Presse-Beiträge
zum Thema 'Legales Klonen von Embryonen'
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Yahoo Deutschland
Schlagzeilen
de.fc.yahoo.com/k/klonen.html
Samstag 27. Januar 2001, 16:52 Uhr
Wissenschaftler kündigen das Klonen von Menschen an
Chicago (Reuters) - Wissenschaftler aus mehreren Ländern planen nach Angaben eines US-Forschers das Klonen von Menschen. Innerhalb von 18 Monaten könne aus den Erbinformationen eines Mannes ein lebensfähiger Embryo erzeugt und dann in die Gebärmutter einer Frau eingesetzt werden, sagte der US-Fortpflanzungsforscher Panayiotis Zavos am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. "So revolutionär und fiktiv es klingen mag, es wird getan werden." Es handele sich um den weltweit ersten ernsthaften Versuch, für den sich bereits zehn unfruchtbare Paare gemeldet hätten. Zavos hatte zuvor auf einer Konferenz in Lexington mit dem italienischen Fortpflanzungsmediziner Severino Antinori Pläne für eine Zusammenarbeit beim Klonen von Menschen vorgestellt.
Die Wissenschaftler planen nach Zavos Angaben, normale Zellen oder auch unveränderte Stammzellen des Mannes mit einer Eizelle der Frau zusammenzuführen. Die in der Eizelle gespeicherten Erbanlagen der Frau sollen zuvor gelöscht werden. Durch Zellteilung soll ein Embryo mit allen Erbinformationen des Mannes entstehen. Dieser soll in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden. Je nach Wahl des Paares könnten aber auch die Frauen geklont werden, sagte Zavos, der über 25 Jahre Erfahrung in der Fortpflanzungsmedizin verfügt und am Kentucky Center für Reproduktionsmedizin und Künstliche Befruchtung in Lexington und am Andrologischen Institut Amerikas tätig ist.
"Wir verfügen über großes Wissen. Wir können Embryos klassifizieren, wir können genetisch aussieben, wir können die Qualität kontrollieren", sagte Zavos weiter. Entscheidend für den Erfolg des Klonens sei die Stabilität der Erbinformation. "Wir klonen einen Menschen und versuchen nicht, eine Dolly zu schaffen", sagte er in Anspielung auf das auf diesen Namen getaufte weltweit erste Klonschaf. "Man will kein Monster schaffen."
Beim Klonen von Tieren haben Wissenschaftler oft hunderte von Fehlversuchen produziert, bevor ein lebensfähiger Embryo entstand. Seit dem Klonen von Dolly 1997 haben Wissenschaftler zahlreiche Tiere geklont. Das Klonen von Menschen galt bislang als Tabu.
Zavos sagte, die Wissenschaftler würden in einem Mittelmeeranrainerstaat an dem Projekt arbeiten. Um welches Land es sich handelt, sagte er nicht. Im März werde dazu eine Konferenz stattfinden, zu der auch ein Vertreter des Vatikans eingeladen werde. Die katholische Kirche ist einer der schärfsten Gegner des Klonens von Menschen.
Zavos Partner Antinori hatte in Italien Kontroversen ausgelöst, als er Frauen jenseits der Wechseljahre ermöglicht hatte, Kinder zu bekommen. Er hat zudem eine Technik entwickelt, im Entstehen begriffene Spermazellen unfruchtbarer Männer in den Hoden von Mäusen wachsen zu lassen.
cal
Quelle: de.news.yahoo.com/010127/71/1azf1.html
Samstag 27. Januar 2001, 05:08 Uhr
Italienischer Arzt will Babys für kinderlose Paare klonen
LexingtonUSA (AP) Der italienische Arzt Severino Antinori will versuchen, schon im Laufe des kommenden Jahres einen Menschen zu klonen. Er wolle damit kinderlosen Paaren zu einem Kind verhelfen, sagte Antinori bei einem Vortrag im Krankenhaus von Lexington im US-Staat Kentucky. "Das Ziel, Vater oder Mutter zu werden, ist ein Menschenrecht", erklärte der 55-jährige Mediziner aus Rom. Er habe zehn Paare, die Interesse bekundet hätten, auf diese Weise Eltern zu werden. Antinori wurde international bekannt, weil er Frauen im Alter von Ende 50 und Anfang 60 zur Schwangerschaft verholfen hatte.
Quelle: de.news.yahoo.com/010127/12/1aye7.html
Spiegel online
Wissenschaft
27.1.2001
Wissenschaftler wollen Menschen klonen
Wissenschaftler aus mehreren Ländern planen nach Angaben eines US-Forschers das Klonen von Menschen. Versuche dazu könnte es bereits im nächsten Jahr geben. Die Forscher erklären aber, sie wollten "kein Monster schaffen."
