
Hebammenbetreuung
Sichere Mutterschaft durch Hebammen unterstützt
Ich heiße Monika Schmid, bin seit gut 12 Jahren Hebamme, seit 1992 arbeite ich freiberuflich in der Hebammenpraxis Stuttgart-Mitte mit mehreren Kolleginnen zusammen und begleite Frauen durch die Schwangerschaft, wenn sie möchten bei einer Hausgeburt, im Wochenbett und der Stillzeit.
Ich spreche hier heute über sichere Mutterschaft - durch Hebammen unterstützt.
Schwangerschaft war Jahrhunderte lang die Zeit der "guten Hoffnung" und die Hebamme war die Begleiterin in dieser Zeit des Wachsens und Werdens. Auch heute noch sind wir Hebammen aufgrund unserer spezialisierten Ausbildung die Fachfrauen für die Zeit von der Feststellung der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit. Wir kennen uns aus mit der Physiologie, also den "normalen" Abläufen in dieser Zeit und haben gelernt, diese zur Pathologie hin abzugrenzen. Auch aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen sind wir Hebammen berechtigt, normal verlaufende Schwangerschaften und Geburten selbstständig und ohne ärztliche Hilfe zu begleiten, während ein Arzt verpflichtet ist, zu jeder Geburt eine Hebamme hinzuzuziehen.
Für den heutigen Stand der Geburtshilfe sind verschiedene gesetzliche Rahmenbedingungen und gesundheitspolitische Entwicklungen in den 60er-Jahren entscheidend gewesen. Damals wurde die gesellschaftliche Kontrolle über die Geburtshilfe den Ärzten übertragen, die ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen und die Klinikgeburt wurden Regelleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Der Mutterpass wurde entwickelt mit seinem Katalog von 52 Risiken, der unter anderem auch Frauen mit Heuschnupfen oder wirtschaftlichen Problemen zu Risiko-Schwangeren stempelt. In wenigen Jahrzehnten hat es die Medizin auf diese Weise geschafft, die "anderen Umstände" zu einem "riskanten biologischen Zustand" umzudeuten, zu einer Komplikation, die unter ärztlicher Kontrolle gehalten werden muss. Die Angst vor den Risiken hat die gute Hoffnung verdrängt.
An dieser Stelle will ich etwas zum Begriff "Risiko" sagen. Er kommt ursprünglich aus dem Versicherungswesen, beschäftigt sich mit Wahrscheinlichkeiten.
Wer "Risiko" denkt wird blind für "Gefahr", weil das Risiko-Profil die einzelne Frau verbirgt. Früher waren Hebammen trainiert, Gefahren vorzubeugen, sie abzuwenden. Risiko war ein Synonym für Gefahr, heute geht es dabei um Statistiken und Wahrscheinlichkeiten. Wahrscheinlichkeit besagt aber nur, wie oft etwas vorkommt. Also z.B. wenn diese Frau 1000x geboren hätte, wäre sie bei der Geburt 17x oder 25x gestorben...
Wahrscheinlichkeitsberechnungen sind ähnlich ungewiss wie die Hoffnung. Nur dass die Hoffnung eine Haltung ist, die im Prinzip vertraut: auf die eigene Körperlichkeit, auf die Beziehung zum Kind im Bauch, auf den guten Fortgang eines natürlichen Lebensereignisses. Das Gerede von Risiken dagegen sieht Schwangerschaft von vorneherein unter einem schlechten Stern. Früher wurden in einem solchen Fall die Götter angerufen - unsere heutige Kultur schreibt den MedizinerInnen und ihren Apparaten eine ähnliche Bedeutung zu. Sie suggeriert, dass gesunder, bald vielleicht sogar perfekter Nachwuchs machbar sei. Doch bei genauem Hinsehen entpuppt sich diese Sichtweise als Mythos: die Medizin kann in der Schwangerschaft inzwischen zwar viel diagnostizieren, doch heilen kann sie relativ wenig.
Die Zahl der medizinischen Untersuchungen hat sich in den letzten 15 Jahren verfünffacht, ohne dass sich zum Beispiel die Frühgeburtenrate dadurch hätte senken lassen. Was allerdings in dieser Zeit drastisch gestiegen ist, ist der Anteil der sogenannten Risiko-Schwangeren; und zwar auf 60-80%, während es in anderen europäischen Ländern zum Teil nur 20% sind. Und das, obwohl - oder weil? - wir in Deutschland weltweit die zweithöchste Gynäkologen-Dichte haben...
Verstehen Sie, warum es ausgerechnet in einem der bestentwickelten Ländern mit optimalen Ernährungsmöglichkeiten, Hygiene und sozialen Absicherungen so schrecklich gefährlich sein soll, ein Kind zu bekommen?
Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht dagegen davon aus, dass 70-80% der Schwangeren nur ein "geringes Ausgangsrisiko" haben und dass diese Frauen am besten in Hebammenhänden aufgehoben sind! Die kontinuierliche Begleitung einer Hebamme oder eines kleinen Hebammenteams durch die ganze Schwangerschaft, die Geburt
(1:1-Betreuung) und im Wochenbett ist die beste Voraussetzung für zufriedene Frauen und gesunde Kinder!
In anderen europäischen Ländern (z.b. Niederlande, Skandinavien) werden gesunde Frauen mit normaler SS ausschließlich von Hebammen betreut. Erst wenn sich im Laufe der Schwangerschaft Probleme oder Komplikationen ergeben, überweist die Hebamme die Schwangere an einen Facharzt oder eine Klinik. In Skandinavien z.B. benötigen über 70% der Frauen keine ärztliche Hilfe, weder in der Schwangerschaft noch bei der Geburt oder danach. Die Frauen erschrecken dort eher, wenn ein Arzt den Kreißsaal betritt und sind froh, wenn er seine Anwesenheit mit der Suche nach einer Tasse Kaffee begründen kann.
Im Unterschied zur hebammengeleiteten Geburts-HILFE tritt dort die von ÄrztInnen und Hebammen gemeinsam ausgeübte Geburts-MEDIZIN nämlich nur dort in Aktion, wo es zu Risikosituationen oder Komplikationen gekommen ist. Für diese - und NUR für diese - wird alles an Technik bereitgestellt, was wir kennen, denn hier wird Sicherheit groß geschrieben. Allerdings gelingt es den skandinavischen Gesundheitssystemen wesentlich besser als unserem deutschen, echte Risiken zu erkennen und diese dann auch wirklich nur im spezialisierten Großkrankenhaus in exzellenter Zusammenarbeit mit den Kinderärzten zu behandeln. Resultat dieser Art zu arbeiten sind nicht nur sehr niedrige Sterblichkeitsraten, sondern auch ein insgesamt niedriger Prozentsatz von Kaiserschnitten (11-12%, in Deutschland ca. 20%) und natürlich auch niedrigere Kosten.
Es ist also mittlerweile bewiesen, dass durch das Konzept der risikoorientierten Schwangerenvorsorge und Geburtshilfe die Risiken nicht weniger werden. Ganz im Gegenteil.
Es verwundert nicht, dass sich viele Frauen innerhalb dieses medizinisch-technologischen Modells immer mehr im Netz von Risiken und Komplikationen verstricken, sich fremd im eigenen Körper fühlen und das Gefühl für Normalität verlieren. Abgesehen davon, dass dies zu neuen Komplikationen während der Schwangerschaft führen kann, hat das auch Auswirkungen auf das Leben mit dem Kind: Frauen und natürlich auch deren Partner werden dadurch immer unsicherer im Umgang mit ihren Säuglingen. Was als perfektes Kind geplant war, entpuppt sich als schreiendes Baby, mit dem man nicht umzugehen weiß. Beunruhigt durch die Lebendigkeit des Kindes wird wieder ein Experte - der Kinderarzt - aufgesucht, der dann bestätigen soll, dass das Kind gesund ist.
Es ist also an der Zeit, auch in Deutschland entsprechend der weltweiten Forschungsergebnisse die derzeitige Dominanz der Technik in der Schwangerenvorsorge und Geburtshilfe durch ein sachgerechtes Zusammenspiel von Hebammenhilfe und Medizin zu ersetzen.
Vielleicht haben Sie schon davon gehört, dass die Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft auch von Hebammen gemacht werden. Dies ist EINE Möglichkeit, die Schwangerschaft wieder mehr als lebendigen Prozess zu erleben, anstatt als medizinisches Ereignis.
Wir Hebammen nehmen also wieder unsere ursprüngliche Aufgabe wahr, die Begleitung und Bestärkung der Schwangeren in ihrem "guter Hoffnung" sein mit dem Akzeptieren von Ängsten und Befürchtungen als zum Schwangersein (und zum Leben!) gehörig, die sich nicht durch medizinische Perfektion ausräumen lassen. Wir sehen die Mutter und ihr Kind als untrennbare Einheit (im Unterschied zum medizinisch-technischen Modell, in dem die Frau als Person verschwindet und zum "fötalen Umfeld" wird) und ermutigen die Schwangere bei sich und "bei Sinnen" zu bleiben.
Wie sieht nun Hebammen-Vorsorge aus?
