Druck und Verunsicherung machen krank
Neue Orientierungen in der frauengemäßen Gesundheitsversorgung

Pressemitteilung 10./11.November 2001

AKF® für neue Orientierungen in der frauengemäßen Gesundheitsversorgung

Am 10. und 11. November 2001 veranstaltete der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. in der Habichtswald-Klinik in Kassel - Bad Wilhelmshöhe seine 8. Jahrestagung unter dem Motto Therapie, Technik, Markt, Moral mit mehr als 300 Teilnehmerinnen.

Fortschritte in Therapie und Praxis erfordern eine geschlechtsdifferenzierte Gesundheitsversorgung von Frauen. Der AKF will Frauen befähigen, gerade auch bei schwierigen Themen eine gut informierte Entscheidung für ihre Gesundheit zu treffen. Die Durchsetzung einer frauengemäßen Gesundheitsversorgung hat damit starke Partnerinnen. In Vertretung für die Bundesfamilienministerin begrüßte Dr. Marion Thielenhaus vom Bundesminsterium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in ihrem Grußwort vor allem die Einrichtung einer Koordinierungsstelle für Frauengesundheit beim AKF. Das ab 1. Dezember 2001 startende Modellprojekt mit einer Laufzeit von drei Jahren wird vom BMFSFJ mit einer Gesamtsumme von DM 1,2 Mill. gefördert. Der AKF als Expertinnenpool für Frauengesundheit soll im Rahmen des Projekts u.a. wissenschaftliche Ergebnisse zur Frauengesundheit zur Verfügung stellen, Vernetzungen initiieren, politische Forderungen zur Frauengesundheit formulieren und den weiblichen Blick im Gesundheitswesen durchgängig etablieren.

Als interdisziplinärer Fachverband, in dem sich Ärztinnen, Hebammen, Psychotherapeutinnen, Genetikerinnen, Sozialpädagoginnen und viele andere Berufsgruppen zusammengeschlossen haben, setzt sich der AKF kritischkonstruktiv und geschlechtsdifferenziert mit der Gesundheitsversorgung von Frauen auseinander. Die Jahrestagung 2001 machte erneut deutlich, wie schwer es ist, sich auf dem Gesundheitsmarkt mit seiner kaum überschaubaren Palette - von der Grundversorgung über frei finanzierbare Spezialbehandlungen bis zu lifestyle-Beratungen - zu orientieren. Aus den insgesamt 15 Arbeitsgruppen ergaben sich übereinstimmend folgende Forderungen:

Der AKF warnt vor den Folgen der Pränataldiagnostik (PND) und der Präimplatationsdiagnostik (PID).
Die sog. "Eugenik von unten" ist nach Auffassung des AKF schon längst alltägliche Praxis, in dem die mehr und mehr zur Routinebetreuung aller Schwangeren eingesetzten Untersuchungen als Instrument gebraucht werden, um Auffälligkeiten zu entdecken und ggf. einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen.
Mit der Einführung der PID droht die Gefahr, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt: Statt mehr Selbstbestimmung werden unzumutbare Entscheidungszwänge produziert.

Der AKF lehnt die Präimplantationsdiagnostik ab.
Außerdem fordert er die selektionierende Pränataldiagnostik von der Mutterschaftsvorsorge zu trennen. Dr. Claudia Schumann, Frauenärztin und 1. Vorsitzende des AKF®: "Der Wunsch nach einem gesunden Kind ist verständlich, der Druck, der durch die Verquickung von Vorsorge und Pränataldiagnostik auf Frauen und ihre Ärztinnen entsteht, ist unerträglich."

Der AKF wendet sich entschieden gegen die Strategie, IGeL (= Individuelle Gesundheits-Leistungen) als ärztliche Geldquelle zu propagieren.
Die Umsatzsteigerung über IgeL - "Irgendwie Geld Einbringende Leistungen" - wird im Wesentlichen durch eine Verunsicherung der Patientin erreicht, die nicht übersehen kann, was medizinisch sinnvoll ist oder was überflüssig sein kann. Beispiele sind zusätzliche Ultraschall-Untersuchungen bei der Krebsfrüherkennung oder der Schwangerenvorsorge.

Der AKF fordert eine politische Lösung.
Mit Blick auf die schlechte finanzielle Situation vieler GynäkologInnen als Folge der Budgetierung bekräftigen die Frauenärztinnen im AKF: "Dass unsere Arbeit angemessen bezahlt wird, ist eine Forderung an die Politik, nicht an den Geldbeutel der Frau."

Der AKF setzt sich für eine frauengemäße Psychotrauma-Therapie ein.
Traumatisierungen von Frauen, z.B. durch Gewalt, aber auch durch schwere körperliche Erkrankungen wie Brustkrebs, werden in ihren weit reichenden Auswirkungen in der medizinischen Versorgung oft gar nicht oder zu spät erkannt. Die daraus resultierenden Störungen werden entsprechend nicht richtig diagnostiziert und nicht fachgerecht behandelt, Langzeitfolgen vom deutschen Gesundheitssystem weitestgehend ignoriert.

Der AKF fordert eine adäquate Behandlung.
Notwendig ist eine qualitätsgesicherte Diagnostik und Therapie unter Einbeziehung frauenspezifischer Aspekte. Eine Überarbeitung der Psychotherapierichtlinien ist erforderlich. Je nach Art und Zeitpunkt der Traumatisierung müssen unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten angeboten und wissenschaftlich evaluiert werden. Auch die gesundheitlichen Langzeitfolgen von Traumatisierungen müssen erforscht werden.

Die Teilnehmerinnen der 8. Jahrestagung waren sich einig, in Kooperation mit medica mondiale, einer internationalen Hilfsorganisation, die sich für kriegstraumatisierte Frauen engagiert, eine Spendenaktion für ein Frauengesundheitsprojekt in Afghanistan zu unterstützten.

Die 9. Jahrestagung des AKF® wird im November 2002 wieder in der Kasseler Habichtswald-Klinik unter dem Motto "Tüchtig und süchtig" zum Thema Frauen, Sucht und Essstörungen stattfinden.

Kontakt:
AKF® e.V.
Knochenhauerstr. 20-25
28195 Bremen
Tel. 0421-434 93 40
Fax 0421-160 49 60
Pressekontakt:
Gundel Köbke
Tel: 0170-5518055 oder 030-88683748

Quelle
AKF Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin,
Psychotherapie und Gesellschaft e.V.
http://www.akf-info.de
2002

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