Chicago - "So revolutionär und fiktiv es klingen mag, es wird getan werden", sagte der US-Fortpflanzungsforscher Panayiotis Zavos. Innerhalb von 18 Monaten könne aus den Erbinformationen eines Mannes ein lebensfähiger Embryo erzeugt und dann in die Gebärmutter einer Frau eingesetzt werden, mutmaßt er.
Es handele sich um den weltweit ersten ernsthaften Versuch, für den sich bereits zehn unfruchtbare Paare gemeldet hätten. Zavos hatte zuvor auf einer Konferenz in Lexington mit dem italienischen Fortpflanzungsmediziner Severino Antinori Pläne für eine Zusammenarbeit beim Klonen von Menschen vorgestellt. "Das Ziel, Vater oder Mutter zu werden, ist ein Menschenrecht", erklärte der 55-jährige Antinori.
Normale Zellen oder Stammzellen
Die Wissenschaftler planen nach Zavos Angaben, normale Zellen oder auch unveränderte Stammzellen des Mannes mit einer Eizelle der Frau zusammenzuführen. Die in der Eizelle gespeicherten Erbanlagen der Frau sollen zuvor gelöscht werden. Durch Zellteilung soll ein Embryo mit allen Erbinformationen des Mannes entstehen. Dieser soll in die Gebärmutter der Frau eingesetzt werden.
Je nach Wahl des Paares könnten aber auch die Frauen geklont werden, sagte Zavos, der am Kentucky Center für Reproduktionsmedizin und Künstliche Befruchtung in Lexington und am Andrologischen Institut Amerikas tätig ist.
"Man will kein Monster schaffen."
Entscheidend für den Erfolg des Klonens sei die Stabilität der Erbinformation. "Wir klonen einen Menschen und versuchen nicht, eine Dolly zu schaffen", sagte er in Anspielung auf das auf diesen Namen getaufte weltweit erste Klonschaf. "Man will kein Monster schaffen." Beim Klonen von Tieren haben Wissenschaftler oft hunderte von Fehlversuchen produziert, bevor ein lebensfähiger Embryo entstand. Seit dem Klonen von Dolly 1997 haben Wissenschaftler zahlreiche Tiere geklont. Das Klonen von Menschen galt bislang als Tabu.
Zavos sagte, die Wissenschaftler würden in einem Mittelmeeranrainerstaat an dem Projekt arbeiten. Um welches Land es sich handelt, sagte er nicht. Im März werde dazu eine Konferenz stattfinden, zu der auch ein Vertreter des Vatikans eingeladen werde. Die katholische Kirche ist einer der schärfsten Gegner des Klonens von Menschen.
Quelle: www.spiegel.de/wissenschaft/0,1518,114740,00.htm
Lifescience
www.lifescience.de
Genforschung
Chefin des Forschungsausschusses will Embryonenschutz lockern
(29.1.2001) Berlin (ddp). Die Vorsitzende des Forschungsausschusses im Bundestag, Ulrike Flach (FDP), spricht sich für eine deutliche Lockerung des Embryonenschutzes und für die Auswahl von genetisch gesundem Nachwuchs aus. Auch deutsche Wissenschaftler sollten die Freiheit bekommen, Stammzellen systematisch zu erforschen und Heilungschancen zu entwickeln, sagte Flach der "Berliner Zeitung" (Samstagausgabe). Dies könne bis hin zur Züchtung von Ersatz-Gewebe für Schwerkranke, dem so genannten therapeutischen Klonen, gehen. Paare mit genetischen Risiken sollten die Chance bekommen, bei einer künstlichen Befruchtung nur Eizellen einzusetzen, die das defekte Gen nicht besitzen.
Die britischen Regeln im Umgang mit Embryonen halte sie für ein mögliches Vorbild, sagte die FDP-Abgeordnete. Nötig sei dazu "eine neue Grenze, ab wann wir von einem schützenswerten Embryo sprechen". Nicht mehr die befruchtete Eizelle solle als schützenswerter Mensch gelten. Flach sagte: "Für mich wird der Zellhaufen genau dann zum schützenswerten Embryo, wenn sich seine Zellen nicht mehr in jede Richtung entwickeln können, wenn sie also ein klares biologisches Schicksal haben. Die Wissenschaft setzt diese Grenze derzeit im Acht-Zell-Stadium an."