Für den ersten Termin nehme ich mir mindestens 1 Stunde Zeit, für die weiteren 30 bis 45 min. Bei der Terminabsprache kläre ich ab, ob es besondere Themen oder Probleme gibt, um gegebenenfalls mehr Zeit einzuplanen. Bei Bedarf stelle ich die Schwangerschaft fest, viele Frauen sind sich aber sicher, dass sie schwanger sind und dann glaube ich ihnen das auch erst mal, ohne dafür gleich beim ersten Besuch objektive Beweise suchen zu müssen. Auch das Ausstellen eines Mutterpasses gehört zu meiner Arbeit.
Normalerweise finden die Vorsorge-Untersuchungen in der Hebammenpraxis im Beratungszimmer statt (mit einem Sofa anstatt einem gynäkologischen Stuhl) ohne Wartezeit (günstig, um größere Geschwister mitzubringen), bei Bedarf auch bei der Frau zuhause.
Im Mittelpunkt steht immer die Frage nach dem Befinden der Frau, dadurch wird der Ablauf der Untersuchung bestimmt, nicht ausschließlich durch festgelegte Routineuntersuchungen. Hebammen sind nicht wie die Ärzte an die Mutterschaftsrichtlinien gebunden, sondern arbeiten nach eigenen Vorschriften (Berufs- und Gebührenordnung) und eigenen Vorstellungen (was ist wichtig, sinnvoll, notwendig? Was braucht/will die einzelne Frau?). Wenn Fragen und Probleme bestehen, kann die Vorsorgeuntersuchung auch mit "Hilfe bei SS-Beschwerden" kombiniert werden. Auf psychische oder soziale Probleme reagiere ich mit Zuwendung, anstatt mit medizinischen Maßnahmen und ich kann mir die Zeit dafür auch nehmen und bekomme sie bezahlt - im Unterschied zu den Ärzten, die auch aufgrund ihrer Abrechnungsstrukturen dazu gezwungen sind, die Frau schnell wieder aus dem Behandlungszimmer zu komplimentieren, selbst wenn sie sich das anders wünschen würden.
Gefragt ist die Selbstbeobachtung der Frau: z.B. wissen viele Frauen, wann das Kind gezeugt wurde, der Geburtstermin lässt sich so dann einfach berechnen, ich frage, wann die Frau zum ersten Mal Kindsbewegungen gespürt hat, sie kann selber die Größe der Gebärmutter tasten, kann ihren Urin selber untersuchen, den pH-Wert in der Scheide kontrollieren und ihr Gewicht (wenn es sie interessiert).
Ich bestärke die Frau in dem Gefühl, dass sie selbst die Fachfrau für ihren eigenen Körper ist und ermutige sie, neue Körpererfahrungen zu machen (z.b. selbst den Muttermund tasten), dadurch wird ihr Vertrauen in die eigene Wahrnehmung und Fähigkeiten gestärkt, so dass die Frau die Sicherheit, die sie braucht, zunehmend in sich selbst finden kann und damit unabhängiger wird von der Bestätigung von außen, dass "alles in Ordnung" ist.
Auch bei der Frage, wie es dem Kind geht, vertraue ich in erster Linie auf die Beobachtung der Schwangeren. Ich unterstütze sie, mit ihrem Kind zu kommunizieren, in sich hineinzuhorchen, sich das Kind bildlich vorzustellen und somit auch zu sehen, wie es ihm geht. Ich selbst nehme durch die Bauchdecke Kontakt zum Kind auf, lasse meine Hände dort erst mal liegen, spüre, ob und wie das Kind auf diese Berührung reagiert. Danach wird der Bauch abgetastet und gemessen, um einen Eindruck vom Wachstum des Kindes zu bekommen, was im übrigen meist genauer ist, als die Berechnungen des Ultraschalls. Beim Hören der Herztöne mit dem Hörrohr beobachte ich, wie das Kind darauf reagiert, wenn ich es ein bisschen stimuliere.
Durch diese Untersuchung mit all meinen Sinnen schöpfe ich die Sicherheit, dass das Kind gut versorgt ist in seiner Mutter.
Das ist ein grundsätzlich anderer Ansatz als bei der technikorientierten Schwangeren-Vorsorge, wo die Sicherheit aus Labor- und sonstigen Befunden gezogen wird und - auch wenn alles "normal" scheint - kein Ende abzusehen ist bei der Suche nach möglichen Abweichungen von der Norm. Um gar nicht in diesen Sog einzutauchen, machen Hebammen im allgemeinen so wenig wie möglich Routineuntersuchungen, dennoch halten wir uns an Standards, die uns sinnvoll erscheinen und nachgewiesenermaßen nützlich sind:
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