Telemedizin soll in Zukunft das Risiko der Erblindung von frühgeborenen Babys minimieren.
Etwa jedes 7. Baby in Deutschland wird zu früh geboren. Frühgeborene haben ein erhebliches Risiko zu erblinden oder dauerhaft sehbehindert zu werden. Ursache ist die sog. Frügeborenen-Retinopathie (Gefahr der Netzhautablösung). Die bisher eingesetzten Früherkennungsmassnahmen sind oft nicht ausreichend, um alle Kinder rechtzeitig und fachmännisch behandeln zu können. Der Einsatz von Lasertherapie zu einem frühestmöglichen Zeitpunkt könnte vielen Kindern Blindheit ersparen.
Mit einem telemedizinischen Pilotprojekt tragen Wissenschaftler der Uni Regensburg nun dazu bei, die Gefahr rechtzeitig zu erkennen, um eine frühzeitige Behandlung möglich zu machen.
An der Studie nehmen 5 Kliniken und mehrere niedergelassene Augenärzte in Bayern teil. Sie sind über Kameras mit dem Zentrum in Regensburg (Klinik für Augenheilkunde, Abt. für Kinderophthalmologie, Strabismologie und Ophthalmogenetik) verbunden.
Die Studie soll auch Auskunft darüber geben, ob dieses neue Screening-Verfahren für den bundesweiten Einsatz geeignet ist.
Infos zur RetCam Studie - Modellprojekt
Verbesserte Früherkennung von Augenhintergrundveränderungen bei Frühgeborenen und Neugeborenen mit perinatalen Erkrankungen zur Verhütung schwerer Sehstörungen bis hin zur Blindheit und zur Optimierung neonatologischer und neuropädiatrischer Maßnahmen.
Leitung: Prof. Dr. B. Lorenz
Mitarbeiter: Dr. Heike Elflein
Problemstellung:
Die Frühgeborenen-Retinopathie (RPM) ist Hauptrisiko für eine bleibende Seheinschränkung bis hin zur Erblindung. Ohne Therapie beträgt das Risiko für eine Netzhautablösung mit nachfolgender Erblindung im Stadium 3+ ca. 50%, mit zeitgerechter Lasertherapie nur wenige Prozent. Die Erkennung und Beurteilung der kritischen Netzhautveränderungen erfordern ein hohes Maß an Erfahrung mit den typischen Merkmalen der RPM. Mit dem derzeitigen Screening-Programm werden nicht alle behandlungsbedürftigen Fälle rechtzeitig erkannt. Abhilfe erscheint durch den Einsatz eines neu entwickelten digitalen Weitwinkelkamerasystems möglich mit anschließender Übermittlung der Bilddaten via ISDN an ein zentrales Expertenzentrum1.
Ziel der Studie:
In dem Pilotprojekt wird das neue Screening-Verfahren in 5 Perinatalzentren Ost- und Nordbayerns und dem Reading Center an der Universität Regensburg bezüglich seiner Sensitivität, Spezifität, Kosten-Nutzen-Effizienz und seines Potentials bei der Entwicklung verbesserter Therapiekonzepte evaluiert. Ostbayern bietet sich wegen der beträchtlichen räumlichen Entfernung zwischen Perinatalzentren und Kompetenzzentrum besonders an. Aufgrund der früheren Erfahrungen ist zu erwarten, daß mehr Kinder als bisher im optimalen therapeutischen Fenster erfaßt werden, wobei der EDV-gestützte Datentransfer Voraussetzung für die zeitgerechte Behandlung ist, die gegebenenfalls innerhalb von 24 bis 48 Stunden erfolgen muß. Die Studie soll auch Auskunft darüber geben, ob das neue Screeningsystem generell für alle Perinatalzentren empfohlen werden kann.
Material und Methode:
Prospektive Multicenter-Studie. Die Studie soll über 3 Jahre laufen.