Eingriffe in die Keimbahn müssten aber streng gesetzlich verboten bleiben, betonte die Vorsitzende des Forschungsausschusses. Doch rechne sie damit, dass schon bald Menschen die Keimbahntherapie intensiv fordern würden. Sie sei skeptisch, ob die Politik auf Dauer den Designer-Menschen verhindern könne: "Wer forschungsmäßig so weit ist wie wir, wird sich selbstverständlich dieser Frage irgendwann stellen müssen." Flach vermutet, das werde sehr schnell kommen. Wissenschaft lasse sich "nur schwer aufhalten, wenn der Zug erst mal läuft".
gei/gkw
Quelle: www.lifescience.de/news/article/06232/index.html
Stern online 23.1.2001
www.spiegel.de
Wissenschaft
30.12.2000
M E D I Z I N
Werkstatt der Zellen
Die Technik des therapeutischen Klonens verspricht Heilung bei Parkinson, Diabetes oder Krebs. Großbritannien erlaubt dazu jetzt Experimente mit Embryonalzellen. In Deutschland sorgt die Entscheidung für Empörung: Sollen Embryonen sterben, damit Schwerkranke gesund werden?
Es ist ein bemerkenswertes Phänomen der jüngeren Zeitgeschichte, dass sich Wissenschaftler immer dann der Kranken und Gebrechlichen dieser Welt erinnern, wenn es darum geht, Zukunftstechnologien konsensfähig zu machen.
Wäre es nicht beispielsweise wunderbar, den vom Pferd gestürzten und in der Folge querschnittsgelähmten US-Schauspieler Christopher Reeve nochmals den Supermann mimen zu sehen? Oder Muhammad Ali alias Cassius Clay: Wer wollte dem an Parkinson erkrankten Boxer die Möglichkeit verwehren, den "Thriller von Manila" zu wiederholen und Joe Frazier nochmals auf die Bretter zu schicken?
Heilsversprechungen dieser Art ließen auch das britische Parlament in der vorvergangenen Woche nicht unbeeindruckt. Mit großer Mehrheit beschlossen die Abgeordneten ein Gesetz, mit dem in England das Klonen von Embryonen für medizinische Zwecke erlaubt wird.
"Der potenzielle Nutzen dieser Forschung ist immens, vor allem für jene, die unter schrecklichen chronischen Krankheiten leiden", jubelte Yvette Cooper, Staatssekretärin im britischen Gesundheitsministerium. In Deutschland geriet die "FAZ" ins Schwärmen: "Die Evolution in unserer Hand", dichtete Herausgeber Frank Schirrmacher und ließ die "große Gesundheit" wie einen "sich potenzierenden Zellkern" durch die "aktuellen Zentraldebatten" geistern.
So viel Euphorie war selten. Doch was ist wirklich dran am Heilverfahren per Zellersatz? Durch den Parlamentsbeschluss wird es britischen Forschern künftig erlaubt, geklonten menschlichen Embryonen so genannte Stammzellen zu entnehmen, diese zu vervielfältigen und anschließend für medizinische Versuche zu verwenden. Älter als 14 Tage dürfen die verwendeten Embryonen allerdings nicht sein: Dann beginnt im britischen Königreich per Gesetz das menschliche Leben - und die kugeligen Zellgebilde (Blastozysten genannt) müssen getötet werden. Auch die Übertragung der klonierten Embryonen in eine Gebärmutter - das reproduktive Klonen wie beim Klonschaf Dolly - ist weiterhin verboten.
Dennoch eröffnet das neue Gesetz nach Ansicht von Wissenschaftlern erhebliche medizinische Perspektiven. Im Fall der an Parkinson leidenden Boxlegende Muhammad Ali etwa sähe das Heilungsszenario des so genannten therapeutischen Klonens so aus (siehe Grafik): Ali würde eine beliebige Körperzelle entnommen, deren Erbgut die Forscher dann in eine vom Erbmaterial befreite menschliche Eizelle injizieren würden. Aus dem daraus heranwachsenden Embryo - gleichsam ein nachträglich erzeugter zweiter Ali - würden nach etwa einer Woche Stammzellen entnommen. Diese würden schließlich im Labor zu Nervenzellen herangezüchtet und dem kranken Ali mit der Hoffnung gespritzt, die zerstörten Zellen in seinem Gehirn zu ersetzen.
Das Faszinierende an dem Verfahren: Die aus den Stammzellen hervorgegangenen Nervenzellen wären - weil geklont - mit denen des Patienten praktisch identisch; sie hätten damit beste Chancen, nach der Transplantation nicht vom Organismus abgestoßen zu werden.
