Pressemitteilung des AKF® vom 10./11.November 2002

Mädchen hungern, Frauen schlucken Pillen - Männer saufen
AKF® fordert frauenspezifische Prävention & Therapie

Der Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. (AKF®) veranstaltete vom 09. bis zum 10. November 2002 in der Kasseler Habichtswaldklinik in Kassel - Wilhelmshöhe unter dem Motto "Tüchtig und Süchtig" seine 9. Jahrestagung zum Thema Frauen, Sucht und Essstörungen.

Die rund 300 TeilnehmerInnen der Jahrestagung forderten eine stärkere Sensibilisierung für die Suchproblematik bei Frauen, eine bessere Versorgung und Behandlung von süchtigen Frauen in stationären und ambulanten Einrichtungen sowie verstärkte Forschung in Bezug auf die Wirksamkeit geschlechtsspezifischer Behandlungsverfahren. Die erste Vorsitzende des AKF, die Frauenärztin Dr. Claudia Schumann, sagte: "Frauen sind anders essgestört und anders süchtig - deshalb muss man mit ihnen auch anders umgehen. Wir brauchen in Deutschland zur Prävention z.B. einen "Gipfel gegen den Schlankheitswahn" nach internationalem Vorbild sowie den Beitritt der Bundesrepublik zum "Aktionsbündnis gegen die Zigarettenwerbung."

Fest steht: Männer sind rein statistisch betrachtet grundsätzlich stärker suchtgefährdet als Frauen, auch wenn der Anteil der Frauen mit Alkoholproblemen kontinuierlich gestiegen ist. Auch von illegalen Drogen sind Männer stärker abhängig. Die Frauen hingegen bevorzugen die sog. "stille" Sucht nach Medikamenten, hier sind 2/3 aller Abhängigen weiblich. Kaum geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es bei Zigaretten. Erschreckend ist vor allem die Zunahme von Essstörungen aufgrund des herrschenden Diätenwahns, der dazu geführt hat, dass inzwischen 90% aller Magersüchtigen weiblich sind und schon 9-jährige sich mit Diäten quälen.

Die Gründe dafür liegen u.a. im anderen, geschlechtspezifischen Umgang mit Problemen. Darauf nehmen Prävention, Beratung und Therapie bisher noch viel zu wenig Rücksicht. Es gibt zu wenig geschlechtssensible Ansätze, z.B. auch in der Schule. Dies wird vor allem beim Rauchen deutlich, denn der Prävention ist es bisher nicht gelungen, Mädchen und junge Frauen davon zu überzeugen, nicht mit dem Rauchen anzufangen. Weil nur 15% aller Therapieangebote im Suchtbereich spezifisch auf Frauen ausgerichtet sind, werden Themen wie sexueller Missbrauch und traumatisierende Gewalterfahrungen als Ursache von Sucht zu wenig berücksichtigt. Die Mitbetreuung von Kindern bei stationärer Behandlung ist eine Rarität - obwohl 30% der alkohol- und drogenabhängigen Frauen alleinerziehende Mütter sind.

Seit seiner Gründung vor mehr als acht Jahren setzt sich der AKF® kritisch-konstruktiv und geschlechtsdifferenziert mit der Gesundheitsversorgung von Frauen auseinander und will Frauen befähigen, gut informierte Entscheidungen bei ihrer Gesundheit zu treffen. Die Jahrestagung hat gezeigt, dass dies auch in Bezug auf die Suchtgefährdung von Frauen dringend notwendig ist.

Pressekontakt:
Gundel Köbke
Tel./Fax 030 - 8868 37 48/- 49 + 0170-551 80 55


AKF® e.V.
Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft
Knochenhauerstr. 20-25
28195 Bremen
http://www.akf-info.de

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