Familienleben: Kind da, Lebensfreude weg

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Warum geraten manche Paare nach der Geburt eines Kindes in eine Lebenskrise - und was kann man dagegen tun?

von Koni Rohner

«Seit wir ein Kind haben, verliere ich immer mehr Lebensfreude und fühle mich zunehmend leer. Meinem Partner geht es offenbar ebenso, und er hat sogar eine Trennung vorgeschlagen. Das hat mich sehr erschreckt. Wieso sind wir in eine Krise geraten? Wie haben denn damals unsere Eltern solche Situationen gemeistert?» Astrid A.

Koni Rohner, Psychologe FSP:
Die Zeiten haben sich geändert. Der Druck auf die Familie war noch nie so gross wie heute. Die tragische Spitze des Eisbergs sind mit Gewalt verbundene Familiendramen, wie wir sie aus den Medien in den letzten Monaten immer wieder vernehmen mussten. Viele Eltern sind überfordert und frustriert. Ein psychologisches Gesetz besagt, dass Frustrationen zu Aggressionen führen, zu Depressionen oder zu Fluchtimpulsen. Die letzten beiden Reaktionen sind in der Partnerschaft von Astrid A. offenbar eingetreten. Sicher gibt es dafür in jeder Familie spezielle und individuelle Gründe, die man in einer Psychotherapie aufarbeiten kann. Ebenso gewiss bestehen aber gesellschaftliche Ursachen, die alle modernen Familien belasten. Es gibt Rezepte, die den Druck verringern können.

Seit meiner Kinderzeit ist die Welt wesentlich härter geworden. Die Konkurrenz hat die Belastung im Beruf massiv erhöht. Der Arbeitsplatz kann jederzeit einem Rationalisierungs- oder Konzentrationsprozess zum Opfer fallen. Im Haus wird die Belastung durch die Erziehungsaufgabe unterschätzt. Die Kinder sind durch den Einfluss der Medien, den Leistungsdruck in der Schule, den Konsumzwang in der Gruppe der Gleichaltrigen immer unruhiger und aggressiver geworden. Obwohl das Familienleben schwieriger geworden ist, sind die Ansprüche nicht gesunken. Im Gegenteil: Gerade weil draussen in der Welt der Wind schärfer weht, erwartet man, dass einen die Familie für alle Entbehrungen entschädigt. Hier soll man sich regenerieren können, sich geborgen fühlen, Frieden finden und Spass haben. Durch wunderschöne TV-Werbespots wird diese Illusion täglich genährt. Kommt noch dazu, dass wir nicht mehr damit zufrieden sind, Teil einer funktionierenden Familie zu sein. Neben glücklichen Kindern wünschen wir uns auch ein aufregendes Liebesleben und eine romantische Beziehung zum Partner, zur Partnerin. Derart hohe Erwartungen führen in der Konfrontation mit dem Alltag notgedrungen zu Enttäuschungen, die zusammen mit dem objektiven Druck die Krise der Kleinfamilie verursacht haben.

Was ist zu tun?

Quelle:
Beobachter Nr. 7/02 vom 05.04.2002
http://www.beobachter.ch

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