Auch andere zerstörte oder beschädigte Gewebe und Organe hoffen die Forscher mit dieser Technik reparieren zu können. Neben Parkinson erwarten die Wissenschaftler etwa Fortschritte in der Behandlung von Osteoporose, Krebs, Verletzungen des Rückenmarks oder Leberzirrhose. Neuronen für Alzheimerkranke, Herzzellen für Infarktopfer und Insulin produzierende Inselzellen für Diabetiker stehen ebenfalls auf der Wunschliste der Biochemiker. Dass sich diese beeindruckende Palette von Heilsversprechen in den Köpfen der Forscher festsetzen konnte, liegt an den tatsächlich fast magisch anmutenden Eigenschaften der so genannten embryonalen Stammzellen. Wie das Zauberelixier einer zukünftigen Medizin können sie sich einerseits gleichsam unendlich selbst reproduzieren - andererseits sind sie in der Lage, sich in fast alle der 210 bekannten Typen menschlicher Körperzellen zu verwandeln. Stammzellen sind der Ursprung der Blutzellen, die durch die Aorta pulsen, der Muskelzellen, die den Tenni sarm antreiben, und der Nervenzellen, die im Gehirn das Gesetz des Pythagoras speichern.
Diese Wandlungsfähigkeit der in der frühen Embryonalentwicklung des Menschen entstehenden Stammzellen macht sie zum idealen Rohstoff für ein umfassendes Ersatzteillager des menschlichen Körpers. Fast überall im Organismus, so die Hoffnung der Forscher, könnten sie Reparaturarbeiten an zerstörtem Gewebe vornehmen.
Doch besonders in Deutschland entfachte die britische Entscheidung einen Sturm der Entrüstung. Denn für die Herstellung embryonaler Stammzellen würde nicht nur ein geklonter Menschen-Embryo entstehen. Zudem würde dieser Embryo - laut deutscher Rechtsprechung bereits menschliches Leben - nach Gewinnung der Stammzellen getötet werden. Eine "Perversion menschlichen Denkens" nannte dies der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner. "Auch der frühe menschliche Keim hat Respekt verdient", fordert Regine Kollek, Vorsitzende der Ethikkommission des deutschen Bundestages.
Viele Forscher dagegen sehen in einem frühen Embryo oftmals nur das, was er faktisch ist: eine Kugel aus etwa 50 Zellen - kaum größer als der Punkt am Ende dieses Satzes. Sie werfen den Kritikern Doppelmoral vor. "In einer Gesellschaft, die Abtreibung im dritten Monat zulässt, ist es heuchlerisch, sich über die Entnahme von ein paar Zellen aus Blastozysten zu empören", sagt etwa Davor Solter, Direktor des Max-Planck-Instituts für Immunbiologie in Freiburg.
Auch Oliver Brüstle vom Institut für Neuropathologie der Uniklinik Bonn hofft, dass Deutschland dem britischen Vorbild folgen wird. Zwar hält Brüstle Teile des therapeutischen Klonens für ethisch problematisch. Grundsätzlich jedoch ist er dafür, das Potenzial der Stammzellen für die Medizin nutzbar zu machen.
Schon 1998 schuf Brüstle zusammen mit Kollegen aus embryonalen Stammzellen von Mäusen die Vorstufe bestimmter Hirn- und Nervenzellen. Diese injizierten die Forscher erbkranken Ratten, denen der natürliche Schutzschild der Nervenfasern, das Myelin, fehlte. Bei einigen der Tiere entwickelte sich daraufhin innerhalb von zwei Wochen das fehlende Schutzgewebe.
Anderen Wissenschaftlern gelang es, embryonale Stammzellen von Mäusen in funktionsfähige Herzmuskelzellen zu verwandeln. Australische Forscher ließen jüngst Nerven- und Muskelzellen in der Kulturschale wachsen.
Solche Erfolge können indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade diese "Umprogrammierung" von Stammzellen in funktionierende Körperzellen von den Forschern noch kaum verstanden wird. "Embryonale Stammzellen könnten theoretisch Zellen für jedes Organ im Körper liefern", sagt Solter: "Wie wir die Zellen davon überzeugen können, dies auch zu tun, müssen wir jedoch noch lernen."
Zwar verwandeln sich in der Embryonalentwicklung und auch im Körper des Erwachsenen ständig Stammzellen in die verschiedensten Körperzellen. Schleierhaft jedoch bleibt den Forschern, welche Mechanismen die Ausdifferenzierung bewirken. Um beispielsweise eine embryonale Stammzelle im Labor dazu zu bringen, sich in eine Insulin produzierende Zelle für den Einsatz in der Bauchspeicheldrüse zu verwandeln, seien nicht weniger als fünf Entwicklungsschritte nötig, erläutert Solter.
