Das emotionale Leben des ungeborenen Kindes
Pränatale Psychologie im Blickpunkt

Kongreß für Embryologie, Therapie und Gesellschaft
8. - 12. 5. 2002
Ein Kongress über das emotionale Leben des ungeborenen Kindes

Wann beginnt das menschliche Leben? Bei der Empfängnis, nach 3 Monaten Schwangerschaft oder bei der Geburt? Diese Fragen scheinen in erster Linie philosophischer Natur zu sein und nichts mit dem täglichen Leben von Menschen zu tun zu haben. Der bekannte Embryologe Erich Blechschmidt hat hierzu eine ganz klare Meinung: "Der Mensch wird kein Mensch, sondern ist ein Mensch von Anfang an." Viele Mütter und Väter, die schon einmal eine Schwangerschaft "am eigenen Leibe" miterlebt haben, wissen oft ganz intuitiv, dass das ungeborene Kind nicht einfach eine Ansammlung von Zellen ist, sondern ein Wesen mit ganz spezifischen, individuellen Eigenschaften und Bedürfnissen, das in seiner Art ganz einzigartig ist. In Medizin und Psychologie wird dieses Wissen allerdings erst ganz allmählich anerkannt. Mit Hilfe von Ultraschallaufnahmen kann man heute glücklicherweise direkt in die Gebärmutter hineingucken und was man dann sieht ist schlicht und einfach verblüffend: ein Foetus, der aktiv Kontakt sucht mit der Hand der Mutter auf ihrem Bauch, ein Kind, das Purzelbäume schlägt, an seinem Daumen lutscht und sich bei einem unangenehmen Geräusch ängstlich zusammenzieht.

Erinnerungsspuren aus fernen Zeiten
Mutter und Kind scheinen in hohem Masse physisch aber auch emotional miteinander verbunden zu sein. Der schwedische Neuro-endokrinologe Prof. Dr. Peter Fedor-Freybergh beschreibt das so: "Das Kind trinkt mit, es raucht mit, es liebt mit und hasst mit, es vergnügt sich mit, wenn die Mutter sich freut und es leidet mit. Es empfindet die Herztöne der Mutter mit, erschrickt, wenn sie erschrickt, sorgt sich um sie, weil es ohne sie nicht leben kann, sein Leben hängt von ihr und von ihrem Leben ab." Der Foetus scheint noch eine andere Eigenschaft zu haben: Er ist imstande, seine Erfahrungen im seinem Organismus zu speichern. Er kann sie "erinnern" und daraus lernen. Diese Erinnerungsspuren bleiben allerdings meistens tief im Unbewussten verborgen.

Was für Lernerfahrungen macht ein Kind, das von seinen Eltern gewünscht ist und aus einer Liebesbeziehung heraus entsteht und was für Lernerfahrungen macht dagegen ein Kind, das ein "Produkt" einer Vergewaltigung in Kriegszeiten ist? Wirkt sich das auf irgendeine Art auf das Kind aus? Die Anzeichen werden immer deutlicher, dass das tatsächlich so ist. Dies wird auch durch wissenschaftliche Forschungen bestätigt. So haben ForscherInnen an der Universität Utrecht in den Niederlanden vor kurzem belegen können, dass Stresserfahrungen in der Gebärmutter die emotionale und physische Entwicklung des Kleinkindes dramatisch beeinträchtigen können (Huizink, Mulder, Buiteling, 2000). Wir wissen heute, dass sie bis ins Erwachsenenalter hinein Spuren hinterlassen können.

