Geboren am 29. Februar J
Geburt von Marvin Benjamin im Entbindungsheim
Also, um eines vorweg zu nehmen: Ich bin wehleidig bis zum geht-nicht-mehr, und das Thema Geburt war mir eigentlich immer etwas unheimlich... Aber der Wunsch nach unserem Kind war größer als die Angst vor möglichen Schmerzen, und so wurde ich im Juli 99 schwanger. Nach einer mehr oder weniger problemlosen Schwangerschaft, in der ich mich sehr mit dem kommenden Ereignis auseinandergesetzt hatte sollte unser Kind am 17. März 2000 geboren werden. Ich war auf eigentlich vieles gefaßt, und umso überraschter als ich am 29. Februar um 6 Uhr in der Früh mit einem Ziehen im Unterleib aufwachte. Ein paar Minuten Ruhe und dann wieder --- alle 5 Minuten ein Ziehen. Das sollte es also sein??? Ich ging heiß duschen, und als ich um 10 Uhr noch immer alle 5 Minuten Wehen hatte, beschlossen wir zur Hebamme zu fahren. Die schloß mich an ihren Wehenschreiber an, doch leider es waren nur "wilde Wehen" und der Muttermund war erst 2 cm offen. Also sozusagen "falscher Alarm". Petra, meine Hebamme setzte mir 3 Nadeln zur Akupunktur, und gab mir einen homöopathischen Spray zum Schnüffeln. Sie meinte entweder es geht heute noch richtig los, oder die Sache beruhigt sich wieder. So fuhren wir wieder nach Hause. Ich war ein wenig entmutigt, weil ich wollte es endlich hinter mir haben. Den Tag verbrachten mein Mann und ich sehr ruhig, dösten vor uns hin, sahen ein bißchen fern- und es ging weiter- alle 5 Minuten. Der Schleimpropf löste sich bereits, aber die Wehen wurden nicht länger. Petra hatte mir gesagt, bevor die Wehen nicht mindestens eine Minute anhalten passiert gar nichts. Und ich schaffte grad mal 40 Sekunden! Total entmutigt stieg ich um 19 Uhr in die heiße Wanne. Das ganze war schon etwas nervig für mich, denn ich wollte endlich das was weitergeht, oder sonst wenigstens Ruhe einkehrt! Nach dem Bad tastete ich meinen Muttermund, er war keinen Zentimeter weiter aufgegangen! Ich rief nochmal Petra an und schilderte meine Situation, sie meinte nur ich solle nochmal zu ihr kommen- irgedwas müssen wir jetzt tun. Also rein in die Klamotten, runter die zwei Stockwerke und ab! Das Entbindungsheim ist ca 25 Kilometer von uns entfernt. Doch schon nach ein paar Metern im Auto ging's los, aber deftig! Das Gepolter über die Landstraße wirkte scheinbar Wunder. Wehen alle 2 Minuten und die dauerten auch 90 Sekunden und länger. Als wir endlich im Heim ankamen (20.45 Uhr, ich hätte keine Minute länger sitzen können) war mein Muttermund bereits 7-8 cm offen. Und das alles wehrend einer halben Stunde Autofahrt. Im 2 Minuten Rhythmus ging's dann bis ca. 22.45 Uhr weiter. Lediglich die letzten 4 Eröffnungswehen waren unbequem, weil ich einfach schon genug hatte. Dann war der Muttermund vollständig offen und Petra sprengte die Fruchtblase. Das war eine Wohltat, schlagartig hörten die Eröffnungswehen auf. Wärend Petra die Geburtswanne einließ, hängte ich mich noch einmal so richtig an meinen Mann und atmete durch. In der warmen, großen Wanne fühlte ich mich total wohl, sogar so das ich zuerst gar nicht pressen wollte. Ich wollte einfach nur mehr meine Ruhe! Nachdem ich ein paar Mal so proforma in den Kopf hineingepreßt hatte, drohte Petra mir an, die Geburt ins Krankenhaus zu verlegen, wenn ich nicht endlich ordentlich weitertue (was natürlich nur eine Drohung war, aber sie wirkte Wunder!) Ich preßte ca 7 mal, mein Mann und Petra hielten meine Beine. Nach ein paar Mal pressen sagte Petra: "Willst du nicht dein Baby begrüßen? Greif hinunter, du kannst seinen Kopf fühlen!" Tatsächlich, auf einmal hatte ich Kraft wie ein Bär! Es war wie bei einem Wettkampf, mein Mann feuerte mich an wie bei einem hundert Meter Lauf, Petra rief nur immer wieder:" das schaffen wir noch!" (Beide wollten unbedingt noch ein Schalttagsbaby, und es war bereits 10 vor Mitternacht). Auf einmal war der Kopf da, eine Minute später der Rest. Petra legte mir ein total käseverschmiertes, schreiendes Bündel auf den Bauch - es war ein Junge! 23.53Uhr! Mein Mann, der bei der Geburt nie dabei sein wollte, weinte vor lauter Freude. Und ich dachte mir in diesem Augenblick, wenn das alles war- dann krieg ich noch zwei!
Rückblickend war's eine Bilderbuchgeburt, keine Schmerzmittel waren nötig (und das bei mir!), ich brauchte keinen Schnitt, und war auch nicht eingerissen (was ich einer monatelangen Damm-Massage und dem ausgezeichneten Dammschutz während der letzten Presswehen meiner Hebamme zu verdanken habe). Ich kann nur jeder Frau raten sich rechtzeitig einer guten Hebamme anzuvertrauen, denn ohne unsere Petra wäre es sicher nicht so schön und einfach gewesen.
Andrea
Wir danken der Autorin für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.
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