Nicht alle Forscher sehen daher die embryonalen Stammzellen als die beste Wahl an, um künftigen Patienten neue Knochen- oder Leberzellen wachsen zu lassen. Neben ethischen Bedenken sprechen auch ganz praktische Nachteile gegen den Weg über den Embryo. So würden nach dem heutigen Stand der Forschung im Schnitt 280 menschliche Eizellen benötigt, um für nur einen einzigen Patienten embryonale Stammzellen zu kultivieren. Eine der wenigen denkbaren Möglichkeiten für den therapeutischen Ei-Segen: Weiblichen Unfallopfern könnten wie bislang schon Leber oder Niere zukünftig auch die Eierstöcke entnommen werden.
Angesichts solcher Szenarien suchen viele Forscher nach Alternativen zum therapeutischen Klonen, die es gleichwohl erlauben könnten, das medizinische Potenzial der Stammzellen zu nutzen. Hoffnungen machen ihnen dabei vor allem die so genannten "adulten" Stammzellen, die im Körper jedes Menschen Zeit seines Lebens die Funktion eines Reparaturdienstes übernehmen.
In etwa 20 Organen inklusive der Muskeln, der Knochen, der Haut und des Nervengewebes haben die Forscher diesen Zelltyp mittlerweile aufgespürt. Einfache Verfahren wie die Knochenmarkstransplantation sind bereits im Einsatz. Parkinsonpatienten werden seit Jahren neuronale Stammzellen aus abgetriebenen Föten in die zerstörten Gehirnregionen transplantiert.
Das gesamte therapeutische Potenzial der adulten Stammzellen beginnen die Forscher jedoch erst zu erahnen. Neuere Studien legen nahe, dass auch sie in der Lage sind, sich chamäleonhaft in eine ganze Palette von Zelltypen zu verwandeln.
Schwedische Wissenschaftler etwa übertrugen im vergangenen Jahr Stammzellen aus dem Gehirn erwachsener Mäuse in Mäuseembryonen, woraufhin sich die Zellen eigenständig in Lungen-, Herz-, Darm- und Nervenzellen umprogrammierten.
Kalifornischen Forschern gelang es gar, mit Hilfe Blut bildender Stammzellen lebergeschädigten Mäusen zu helfen. Sie injizierten Zellen aus dem Knochenmark gesunder Tiere in die kranken Mäuse. Schon 50 Stammzellen reichten aus, um die Leberfunktion der Nager zu normalisieren.
Könnten also auch adulte Stammzellen das Zeug haben, künftig als universelles Reparaturset des Körpers zum Einsatz zu kommen? Der wesentliche Vorteil im Vergleich zum Einsatz embryonaler Stammzellen: Das ethisch umstrittene Klonen und Töten von Embryonen könnte auf diese Weise elegant umgangen werden.
Allerdings vermögen auch hier erste Erfolge die noch vorherrschende Ahnungslosigkeit der Forscher kaum zu kaschieren. Als besonders schwierig erweist es sich, der potenten Zellen überhaupt habhaft zu werden. Denn um Abstoßungsreaktionen nach der Implantation der mobilen Eingreiftruppen zu vermeiden, müssten sie idealerweise vom kranken Patienten selbst stammen - doch bei bestimmten Krankheiten sind körpereigene Stammzellen selbst verändert und deshalb unbrauchbar.
"Wenn die Stammzellen sowieso im erkrankten Organ vorkommen - warum helfen sie dem Patienten dann nicht von allein?", fragt Solter: "Es ist kaum einzusehen, warum es etwas bringen sollte, die Zellen dem Patienten zu entnehmen, sie zu vermehren und wieder zu injizieren."
In Zukunft wollen die Erforscher der körpereigenen Heinzelmännchen daher am liebsten zweigleisig fahren. "Wir müssen alle Stammzellen intensiv untersuchen, um langfristig entscheiden zu können, welche Zellen für welche Therapie geeignet sind", fordert Brüstle. Dabei müsse auch eine intensive Risikoabschätzung der neuen Methoden betrieben werden. Denn während die Chancen der Stammzelltherapie ausgiebig diskutiert werden, bleiben die möglichen Gefahren bislang meist unerwähnt.
Aus ihren Erfahrungen mit dem Klonen von Tieren, bei dem nur ein Bruchteil der Experimente gelingt, erwarten die Forscher beispielsweise ernste Probleme bei der Qualität der embryonalen Stammzellen. Falsch programmierte oder fehlgeleitete Helferlein könnten für den Patienten fatale Folgen haben. "Unerwünschte Gewebe" und Tumoren könnten wachsen, räumt Brüstle ein: "Wir brauchen einen langen Sicherheitsvorlauf, um das alles zu prüfen."
