"Mein kleines Kind"
Ein persönlicher Dokumentarfilm von Katja Baumgarten,
Kamera: Gisela Tuchtenhagen


"Sie müssen entscheiden!", sagt der Facharzt für Pränataldiagnostik nach einer Ultraschalluntersuchung zu der Hebamme und Filmemacherin Katja Baumgarten - ihr ungeborenes Kind hat schwerste Entwicklungsstörungen.

Sie hat die Entscheidung zu treffen: Muss ihr Kind in den kommenden Tagen durch eine vorzeitige Geburtseinleitung sterben oder wird es nach einer zeitgerechten Geburt sein kurzes Leben auf einer Kinderintensivstation verbringen? Im Bauch strampelt das Ungeborene seit einigen Wochen spürbar.

Obwohl in diesem Fall ein Schwangerschaftsabbruch die übliche Lösung wäre, entschließt sich die Mutter von drei weiteren Kindern ihren Sohn zu Hause zur Welt zu bringen - mit dem Rückhalt ihrer Geburtshelfer. Dreieinhalb Stunden lang lebt Martin in ihren Armen - seine Familie, vor allem seine drei Geschwister sind bei ihm.

In Zusammenarbeit mit ihrer Freundin, der Kamerafrau Gisela Tuchtenhagen, dokumentiert Katja Baumgarten Momente von der Not der Entscheidung bis zur Geburt und dem friedvollen Abschied ihres Sohnes.

Der autobiografische Dokumentarfilm weist über das Persönliche hinaus: nicht nur als betroffene Mutter, auch als Hebamme und künstlerisch ausgebildete Filmemacherin bearbeitet Katja Baumgarten die existentiellen Fragen, die diese Lebenskrise aufwirft. Es sind Fragen, die in der Gesellschaft, in unserer Lebenskultur ungelöst bleiben. Ihr persönlicher Film gibt Anregungen in der Diskussion um grundlegende Lebenswerte, die meist von professionellen Ethik-Experten, weniger aus der Lebenserfahrung geführt wird.

Selbst in Fachkreisen wird das Tabu aufrechterhalten: es gibt in Deutschland keine offiziellen Zahlen darüber, wie viele Kinder jährlich aufgrund ihrer Behinderung durch eine vorzeitig eingeleitete Geburt, beziehungsweise durch eine gezielte tödliche Injektion ins Herz sterben. Zum Schutz der Gesundheit der Mutter gesetzlich erlaubt, wird die existentielle Entscheidung über Leben und Tod des ungeborenen Kindes im medizinischen Alltag schnell gefordert und selten hinterfragt. Die "Wahlmöglichkeit" transportiert für die betroffene Mutter außerdem eine unausgesprochene Botschaft: "Wenn Du irgendwann den unkalkulierbaren Aufgaben nicht gewachsen bist, die dein krankes Kind dir eines Tages stellen könnte - hast du selbst Schuld!"

Die Welturaufführung dieses Dokumentarfilms fand 2002 zur Berlinale statt. Nicht nur auf internationalen Filmfestivals, auch auf Kongressen wie dem "Internationalen Kongress für Embryologie, Therapie und Gesellschaft" in Nijmegen, dem "Deutschen Hebammenkongress" in Dresden und dem "Welt-Hebammen-Kongress" in Wien wurde "MEIN KLEINES KIND" vom Fachpublikum viel diskutiert. Das Goethe-Institut hat den Film kürzlich in St. Petersburg in der Eremitage gezeigt. Jetzt kommt er ins Kino.

Veranstaltungsdaten


"Mein kleines Kind"
Ein persönlicher Dokumentarfilm von Katja Baumgarten,
Kamera: Gisela Tuchtenhagen
DV -> 35mm-Film | 88 Minuten, Deutschland 2001/2002
(auch als VHS-Video: ISBN 3-00-007961-0)
Weitere Informationen: http://www.MeinkleinesKind.de

viktoria11.de
DOKUMENTARFILM
Katja Baumgarten
D - 30451Hannover
Viktoriastrasse 11

e-mail: film@viktoria11.de
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Febr. 2003

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