Hebammen-Forum
Editorial November 2001

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"Preserve your Love-Channel - Take a CaesarEan"

Verführerische Anweisungen wie diese schwappen aus den USA zu uns herüber. Doch warum in die Ferne schweifen! Auch hierzulande können Sie immer öfter ähnliche gut gemeinte Ratschläge erhaschen. Bei einer Podiumsdiskussion zum Wunschkaiserschnitt beim letzten Perinatalkongress in Berlin wurden zunächst, sozusagen zum "Aufwärmen", schockierende Dias gezeigt von zerstörten Beckenböden aller Art nach vaginalen Geburten (die dazugehörenden Geburtsverläufe waren nur sehr ungenau beschrieben), um dann allen Anwesenden einen bestechend einfachen Ausweg aus diesem schicksalhaften Zusammenhang von vaginaler Geburt und Beckenbodenschaden auf dem Silbertablett zu servieren: "Der Kaiserschnitt, als lediglich eine kurze Unterbrechung im Leben einer Frau". Alle Diskutierenden bemühten sich nach Kräften, die großen Gefahren der vaginalen Geburt für den weiblichen Beckenboden in grellen Farben zu schildern und die Risiken des Kaiserschnitts schönzureden, sie nahezu gleichzusetzen mit den Risiken einer vaginalen Geburt.

Ähnliche Bemühungen stecken hinter vielen Artikeln, auch renommierter Zeitungen, oder auch Studien über Harn- und Stuhlinkontinenz, die nur sehr ungenau oder gar nicht wesentliche Zusammenhänge beleuchten, wie Management der Geburt, Atemtechniken (Pressen oder Schieben), Gebärpositionen, Länge der Geburtsphase, primärer Dammschnitt ja oder nein, Qualität der Naht-Versorgung und anderes.

Es kommt mir so vor, als ob der weibliche Beckenboden, ein Ort der Kraft, der Lust und der Liebe, ein Ort der in dichtem Zusammenhang steht mit unserer Psyche, unserem Wohlergehen, als ob dieser Ort heute mehr und mehr missbraucht, ja - instrumentalisiert wird, um Ziele zu erreichen, die mit ihm direkt gar nichts zu tun haben. Das macht Frauen nicht stärker!

Eine englische Studie findet heraus, dass bis zu vier Monaten nach der Geburt nur sechs Prozent der Frauen ohne gesundheitliche Probleme sind. Vorherrschend ist neben Depressionen, Rückenschmerzen, Anämie und Obstipation die Stressinkontinenz während Schwangerschaft und Geburt. Sie stellt auch fest, dass Frauen oft nicht darüber sprechen, weder mit dem Partner noch mit den betreuenden Hebammen/Personal, weil Inkontinenz in allen Altersbereichen noch immer ein Tabuthema ist.

Eine große Zahl von Frauen würde davon profitieren, wenn sich unser Umgang mit diesem Thema verändern würde - wenn Frauen schon während der Schwangerschaft über diese mögliche Begleiterscheinung gut informiert wären, wenn sie wüssten, dass es gute Therapiemöglichkeiten gibt, wenn es ein Nachsorgesystem auch jenseits des Wochenbetts gäbe, das anhaltende Inkontinenz entdecken kann. Wir Hebammen sollten regelmäßig im Rahmen der Anamnese gezielt Fragen stellen, um Frauen mit diesem Problem nicht alleine zu lassen. Zum sorgfältigen Umgang mit dem jeweiligen Zustand des Beckenbodens und damit dem Befinden der Frauen gehört neben der sensiblen Kursarbeit nach der Geburt auch gezieltes und aufmerksames Nachfragen nach tabuisierten Themen und ihren Symptomen.

Mit einem Kaiserschnitt zu verhindern, dass der Beckenboden in Mitleidenschaft gezogen wird, ist keine Kunst, wie auch viele Interventionen der so genannten Geburtsmedizin keine Kunst sind. Eine Begleitung durch Schwangerschaft und Geburt allerdings, die die Frau und ihre Geburtsarbeit so unterstützt, dass sie samt ihrem Kind so kraftvoll und intakt wie möglich aus der Geburt hervorgeht, ist Geburtshilfe im besten Sinne und gleichzeitig verantwortungsvolle Präventionsarbeit!
Der Love-Channel wird's danken!

Ihre
Magdalene Weiß

Magdalene Weiß ist Präsidentin des BDH Bund Deutscher Hebammen
http://www.bdh.de

Quelle:
Hebammen-Forum
http://www.hebammen-forum.de/
Nov. 2001

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