Trotz dieser Unwägbarkeiten fordert Brüstle die Änderung des deutschen Embryonenschutzgesetzes, um auch in Deutschland embryonale Stammzellen gewinnen zu können. Bis es so weit ist, will der Wissenschaftler eine Lücke im hiesigen Gesetzeswerk nutzen, die es schon heute erlaubt, die Stammzellen menschlicher Embryonen nach Deutschland zu importieren. Im Labor will Brüstle dann versuchen, diese Zellen mittels geeigneter Nährmedien in Nerven- und Stützzellen zu verwandeln - um in ferner Zukunft vielleicht einmal einem Muhammad Ali zu neuem Intellekt verhelfen zu können.
Vor allzu großer Euphorie jedoch warnen die Biotechniker. "Es wird sicher fünf bis zehn Jahre dauern, bis man überhaupt die Anwendbarkeit in der Medizin abschätzen kann", sagt Brüstle. Damit die neue Technik nicht an den eigenen Ansprüchen scheitert, sei es wichtig, "auf keinen Fall zu viel zu früh" zu versprechen.
"Es gibt keinen theoretischen Grund zu glauben, dass therapeutisches Klonen unmöglich ist", formuliert Immunbiologe Solter die Wissensnot der Forscher: "Allerdings gibt es auch kein theoretisches Problem, zum Jupiter zu fliegen - trotzdem hat es bis heute noch kein Mensch dorthin geschafft."
PHILIP BETHGE
Quelle: www.spiegel.de/spiegel/0,1518,109879,00.html
Stern online 23.1.2001
www.stern.de
WISSENSCHAFT
Großbritannien erlaubt Klonen von Embryos
Das britische Oberhaus hat am Montagabend nach siebenstündiger Debatte dem Gesetz über das Klonen von Embryos zugestimmt. Die Lords machten damit den Weg frei für die Forschung mit menschlichen Stammzellen, um Wege zur Heilung von Krankheiten wie Leukämie, Parkinson, Diabetes und Krebs zu finden. 212 Lord stimmten für das Gesetz, das vom Unterhaus bereits verabschiedet worden war. 92 sprachen sich dagegen aus. Die Gegner wie Lord Alton kritisierten vor allem, dass über das Für und Wider des Klonens menschlicher Embryos nicht ausreichend debattiert worden sei. Das Europäische Parlament hatte Großbritannien aufgefordert, das Gesetz zu stoppen.
Premierminister Tony Blair hatte bei der Gesetzesvorlage im Dezember im Unterhaus erklärt, nur mit der Zulassung des Klonens menschlicher Embryos könne Großbritannien bei der Bio- und Gentechnik an der Spitze der Entwicklung bleiben. Das Klonen von Menschen ist auch nach dem neuen Gesetz verboten.
Es erlaubt den Forschern aber, bis zu 14 Tage alte Embryos genetisch identisch zu vervielfältigen, um ihnen Stammzellen zu entnehmen. Stammzellen sind die Grundbausteine eines Organismus. Sie differenzieren sich in ihrer weiteren Entwicklung und bilden dann die unterschiedlichen Organe. Die Forscher hoffen, aus den Stammzellen neues Gewebe oder Organe zum Einsatz in der Medizin züchten zu können.
In Deutschland ist ebenso wie in anderen europäischen Ländern das Klonen durch ein Embryonenschutzgesetz verboten. Kritiker sehen im Klonen "den Missbrauch eines Embryos als Ersatzteillager". Abgelehnt wird das Klonen auch von vielen Kirchen. Lord Alton präsentierte dem Oberhaus einen Brief des tibetischen Dalai Lamas, des Erzbischofs von Canterbury, George Caray, und des obersten jüdischen Rabbis in Großbritannien, Jonathan Sacks, die das Parlament drängten, dem Gesetz die Zustimmung zu verweigern.
Der katholische Erzbischof von Westminster, Cormac Murphy- O'Connor, sagte, Stammzellen könnten von Erwachsenen ebenso wie von Embryos gewonnen werden. Wissenschaftler vertreten indes die Ansicht, dass nur wenige Tage alte Stammzellen für medizinische Zwecke am besten geeignet seien.
Quelle: www.stern.de/zhp/themadestages/2001/01/23/klonen.html
Spiegel online
www.spiegel.de
23. Januar 2001
G R O S S B R I T A N N I E N
Jetzt dürfen Embryonen geklont werden
Wenn es der Medizin dient, dürfen in Großbritannien künftig Embryonen geklont werden. Höchstalter: 14 Tage. Großbritannien steht damit in Europa bislang allein da.
