Offener Brief eines betroffenen Vaters zum Plötzlichen Kindstod (SIDS)


Dienstag, 4. April 2002

Offener Brief

An die Bundesregierung und die Ministerien für Gesundheit, Familie, Bildung, Forschung
An die Medizin, Ärzteverbände, Forschungsinstitute, Hilfsvereinigungen
An die Presse, Tageszeitungen, Magazine, Fachjournale
An alle engagierten Aufklärer, Baby-Informationsdienste, Online-Dienste
An alle die glauben, einen Teil zur Verbreitung von wichtigen Informationen beitragen zu können

Betr: plötzlicher Kindstod / sudden infant death (SID)


Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren,


mit diesem Schreiben wende ich mich an Sie mit einem sehr ernsten und
wichtigem Thema, daher bitte ich Sie, sich die fünf Minuten Zeit zu nehmen
und diesen Brief bis zum Ende zu lesen.

Es geht, sie haben es bereits gelesen, um den plötzlichen Kindstod (SID).
SID ist nach neuen wissenschaftlichen Untersuchungen in Deutschland noch
immer die häufigste "Todesursache" jenseits des Neugeborenenalters (vgl.
DAKJ-Studie 11/2000, s.u.). Grund genug, um sich zu fragen, warum die SID-Rate in anderen Ländern deutlich niedriger ist.

Ich selbst bin ein Betroffener, mein einziger Sohn Nicolas starb im Januar
2002 völlig überraschend abends in seinem Bettchen im Alter von 22 Monaten.

Obgleich meine Frau und ich sehr wissensbegierig waren und alles "richtig"
machen wollten, haben wir wesentliche Fakten zur Vermeidung des Kindstodes erst nach diesem tragischen Todesfall und unserer Auseinandersetzung damit erfahren. Nicht wir, sondern die Aufklärung hatte versagt.

Das Anliegen dieses Briefes ist es daher, Sie alle, die Sie vielleicht über
Möglichkeiten verfügen, zur Aufklärung der breiten Bevölkerung einen Teil
beizutragen, darum zu bitten, dieses zu tun.

Noch immer gibt es sehr viele Eltern (ich behaupte über 80%), die nicht
ausreichend aufgeklärt sind, aber glauben, alles richtig zu machen.
Auf der anderen Seite gibt es sehr viele Studien, wissenschaftlich
belegbare Fakten, Empfehlungen zur Vermeidung des Kindstodes, u.s.w.

Mein Wunsch wäre es, dass dieser Brief nicht verpufft wie eine Seifenblase,
sondern einen Prozess auslöst. Ich erachte Kinder als das wichtigste und schützenswerteste in dieser Welt, und würde mich persönlich sehr freuen, wenn Sie ebenso denken und einen kleinen Teil zur Aufklärung beitragen und damit vielleicht viele Kinderleben retten könnten.

Meine Vision ist eigentlich sehr, sehr einfach:

Es sollten Plakate mit den wissenschaftlich belegbaren Fakten
(Empfehlungen) sowie Quellangaben für weitere Informationen (z.B. eine
Internetadresse) hergestellt und aufgehängt werden. Diese Plakate sollten
hängen:
- bei allen Kinderärzten in Deutschland,
- auf allen Entbindungsstationen in Deutschland,
- bei allen Hebammenpraxen in Deutschland.

Ausserdem sollten in den "wichtigen" Baby-Zeitschriften, Eltern-Magazinen,
etc. regelmäßig diese Empfehlungen abgedruckt werden, einmal reicht da bei
weitem nicht.

Leider kostet eine solche Aufklärungskampagne Geld, und ich bin weder
zeitlich, logistisch, wissensmäßig noch finanziell in der Lage eine
derartige Kampagne auf die Beine zu stellen. Aber vielleicht reicht ja
dieser Anstoß, letztendlich muss nur ein einziger Mensch (der"richtige"),
eine entsprechende Entscheidung fällen, und vielleicht kennen Sie diesen
Menschen oder sind es sogar selbst.

Ich hoffe, Sie haben nun zumindest soviel Neugierde entwickelt, dass Sie
diesen Brief nicht gleich wegwerfen, sondern Interesse für mein Anliegen
entwickeln, sofern Sie es nicht ohnehin schon hatten.

Für weitere Informationen zu dem Thema SID habe ich Ihnen ein paar Weblinks zusammengestellt. Ich muss darauf hinweisen, dass ich jede Verantwortung für Inhalt, Richtigkeit und Vollständigkeit der angegebenen Internet-Links ablehnen muss.

Ich bitte um Nachsicht, falls ich jemanden bei der Verteilung dieses
Schreibens übergangen haben sollte, der z.B. in der SID-Forschung oder
Aufklärung eine wesentliche Rolle spielt. Ich hoffe, dass Sie Ihrerseits
dieses Schreiben weiterverbreiten.

Ich möchte von einer "Unterschriftenaktion" oder "Kettenbriefen" absehen,
da ich denke, dass viele Eltern das Thema Tod wie aus einer Schutzfunktion
heraus negieren würden.

Stattdessen appeliere ich nochmals an Sie, zu bedenken, dass die
Kindstodrate in Deutschland immer noch zu hoch ist, und dass SID noch immer die "häufigste 'Todesursache' jenseits des Neugeborenenalters" ist.
Dies gilt es zu ändern, und das mit einem relativ geringem und finanziell
für jede Regierung vertretbarem Aufwand.

Wenn es Ihnen möglich ist, entsprechend hochrangige Persönlichkeiten der
Forschung, Öffentlichkeit, Politik, Verbandswesen, Medien, etc. dazu zu
bewegen, dieses Anliegen mit zu tragen, wäre dies schon ein wichtiger
Schritt. Zögern Sie nicht, ebenfalls einen (offenen) Brief an die Regierung
bzw. die zuständigen Ministerien zu schicken.

Ich bitte um Verständnis dafür, dass weder meine Frau noch ich selbst in
der Öffentlichkeit in Erscheinung treten möchten, da wir beide noch immer
sehr unter dem Verlust unseres einzigen Kindes leiden. Insbesondere die
angeschriebenen Medien bitte ich daher, von Artikeln mit Nennung unserer
Namen, Interviews, etc. abzusehen. Bitte respektieren Sie unseren Wunsch
und versuchen Sie dennoch Ihr möglichstes.

Nachfolgend die von mir bereits angesprochenen Internetlinks für weitere
Informationen:

http://www.schlaud.de/geps
http://www.geps-online.de/
http://www.schlaud.de/geps/akademie.pdf
(Stellungnahme Dt. Akademie f. Kinderheilkunde u. Jugendmed.)
http://www.sids-studie.de
http://www.schlafumgebung.de
(sehr ausführliche Broschüre mit m.E. guten Informationen für Eltern)


Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit, Ihr Interesse und hoffentlich
auch Ihren kleinen Beitrag, den Sie leisten können bzw. vielleicht schon
geleistet haben.

Hochachtungsvoll,

Jürgen Schmid, Darmstadt


P.S. Es würde mich freuen, wenn Sie mich über Ihre Aktivitäten aufgrund
dieses Schreibens informieren.

Jürgen Schmid
Riedlingerstr. 21
64283 Darmstadt
Email: js-@gmx.de
http://mitglied.lycos.de/juergen_schmid/baby1.htm

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