Ein Kongress, in dem das pränatale Kind im Mittelpunkt steht
Durch die Fortschritte der Medizin können wir heutzutage Eltern mit unerfülltem Kinderwunsch zu Schwangerschaften verhelfen und Foeten in Not im Brutkasten am Leben erhalten, aber das emotionale Leben des pränatalen Kindes steht selten im Mittelpunkt des Interesses. Dies wird darum der Schwerpunkt sein des "Internationalen Kongresses über Embyologie, Therapie und Gesellschaft", der vom 8. - 12. Mai 2002 in Nijmegen, Niederlande stattfinden wird: Vor einem internationalen Publikum aus Fachleuten und interessierten Laien werden neue Kenntnisse aus Wissenschaft und Praxis vorgestellt, ausgetauscht und diskutiert.
Ein weiterer Fokus richtet sich auf innovative Modelle der Schwangerschaftsvorsorge. In vielen Fällen ist es nämlich nicht ausreichend, Mütter und ihre Partner praktisch und mental auf die Geburt ihres Kindes vorzubereiten; beide brauchen manchmal durch verschiedenste Umstände emotionale Unterstützung, um mit sich selbst ins Reine zu kommen, die Schwangerschaft zu akzeptieren oder Kontakt mit dem Kind aufnehmen zu können. Wer den Eltern hilft, hilft auch dem ungeborenen Kind. In diesem Sinne sind präventive Maßnahmen u.U. von großer persönlicher, aber auch sozialer Bedeutung.

Aber auch Menschen, die traumatische Erfahrungen in den ersten Monaten ihres Lebens mitgemacht haben und bei denen emotionale und andere Probleme daraus entstanden sind, können Hilfe bekommen. Neue psychotherapeutische und körpertherapeutische Interventionen greifen hier an, erlauben die Bearbeitung dieser Stresserfahrungen und eröffnen Entwicklungsmöglichkeiten für sowohl traumatisierte Säuglinge, Kinder aber auch Erwachsene.

Ein vielfältiges Programm
In den Vormittagsveranstaltungen werden Fachleute in für jedermann verständlicher Sprache und unterstützt mit Bildmaterial die wichtigsten Themen zur Erlebniswelt des ungeborenen Kindes darstellen: wozu das pränatale Kind schon fähig ist, warum Erfahrungen gespeichert werden können und was man tun kann, um Schädigungen zu vermeiden bzw. wie man sie therapeutisch bearbeiten kann. Die Beiträge finden in deutsch oder englisch statt und werden simultan übersetzt. Am Nachmittag kann aus verschiedensten Veranstaltungen gewählt werden: von wissenschaftlichen Foren und Vorträgen über Gesprächskreise bis zu Selbsterfahrungsworkshops. Besonders für das Laien-Publikum wird es viele deutschsprachige Angebote geben.

Ein Kongress mit Zukunftsperspektive...
Projektgruppen, von Fachleuten aus vielen Länder besetzt, werden sich während und auch nach dem Kongress mit relevanten Themen zur prä- und perinatalen Psychologie und Prävention beschäftigen und konkrete Aufgaben in Angriff nehmen. Geplant ist z.B. die Entwicklung von Weiterbildungen für Hebammen und Gynaecologen auf dem Gebiet der prä- und perinatalen Psychologie, die Ausarbeitung von Petitionen an die WHO, Verfassen von Artikeln für wissenschaftliche Zeitschriften, ein innovatives Interventionsprogramm für Kinder aus Vergewaltigungen in Kriegsgebieten, für zu früh geborenen Babies oder für adoptierte Kinder, die Errichtung eines Wissenschaftsfonds etc.
Eine Liste von Projektgruppen, die von uns vorgeschlagen werden, können Sie auf unserer Website nachlesen.

Kunst-im-Kongress
Der gesamte Kongress wird umrahmt von einem vielfältigen Kulturprogramm: Das Thema der pränatalen Psychologie verlangt geradezu eine Öffnung in Bilder- Klang- und Phantasiewelten. Es wird Ausstellungen, begehbare Sinnes-, Klang- und Ruheräume, künstlerisch orientierte Vorträge und Workshops, musikalische Intermezzos, ein Konzert und natürlich ein großes Fest geben.

Weitere Informationen
Bitte besuchen Sie uns auf unserer Website www.CONGRESS2002.com.
Die Seite wird regelmäßig aktualisiert, so daß Sie auf dem Laufenden bleiben. Sie sind herzlich willkommen!

Inge Krens, Psych. Psychotherapeutin
e-mail: ingekrens@body-therapy.com

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