Ausbeutung von Frauen: Das Geschäft mit den Eizellen
ReproKult fordert europaweites Verbot

Der Eizellenhandel in Europa wurde insbesondere anläßlich des Verkaufs von Eizellen aus der rumänischen IVF-Klinik Global Art nach Großbritannien zu einem öffentlichen Thema. Das Europäische Parlament hat eine Entschließung gegen den Eizellenhandel verabschiedet. Auf Beschluss des Gesundheitsausschusses wird dem Deutschen Bundestag die Annahme einer Entschließung empfohlen, die die Entschließung des Europäischen Parlaments begrüsst. Das Europäische Parlament geht in seiner Resolution auch auf Klonen, Stammzellforschung und EU-Forschungsförderung ein, die nicht zuletzt nach der Intervention von Bundeskanzler Schröder anläßlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde auch in Deutschland wieder heftig umstritten ist.

Das Frauenforum Fortpflanzungsmedizin ReproKult ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Frauen aus der Frauen-Gesundheitsarbeit, das zum Ziel hat, die öffentliche Diskussion zum Thema frauenpolitisch anzuregen. Eine Vertreterin unseres Frauenforums wird an der Brüsseler Konferenz teilnehmen, bei der erstmals auf europäischer Ebene eine frauenpolitische Stellungnahme zum sog. "therapeutischen" Klonen und zur EU-Forschungsförderung der menschlichen embryonalen Stammzellenforschung diskutiert wird.



Positionspapier des deutschen Frauenforums Fortpflanzungsmedizin Reprokult zum Thema Eizellhandel in Europa:

Stellungnahme zum Handel mit menschlichen Eizellen, Juni 2005

Wir fordern ein europaweites Verbot der Nutzung und des Handels mit menschlichen Eizellen sowohl zu Forschungszwecken als auch zur IVF-Behandlung von Dritten. Insbesondere zwischen Rumänien und Großbritannien sowie anderen europäischen Ländern muss dieser Handel gestoppt werden. Wir erwarten von den verantwortlichen ÄrztInnen, ForscherInnen und PolitikerInnen - in Großbritannien, Rumänien und weltweit – die Ausbeutung von Frauen und ihren Körpersubstanzen zu beenden.

Die Debatte um Reproduktionstechnologien wird weitgehend von der Kontroverse zwischen den Positionen des "Lebensschutzes“ und der "Selbstbestimmung von Frauen“ dominiert. Dabei bleiben negative Konsequenzen für Frauen jedoch oft unberücksichtigt. Die Verwendung von 'gespendeten' Eizellen in der IVF-Behandlung und die Forschung an menschlichen Embryonen ist in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz (1990) verboten. Zur Zeit ist in Deutschland kein Fall bekannt, bei dem Eizellen in der Forschung verwendet werden. Mit dem Stammzellimportgesetz (2002) wurde jedoch die Forschung an importierten menschlichen embryonalen Stammzellen, die vor dem 1.1.2002 entstanden sind, erlaubt. Dies und die Legalisierung des Forschungsklonens in Großbritannien (2001) - als sog. "Cell Nuclear Replacement" umschrieben - hat auch für WissenschaftlerInnen in Deutschland den Boden bereitet, eine Legalisierung der Eizellspende – für Forschung und IVF – zu fordern.

Eizellen sind eine 'knappe Ressource' in Reproduktionsmedizin und Forschung. Der aufgedeckte Handel mit menschlichen Eizellen zwischen Rumänien und IVF-Zentren in Großbritannien zeigt, dass eine Kommerzialisierung von Eizellen kaum einzuschränken und zu kontrollieren ist – mit ähnlichen Risiken auch für die Verwendung in der Forschung. In einem reproduktionsmedizinischen Zentrum in Bukarest, das sich auf den Handel mit Eizellen in europäische Länder spezialisiert hat, wurden rumänischen Frauen nach einer Hormonbehandlung Eizellen entnommen, die dann an britische Empfängerinnen verkauft wurden. Der Begriff "Eizellspende" suggeriert eine Freiwilligkeit der Spende; aber in vielen Fällen werden Frauen – über finanzielle Anreize oder das Versprechen einer kostengünstigeren IVF-Behandlung – dazu veranlasst, ihre Eizellen zu "spenden". Die verstärkte hormonelle Stimulation der Eierstöcke, die dazu dient, mehr Eizellen pro Zyklus heranreifen zu lassen, birgt für Frauen erhebliche gesundheitliche Risiken. Unabhängig davon, ob Frauen ausschließlich zum Zweck der Eizellspende stimuliert werden, oder ob im Rahmen einer IVF-Behandlung so genannte "überzählige" Eizellen entstehen sollen, die dann gespendet werden - sind hier Interessen Dritter im Spiel. Wir fordern, dass in einer IVF-Behandlung das Wohlergehen der Frau an erster Stelle stehen muss. Die Eizellspende bedeutet das Ausnutzen von Abhängigkeiten und ökonomischen Notlagen von Frauen, insbesondere in ärmeren Ländern Europas.

ReproKult spricht sich entschieden gegen Spende und Handel von menschlichen Eizellen aus!

