Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
www.dgzmk.de
Zur Diskussion der überarbeiteten Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden der DGZMK, der DGZ und der GKP
In zahlreichen medizinischen Zeitschriften und in der Laienpresse wird zur Zeit die von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung und Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde und Primärprophylaxe verabschiedete Stellungnahme zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden kritisiert und insbesondere wird der DGZMK unterstellt, dass sie ihre Kompetenz überschreite. Es wird den zahnmedizinischen Wissenschaftlern gleichzeitig vorgeworfen, dass sie den Konsens, der 1996 mit der DGE und der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde gefunden wurde, aufgekündigt habe.
Sowohl die Wortwahl als auch der Inhalt der Vorwürfe entspricht nicht der üblichen wissenschaftlichen Diktion. Man möchte lieber an althergebrachten und sogenannten "bewährten" Methoden festhalten, auch wenn nationale und internationale wissenschaftliche Gesellschaften diese Maßnahmen längst als überholt betrachten. Interessanterweise werden in diesen Artikeln als Beweis dafür, dass man in Deutschland mit den alten Empfehlungen bisher richtig lag, neben der DGE und der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde die Österreichische und Schweizer Gesellschaft für Ernährung zitiert. Verschwiegen wird dabei, dass in den meisten europäischen Ländern in Skandinavien, den USA und Kanada Fluoridtabletten ausschließlich für Kariesrisikokinder und meistens dann erst ab dem 3. Lebensjahr empfohlen werden. Insbesondere die European Academy of Paediatric Dentistry, Canadian Dental Association, FDI, British Dental Association, British Society of Paediatric Dentistry und die British Association for the Study of Community Dentistry haben im Rahmen von Konsensuskonferenzen und evidenzbasierten Leitlinien zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden Stellung genommen. Hier ist der Tenor ganz eindeutig folgender:
Der primäre kariespräventive Wirkungsmechanismus von Fluoriden ist lokal. Fluoridtabletten werden für Kinder mit hohem Kariesrisiko empfohlen. Sie sind nicht als allgemeine Maßnahme der öffentlichen Gesundheitsvorsorge zu betrachten. Sie haben ihren Platz in der Individualprophylaxe, wenn vorher eine Kariesrisikobestimmung durchgeführt wurde. In den ersten 6 Monaten sind keine Fluoridgaben erforderlich, da die Milchzähne in der Regel erst ab dem 6. Monat durchbrechen. Grundsätzlich sollte vor einer "Fluoridsupplementierung" mit Tabletten eine Fluoridanamnese durchgeführt werden.
Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung und der Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde und Primärprophylaxe vor den neuen Empfehlungen den Kontakt zu den Kinderärzten suchten. Leider ist aufgrund zahlreicher Umstände, die im Detail nicht erläutert werden sollen, dieser Kontakt zwar zustande gekommen, die zugrunde liegenden neuen wissenschaftlichen Prämissen für eine neue Stellungnahme wurden jedoch nicht zur Kenntnis genommen.
Dabei ist es selbstverständlich, dass im medizinischen Bereich neue wissenschaftliche Erkenntnisse in die tägliche Praxis einfließen müssen. Es macht wenig Sinn, wenn bisher durchgeführte Maßnahmen unter dem Motto "Was sich bewährt hat, ist gut" weiter fortgeschrieben werden, obwohl bekannt ist, dass es wissenschaftlich fundierte neue Verfahren gibt. Es ist auch bedauerlich, wenn man glaubt, einer wissenschaftlichen Diskussion dadurch entgehen zu können, indem man den unangenehmen Diskussionspartner bezichtigt, er wäre inkompetent. Damit würde man im Prinzip zahlreichen Wissenschaftlern, u.a. auch Zahnmedizinern auf der gesamten Welt, die sich mit Fluoridierungsmaßnahmen beschäftigen, ihre Kompetenz absprechen.
Nach wie vor sucht die DGZMK den Kontakt mit der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendheilkunde, um doch noch zu einer gemeinsamen Stellungnahme zu kommen. Es ist daher müßig, die von uns immer wieder betonten wissenschaftlichen Grundlagen der neuen Empfehlung zu wiederholen. Drei Punkte sollten jedoch noch einmal klar herausgestellt werden:
1. Karies ist keine Fluoridmangelerkrankung und daher ist eine Fluoridsubstitution aus kariologischer Sicht nicht indiziert.
2. Fluoridierungsmaßnahmen müssen das Ziel haben, die Fluoridionenkonzentration im Bereich der Oberfläche eines durchgebrochenen Zahnes lokal (möglichst kontinuierlich) geringfügig zu erhöhen. Dies ist am besten mit lokalen Fluoridierungsmaßnahmen oder mit Speisesalz zu erreichen.
3. Eine Rachitisprophylaxe mit Vitamin D ist auch ohne Fluoridsubstitution problemlos möglich.
Die DGZMK hat nie behauptet, dass Kleinkinder größere Mengen Zahnpasta essen sollen. Auch nach der Kosmetikverordnung dürfen Zahnpasten keine Gesundheitsgefährdung darstellen. Die DGZMK empfiehlt geringste Mengen Kinderzahnpasta mit einem niedrigen Fluoridgehalt. Offensichtlich scheint diese Empfehlung international die Eltern nicht zu überfordern. Warum dies in Deutschland ein Problem sein soll, wird in den Ausführungen der Kinderärzte nicht klar.
Wichtige Bestandteile der Kariesprophylaxe sind Ernährungsberatung und rechtzeitige und adäquate Mundhygiene. Insbesondere bei Kariesrisikokindern reichen Fluoridierungsmaßnahmen allein nicht aus, um eine adäquate Kariesprävention zu betreiben. Hier sind zusätzliche (antimikrobielle) Maßnahmen unbedingt erforderlich. Es ist unverständlich, wenn auf der einen Seite entsprechende Hygienemaßnahmen zur Erhaltung der Allgemeingesundheit von Säuglingen und Kleinkindern Gesundheit propagiert werden, andererseits gerade die Mundhygiene erst relativ spät beginnen soll.
Die DGZMK tritt mit dem ausdrücklichen Wunsch an die Pädiater heran, auf wissenschaftlicher und möglichst evidenzbasierter Basis Fluoridierungsempfehlungen gemeinsam zu verabschieden. Dies sollte ohne Polemik und möglichst mit der üblichen wissenschaftlichen Sorgfalt und Wortwahl geschehen. Persönliche Angriffe und unqualifizierte Schuldzuweisungen sollten in diesem Zusammenhang unterbleiben.
Quelle:
www.dgzmk.de
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