Das Hebammenwesen in Japan
Geschichtlicher Rückblick
Vor dem 2. Weltkrieg wurden in Japan fast alle Kinder zuhause geboren, anstatt - wie heute überwiegend - in Krankenhäusern. Lange Zeit wurde das Kinderkriegen in der Bevölkerung als ein schmutziges und unheiliges Ereignis betrachtet. Es war überlieferter Brauch, Frauen während der Wehen und bei der Geburt zu isolieren. Geboren wurde oft an schmutzigen und dunklen Orten, etwa in Schuppen oder Ställen ausserhalb des Hauses. Es ist nicht verwunderlich, dass Kindbettfieber und infektiöse Erkrankungen der Neugeborenen in diesen Zeiten ein verbreitetes Problem war.
Die erste relevante Dokumentation über die ebammenarbeit berichtet über assistierenden Geburtsbeistand in der Herian Periode (zwischen 794-1185 unserer Zeitrechnung). Ausführlichere und deutlich ernstzunehmende Dokumentationen wurden während der Tokugawa Periode (1603-1868) publiziert, als die Wissenschaftler anfingen, sich für das Hebammenwesen zu interessieren. 1) 2)
Obwohl die Arbeit der Hebammen über lange Zeit gesellschaftlich nicht anerkannt wurde, war der generelle Einsatz von Hebammen in der Gesundheitsführsorge für Familien und in den Gemeinden beachtlich - und insgesamt deutlich umfangreicher als der der Ärzte. So kam es, dass seit Ende des 19. Jahrhunderts die Arbeit der Hebammen auch in medizinischen Kreisen mehr und mehr anerkannt und gewürdigt wurde. 1)
Gesetzliche Regulierungen
Die erste gesetzlich relevante Dokumentation über praktische Hebammentätigkeit wurde im Jahre 1868 publiziert. Dieses Dokument stellt die Grundlage für die derzeit gültigen und weitreichenden rechtlichen Regulierungen im japanischen Gesundheitswesen dar, die für alle medizinischen Berufe gilt. Seit 1899 wurde der Hebammenberuf offiziell anerkannt und ein Berufsabschluss (Zertifikat) als Nachweis der beruflichen Qualifikation verlangt. 2) Als Ergebnis dieser ab da auch rechtlichen Anerkennung haben Hebammen schrittweise soziale Anerkennung erreicht. 1) 2) 3)
Im Jahre 1948 wurde unter der Aufsicht des "General Headquarter of the United States (GHQ)" ein Gesetz verabschiedet, dass sowohl das Berufsbild von Krankenschwestern in Kliniken und in freier Praxis als auch das von Hebammen regelt. Dieses Gesetz spezifiziert die Aufgaben- und Arbeitsbereiche der Hebammen und legt die Ausbildungsordnung für diese drei Berufe fest. Gesetzlich wird die Hebamme hierbei als eine vom Gesundheitsministerium anerkannte Frau definiert, die qualifiziert und berechtigt ist, Schwangerenbetreuung und Geburtshilfe zu leisten und Gesundheitsfürsorge für Frauen und Neugeborene zu leisten.
Hebammenarbeit in jüngster Zeit
Nach dem 2. Weltkrieg wurde das japanische Gesundheitswesen von Grund auf neu strukturiert. Ein wichtiger Teil war dabei die Reform der Versorgung von Schwangeren und Müttern mit ihren Neugeborenen. Zu diesem Zeitpunkt wurden noch fast alle Kinder mit Hilfe von Hebammen zuhause geboren. Das amerikanische "GHQ" sah diese Situation allerdings als signifikant veränderungsbedürftig an und setzte seine Vorstellungen durch. Das führte dazu, dass innerhalb kurzer Zeit die meisten Geburten in Krankenhäusern stattfanden. Im Jahre 1950 wurden nur 4,6% aller Kinder in Kliniken geboren. Im Jahre 1999 waren es 99,8%.4)
Das Arbeitsfeld von Hebammen hat sich seither entsprechend dieser Entwicklung signifikant verändert. Im Jahre 1998 praktizierten von insgesamt 24.000 Hebammen in Japan mehr als 80% in Krankenhäusern in direkter Zusammenarbeit mit Ärzten. Nur etwa 2.000 Hebammen (~ 9% der aktiv arbeitenden) praktizieren heute unabhängig in freier Praxis. 4)
1) Japanese Midwives Association(ed.) (1998). The 60 Years of Japanese Midwives Association. Tokyo: Japan Midwives Association Publication [Japanese].
2) Okamoto, K. (1999). The History of Midwifery Practices in Japan. Perinatal Care, (225), pp.55-68 [Japanese].
3) Shin-Nippon-Hoki Publication(ed.)Nursing Laws 2001. Shin-Nippon-Hoki Publication: Tokyo [Japanese].
4) Kousei Tokei Kyhokai (ed.)(2001). Kokumin Eisei no Doko vol.48, no.9 (752). Tokyo: Koseido [Japanese].
Quelle:
History of Japanese Midwifery
© Japanese Midwives' Association 2002
© für die deutsche Übersetzung: Silvia Skolik
The Japanese Midwives' Association
Hebammen International - Berufsorganisationen und Initiativen
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