Epilepsie und Schwangerschaft

Epilepsie ist eine chronische zerebrale (lat. zerebrum = Gehirn) Erkrankung. Verursacht werden Epilepsien durch eine Funktionsstörung des Gehirns, die sich durch wiederkehrende Anfälle äussert. Man unterscheidet verschiedene, unterschiedlich ausgeprägte Anfallsformen. Epilepsien können genetisch bedingt sein oder auch in jedem Lebensalter durch Erkrankungen des Gehirns erworben werden. Bestimmte Medikamente, Alkohol und Drogen können ebenfalls Epilepsien auslösen.

Weltweit sind etwa 1% aller Menschen betroffen. Damit sind Epilepsien so häufig wie z.B. Diabetes und Rheuma. Etwa 60-80% der Betroffenen werden durch medikamentöse Behandlung anfallsfrei. Man spricht heute nicht mehr vom 'Epileptiker' sondern von Menschen mit Epilepsie.

Epilepsie kommt in allen Bevölkerungsschichten und allen Kulturen gleich häufig vor. 5% aller Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens einen epileptischen Anfall. Als Mensch mit Epilepsie befindet man sich in bester Gesellschaft: Julius Caesar, Edgar Alan Poe, Neil Young, Vincent van Gogh, Fjodor Dostojewski, Alexander der Grosse und Alfred Nobel sind nur einige, die auch davon betroffen waren.

Das alte Ammenmärchen, dass man einem Menschen bei einem epileptischen Anfall ein Stück Holz zwischen die Zähne schieben soll, ist FALSCH. Diese Massnahme schützt den Betroffenen nicht, sie birgt eher Verletzungsgefahr in sich (siehe Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall).

In der Schwangerschaft ergibt sich die Problematik durch die meist notwendige Behandlung mit Medikamenten, da diese Medikamente Auswirkungen auf das Ungeborene haben. Kompetente und engmaschige Betreuung durch den Facharzt ist ein Muss. Die Umstellung auf andere Medikamente in der Schwangerschaft ist ggf. notwendig und ratsam. Bei Kinderwunsch können rechtzeitig individuelle Lösungen gefunden und vorbeugende Massnahmen getroffen werden. Manchmal kann nach einer langen anfallsfreien Zeit eventuell ganz auf Medikamente verzichtet werden. Die frühzeitige Beratung durch einen epileptologischen Spezialisten ist ratsam.

Jede Schwangerschaft bei einer Frau mit Epilepsie ist wegen eines 10-15% höheren Fehlbildungsrisikos (durch die Medikamente) und der erhöhten Säuglingssterblichkeit immer als eine Risikoschwangerschaft zu betrachten und muss entsprechend intensiv betreut und behandelt werden. Dazu gehören auch engmaschige Ultraschallkontrollen, besonders in den ersten Schwangerschaftsmonaten. Bei mehr als 90% verlaufen allerdings Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Neugeborenenzeit normal.

In der Stillzeit kann die beruhigende Wirkung der Medikamente Schwierigkeiten mit sich mit bringen. Das Stillen wird nach heutigem Wissensstand trotzdem empfohlen. Eine gute Stillanleitung und Beratung ist dabei ebenso notwendig wie die genaue Beobachtung des Säuglings.

Es ist absolut notwendig, alle an der Schwangerschaftsbetreuung beteiligten Personen (insbesondere auch die Kursleiterinnen in der Geburtsvorbereitung) auf eine bestehende Epilepsie hinzuweisen. Rechtzeitige Information und Aufklärung trägt dazu bei, Vorurteile abzubauen und gibt den Verantwortlichen die Möglichkeit, im Einzelfall richtig reagieren zu können.



Weitere Informationen
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Schwanger trotz Epilepsie? Nur Mut!
Links
Literatur

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