London - Das Oberhaus stimmte gestern am späten Abend einer entsprechenden Gesetzesänderung zu. Das Klonen von Menschen soll aber auch künftig streng verboten bleiben. Die Lords gaben mit 212 gegen 92 Stimmen grünes Licht für die Forschung mit Stammzellen. Ein Antrag, den Beginn der Forschung hinauszuzögern, wurde abgelehnt. Das Unterhaus hatte die Gesetzesänderung bereits im Dezember gebilligt. Damit könnten die neuen Regelungen bereits in der nächsten Woche in Kraft treten.
Der Abstimmung im Oberhaus war eine leidenschaftliche Debatte vorausgegangen. Besonders Vertreter der Kirchen erhoben religiöse und moralische Bedenken gegen die Regierungspläne. Das Oberhaus will einen Ausschuss einsetzen, der sich mit den Argumenten für und gegen die Stammzellen-Forschung befassen soll.
Die embryonalen Stammzellen sollen vor allem dazu dienen, neues, gesundes Gewebe für Schwerkranke herzustellen, das vom Patienten nicht abgestoßen wird. Die Befürworter der Forschung sehen darin einen Durchbruch bei der Behandlung chronischer Erkrankungen wie zum Beispiel Alzheimer, Parkinson, Multipler Sklerose oder Leukämie.
Quelle: www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,113569,00.html?dt.ue
Netdoktor.de
www.netdoktor.de
24.1.2001
Umstritten: Briten erlauben Klonen von Embryos
London (dpa) - Das britische Oberhaus (House of Lords) hat am späten Montagabend einem umstrittenen Gesetz zum Klonen von Embryos für therapeutische Zwecke zugestimmt. Damit wird Großbritannien das erste Land Europas, in dem bis zu 14 Tage alte Embryos geklont werden dürfen. Das Klonen von Menschen soll auch weiterhin streng verboten bleiben. Die Lords gaben mit 212 gegen 92 Stimmen grünes Licht für die Forschung mit Stammzellen. Das Unterhaus hatte die Gesetzesänderung bereits im Dezember gebilligt. Der Abstimmung im Oberhaus war eine leidenschaftliche Debatte vorausgegangen. Besonders Vertreter der Kirchen erhoben religiöse und moralische Bedenken gegen die Regierungspläne. Ein Antrag, den Beginn der Forschung zu verschieben, fand jedoch keine Mehrheit. Das Oberhaus will einen Ausschuss einsetzen, der sich mit den Argumenten für und gegen die Stammzellen-Forschung befassen soll. Die embryonalen Stammzellen sollen vor allem dazu dienen, neues, gesundes Gewebe für Schwerkranke herzustellen, die vom Patienten nicht abgestoßen werden. Die Befürworter der Forschung sehen darin einen Durchbruch bei der Behandlung chronischer Erkrankungen wie zum Beispiel Alzheimer, Parkinson, Multipler Sklerose oder Leukämie. (im)
Weitere Informationen zum Thema:
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Quelle: www.netdoktor.de/Nachrichten/index.asp?y=2001&m=1&d=24#id40866
Lifescience.de
www.lifescience.de
News 23.1.2001
Therapeutisches Klonen
Gesetzesänderung in Großbritannien jetzt definitiv
(23.1.2001) Nach einer heftigen Debatte hat das britische Oberhaus (House of Lords) am späten Montagabend einer Gesetzesänderung zugestimmt, die das Unterhaus bereits im Dezember gebilligt hatte. Damit ist in Großbritannien das Klonen von Embryos für therapeutische Zwecke künftig gesetzlich erlaubt. Das Klonen von Menschen bleibt aber weiterhin streng verboten
Großbritannien ist damit das erste Land in Europa, das therapeutisches Klonen erlaubt. Konkret heißt dies, dass bis zu 14 Tage alte Embryos geklont werden dürfen. Ziel ist die Forschung mit Stammzellen bzw. die Entwicklung von neuem, gesundem Gewebe für Schwerkranke, das vom Organismus des Patienten nicht abgestoßen wird. Man erhofft sich damit einen Durchbruch bei der Therapie chronischer Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, Leukämie und Multipler Sklerose.
Vertreter der Kirchen hatten in der Oberhaus-Debatte religiöse und moralische Bedenken gegen die Gesetzesänderung erhoben. Ein vom Oberhaus geplanter Ausschuss soll sich mit den Argumenten pro und contra Stammzell-Forschung befassen. Die Gesetzesänderung fand im Oberhaus die Zustimmung von 212 Stimmen und 92 Ablehnungen. Die neue Regelung tritt schon nächste Woche in Kraft. Öhs-
Quelle: www.lifescience.de/news/article/06217/index.html
Bild der Wissenschaft Online
www.wissenschaft.de
Newsticker Forschungspolitik
24.1.2002
Therapeutisches Klonen in Deutschland nicht notwendig
Weltweit haben Forscher einen Wettlauf begonnen, mit Embryonen und Stammzellen von Erwachsenen Therapien für Krankheiten zu entwickeln. Noch gibt es nur erste Versuche mit geklonten Embryozellen, älteren Stammzellen oder Embryozellen aus der Laborkultur. Von einer Anwendung sind alle Verfahren noch jahrelang entfernt. Die gerade erteilte britische Erlaubnis zum Klonen von embryonalen Stammzellen sollte für die deutsche Forschung nach Meinung einiger Experten keine durchschlagende Bedeutung haben.
