Hebammen in den Niederlanden
Die Fachfrau für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

Anlässlich der Hebammenkonferenz "International Midwifery Today" 2001 in Paris berichtete Mary C. Zwart über die Geschichte der Hebammen in den Niederlanden. Der ursprüngliche Artikel "Midwives in the Netherlands" von Mary C. Zwart, Hebamme in Holland, erschien in 'Midwifery Today':

"Bereits im 15. Jahrhundert gab es in unserem Land eine Gesetzgebung für Hebammen und andere Heilberufe aus dem medizinischen Bereich. Die Hebamme war dabei immer in dieses System integriert.

Im 15. Jahrhundert waren die Städte verantwortlich für die Gesetzgebung. Die früheste heute bekannte Stadt ist Dordrecht in Holland. Später wurde die Autorität der Legislative den Provinzen übertragen, im Jahre 1883 übernahm die nationale Regierung der Niederlande diese Aufgabe.

Bis 1865 war es möglich, sich als Spezialist registrieren zu lassen, wie beispielsweise als Chirurg, "Medizinmann/-frau" (später Apotheker/in) oder auch als Hebamme. Ab 1865 schuf die neue Gesetzgebung unter Thorbeck den Begriff des Allgemeinarztes. Der Allgemeinarzt übernahm von nun an die Rolle von verschiedenen Berufsgruppen im Gesundheitswesen. Nur Hebammen und Apotheker konnten sich ihre Rechte erhalten. Später wurde der Zahnarzt etabliert. Durch die akademische Ausbildung gab es bald auch mehr und mehr Spezialisten unter den Ärzten. Eine akademische Ausbildung gab es allerdings nicht für Hebammen.

Hebammen erhielten ihre Ausbildung in einer separaten Schule, zwar in Kooperation mit der Universität, aber es gab keine Hebammen-Fakultät. Die Lehrer waren die selben wie für die Medizinerausbildung. Das war so bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Danach bekamen die Hebammen ihre eigenen Lehrer, wie Prof. Kloostermann; er begann an der Schule für Hebammen und ging erst anschliessend zur Universität.

Die Hebamme war befugt, nach den damals bekannten Standards in der Geburtshilfe die gesamte Betreuung der Schwangeren vor, während und nach der Geburt eigenverantwortlich durchzuführen. Ausgenommen war lediglich der Einsatz von medizinischem Instrumentarium zur Extraktion des Babys unter der Geburt.

Berücksicht man aber, dass viele Hebammen ausserhalb der Städte in Gegenden arbeiteten, wo es zwei oder mehr Stunden dauern konnte, um einen Allgemeinarzt hinzuzuziehen (und dieser dann oftmals gar nicht in der Lage war, zu helfen), so wird verständlich, dass Hebammen auch die Geburtszange zur Geburtshilfe einsetzten.

Professionalität und neue Wege in der medizinischen Behandlung wurden in der Gesetzgebung immer auch durch Hebammen reflektiert. Ihre Aufgaben und ihr Verantwortungsbereich vergrösserte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts.

Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass Hebammen immer Mitglieder der medizinischen Legislative waren. Die Hebamme ist immer berechtigt gewesen, ihre eigenen Belange im Rahmen der berufsmässigen Verantwortlichkeit zu handhaben und zu vertreten. Dies stellt eine einmalige Kombination dar zwischen sozialer und medizinischer Betreuung und Begleitung von und für Frauen. Der Verantwortungs- und Arbeitsbereich der Hebammen lag dabei ausserhalb des Krankenhausbetriebes.

Mehr als ein Jahrhundert nach dieser Gesetzgebung unter Thorbeck wurde das alte Gesetz 1995 abgelöst durch das Gesetz für die individuellen Heilberufe (Versorgung im Gesundheitswesen). Und einmal wieder wurde die Hebamme als DIE Fachfrau für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett anerkannt und es wurde ihr weiterhin zugestanden, Geburten so oft und so viel wie möglich ausserhalb von Kliniken durchzuführen."

Quelle:
ACDM American College of Domiciliary Midwives
www.goodnewsnet.org

Aus dem Englischen,
übersetzt von Silvia Skolik, 2003

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