Instrumentalisierung der reproduktiven Fähigkeiten von Frauen: Frauen werden mit finanziellen oder sozialen Anreizen dazu gebracht, so genannte 'überzählige' Eizellen für die IVF-Behandlung anderer Frauen oder für Forschungszwecke zu spenden. Darüber hinaus berührt diese Entwicklung sozio-kulturelle Werte auf negative Weise und weist Frauen die Rolle von Eizell-Lieferantinnen zum Wohle Anderer zu. Das Verfügbarmachen von weiblichen Körpersubstanzen für die Forschung ist ein weiterer Schritt zur Kontrolle des Frauenkörpers und instrumentalisiert die reproduktiven Fähigkeiten von Frauen. Frauen dienen als Ressource für Forschungs- oder Behandlungs-"Erfolge" von Dritten.

Massenhafter Verbrauch von Eizellen: ForscherInnen gehen davon aus, dass zur Herstellung einer Stammzelllinie eine große Zahl von Eizellen benötigt wird. Die größte Aufmerksamkeit findet derzeit das so genannte "therapeutische Klonen", bei dem Eizellen verbraucht werden, (indem deren Zellkern entfernt und durch einen fremden ersetzt wird.) Allerdings werden auch Eizellen zur Forschung über Reifungsprozesse oder zur Parthenogenese (ungeschlechtliche Fortpflanzung) benötigt. Daraus resultiert ein enormer Bedarf an Eizellen, der nicht allein durch "überzählige" Eizellen aus IVF-Behandlungen gedeckt werden kann. Dementsprechend ist anzunehmen, dass andere – soziale oder finanzielle – Anreize geschaffen werden, um Frauen zur "Spende" von Eizellen zu motivieren.

Ausbeutung ökonomisch unterprivilegierter und abhängiger Frauen: Ärmere Frauen laufen bereits jetzt Gefahr, dass ihre ökonomische Situation ausgenutzt wird. Wie der Handel mit Eizellen zeigt, wird die Behandlung wie auch die Forschung in wirtschaftlich starken Ländern in vielen Fällen durch die Ausnutzung der sozialen Lage von Frauen in ökonomisch schwächeren Ländern ermöglicht bzw. basiert auf der Ausnutzung der wirtschaftlichen Lage weniger privilegierter Frauen innerhalb eines Landes. Wissenschaftliches Prestige und ökonomischer Gewinn wird so zu erheblichen Teilen durch Übergriffe auf Frauen ermöglicht.

Gesundheitsrisiken für Frauen: Die Eizellgewinnung ist ein komplexes und invasives Verfahren. Zu stärkeren Anregung der Eizellreifung werden die Frauen mit Hormonen behandelt, die das Hyperstimulationssyndrom mit schweren gesundheitlichen, mitunter tödlichen, Folgen hervorrufen können und außerdem im Verdacht stehen, hormonabhängige Karzinome z.B. Eierstockkrebs auszulösen. Die Entnahme selbst kann zu Vaginalblutungen und Infektionen führen. Außerdem bedeutet die Behandlung eine große psychische Belastung. Eine Frau dieser Prozedur auszusetzen, wenn sie nicht allein ihrem Wohlergehen dient, sondern den Wünschen und Begehrlichkeiten Dritter, ist deshalb nicht zu rechtfertigen. Es ist sozial und politisch inakzeptabel, die Gesundheit einer Frau in einer medizinischen Behandlung zu gefährden, die nicht allein ihrem Kinderwunsch und gesundheitlichem Wohl gewidmet ist. Wir lehnen auch die Verwendung fremder Eizellen durch Frauen, die zu gesundheitlichen Lasten anderer Frauen geht, ab.

Zuallererst: Nicht schaden!
Die Kommerzialisierung von Eizellen ebenso wie die so genannte 'altruistische Spende' widersprechen den praktischen und strategischen Bedürfnissen von Frauen. Auch wenn kein Geld im Spiel ist, kann es enormen sozialen oder familiären Druck zur Spende geben, der die Eizellspende in eine unfreiwillige Pflicht verwandelt. Die Eizellentnahme für die Nutzung durch Dritte widerspricht dem im Hippokratischen Eid verankerten Prinzip "Primum nihil nocere!" ("Zuallererst: keinen Schaden zufügen!"), der weiterhin die medizinische Praxis leiten sollte.


Ansprechpartnerinnen für Nachfragen:
Dr. Ingrid Schneider, Email: Ingrid.Schneider@uni-hamburg.de,
Tel. 0049 (0) 40 42803 6311
und Svea Luise Herrmann, Email: s.herrmann@ipw.uni-hannover.de,
Tel. 0049 (0) 511 762 19204.

ReproKult Frauen Forum Reproduktionstechnologien
www.ReproKult.de, E-mail: frauenforum@reprokult.de



London-based CORE, Comment on Reproductive Ethics, invites women groups in Europe to raise awareness among European women of health issues associated with the new biotechnology.

The new reproductive technologies, particularly proposals to clone human embryos for stem cell research, but also the demand for egg donation as an aspect of fertility treatment, mean that thousands and thousands (some say millions) of human eggs will be required. As the EP resolution stresses, these technologies pose ‘high medical risks to the life and health of women’. There is an urgent need to highlight the ethical, medical and social issues associated with human egg harvesting and trade in human tissue in Europe, particularly the exploitation of vulnerable women.

For more information please contact: info@corethics.org
or 0044-207-581 2623 and see the website www.corethics.org.



Juni 2005


zurück
© 2000-2010 Geburtskanal ™
Impressum

Aktualisiert: 12.04.2012  webmaster@geburtskanal.de
ANZEIGE