Der Vorsitzende des Ärzteverbandes Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, verweist darauf, dass es nur ein kleiner Aspekt aus einer Vielzahl von Möglichkeiten zur Stammzellenforschung ist. "Nach meiner festen Überzeugung liegt die große Chance der deutschen Forschung in erwachsenen Stammzellen." Geklonte embryonale Zellen enthielten zudem immer auch Material aus Fremdzellen, was eine Abstoßung wahrscheinlicher mache. Daher sei es ohnehin klüger, auf Stammzellen von Erwachsenen zu setzen. "Deutsche Forscher sollten versuchen, dort Weltmeister zu werden und nicht anderen Ländern in der Forschung an embryonalen Stammzellen nachlaufen."
Auch für Prof. Jan-Diether Murken, Leiter des Instituts für Medizinische Genetik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, ist die Arbeit mit Stammzellen von Erwachsenen mindestens ebenso aussichtsreich. "Man weiß nicht, ob es jemals gelingen wird, aus embryonalen Stammzellen Gewebe zu züchten."
Bis vor etwa zwei Jahren habe dagegen keiner für möglich gehalten, dass Erwachsene undifferenzierte Stammzellen haben, die sich beispielsweise zu Lebergewebe entwickeln könnten, sagte Murken. "Mit solchen Stammzellen könnte es in einige Jahren gelingen, Gewebe zu züchten." Forscher haben bereits aus Stammzellen von Mäusegehirnen unter anderem Herz- und Lebergewebe gezüchtet. Aus Knochenmark wurden sogar Nervenzellen gebildet. Allerdings ist auch das Klonen von Embryozellen im Tierversuch ansatzweise erfolgreich: Australische Forscher hatten aus geklonten Embryozellen von Mäusen Nerven- und Muskelzellen dieser Tiere gewonnen.
Ob Stammzellen vom Embryo oder vom Erwachsenen: Zunächst muss die Frage geklärt werden, welche Signale eine Differenzierung in bestimmte Gewebe auslösen. Dies kann laut Murken mit Embryozellen ebenso geschehen wie mit älteren Stammzellen.
Die deutschen Forscher sollten nicht versuchen, entsprechende Arbeiten mit Embryonen zu machen, sagte Murken. "Ich halte es für wichtig, dass wir an der Auffassung festhalten, dem Embryo eine Menschenwürde zuzuerkennen." Daher sollte man auch keine embryonalen Zellen aus Laborkulturen importieren, was in Deutschland gesetzlich erlaubt ist. Diese ursprünglich aus Embryonen gewonnenen Zellen teilen sich unentwegt weiter.
Sämtliche Therapie-Verfahren sind jedoch noch Zukunftsmusik: Die Generation der heute schon Kranken werde vom therapeutischen Klonen nicht profitieren, sagte Montgomery. Bis Forscher aus geklonten embryonalen Stammzellen gezielt Gewebe entwickeln können und damit Menschen heilen können, vergehen nach Meinung von Prof. Wolfgang Holtz (Universität Göttingen) noch mindestens 20 bis 30 Jahre. Nach Ansicht des Neurowissenschaftler Oliver Brüstle von der Universität Bonn kann man erst in fünf Jahren überhaupt absehen, ob die Embryozellen der Laborkultur einmal medizinisch einsetzbar sind. Das möchte er prüfen und sie dazu aus den USA importieren.
Ob das therapeutische Klonen überhaupt jemals notwendig wird, sei strittig, sagte auch der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin, Wolfgang Würfel, in München. Die Forschung an embryonalen Stammzellen sei momentan zwar weiter, erklärt Würfel. Die Arbeiten an älteren Stammzellen könnten die an Embryozellen aber überholen. "Wenn diese Stammzellen von Erwachsenen in ein paar Jahren zur Therapie von Erkrankungen genutzt werden können, ist die Diskussion um embryonale Stammzellen und therapeutisches Klonen sowieso vom Tisch. Dann wird sich wohl die unspektakulärere Form durchsetzen."
dpa
Quelle: www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=48692
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