In derzeit 5 Perinatalzentren werden alle Frühgeborenen mit einem Risiko für eine RPM entsprechend den jüngsten Empfehlungen in der Literatur2 augenärztlich untersucht (siehe Einschlußkriterien). Dies entspricht ca. 250 bis 280 Kindern pro Jahr. Alle Untersuchungen erfolgen mittels einer digitalen Weitwinkelkamera (RetCam120) sowie vergleichend mittels konventioneller indirekter Ophthalmoskopie. Die Bilder werden lokal gespeichert und über 2 ISDN-Kanäle) an das Klinikum der Universität Regensburg übermittelt. Die personenbezogenen Daten werden anonymisiert via email oder per Fax verschickt. Die Daten werden mit Hilfe eines speziell dafür entwickelten bedienerfreundlichen Software-Programms analysiert. Der notwendige Datenschutz wird unter allen Umständen eingehalten. Die erste Untersuchung erfolgt in der 4.-6. Lebenswoche, jedoch nicht vor der 31. postmenstruellen Woche. Die 2. Untersuchung erfolgt bei unauffälligem Befund nach 2 Wochen, bei auffälligem Befund spätestens nach einer Woche. Die weiteren Untersuchungen erfolgen in Abhängigkeit von dem Befund und werden vom lokalen Augenarzt sowie dem Kompetenzzentrum festgelegt. Die Untersuchungen werden in den Perinatalzentren außerhalb von Regensburg von den bereits bisher vor Ort tätigen niedergelassenen Augenärzten durchgeführt. Die Kinder in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, St.Hedwig, Regensburg (Lehrkrankenhaus der Universität Regensburg) werden von Mitarbeitern der Abteilung für Kinderophthalmologie, Strabismologie und Ophthalmogenetik des Klinikums der Universität Regensburg untersucht. Dabei werden die konventionelle Funduskopie und das digitale Screening durch zwei unabhängige Untersucher durchgeführt. Den beiden Untersuchern ist das Ergebnis des jeweils anderen Untersucher nicht bekannt, so daß die Sensitivität und Spezifität der neuen Methode ermittelt werden können. Im Kompetenzzentrum werden die übermittelten Bilder analysiert. Dies erfolgt durch die Leiterin der Abteilung und die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiter unabhängig voneinander, um die individuelle Einschätzung der Befunde zu evaluieren. Das weitere Vorgehen wird in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Auswertung festgelegt.
Einschlußkriterien:
Untersucht werden alle Frühgeborenen mit einem Gestationsalter unter 32 Wochen bzw. einem Geburtsgewicht <1500 g bzw. Frühgeborene zwischen 32 und 36 Wochen Gestationsalter, die postnatal länger als 3 Tage Sauerstoff erhalten haben.
Ethikkomission:
Die Ethikkommission des Klinikums der Universität Regensburg hat für die Studie ein positives Votum abgegeben (00/190). Die Untersuchungen erfolgen entsprechend den Empfehlungen des Weltärztebundes (revidierte Deklaration von Helsinki, 1989). Die Eltern / Erziehungsberechtigten werden mit einem Aufklärungsbogen informiert. Sie dokumentieren ihr Einverständnis in einem Einverständnisbogen. Ein Exemplar des Aufklärungsbogens wird den Eltern / Erziehungsberechtigten ausgehändigt.
Stand der Studie:
Die 5 Kamerasysteme wurden Ende Januar 2001 in den 5 beteiligten Perinatalzentren in Betrieb genommen. Von Februar 2001 bis Ende Juli 2001 wurden 110 Kinder mit dem digitalen Kamerasystem untersucht.
Förderung:
Bayerische Landesstiftung, Bayerische Sparkassenstiftung,
DFG LO 457/4-1,2
Teilnehmer an der Studie:
Studienzentrum und Reading-Center:
Abteilung für Kinderophthalmologie, Strabismologie und Ophthalmogenetik
Klinikum der Universität Regensburg
Franz-Josef-Strauss-Allee 11, 93053 Regensburg
Prof. Dr. med. Birgit Lorenz (Projektleiterin),
Dr. med. Heike Elflein,
Dr. rer. medic. Markus Preising,
Dr. med. Erika Wegscheider,
Assistenzärzte der Abteilung
Kinderkliniken:
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin St. Hedwig Regensburg
(Chefarzt: Prof. Dr. med. H. Segerer) 93049 Regensburg
Kinderklinik Deggendorf
(Chefarzt: Dr. med. H. Arends), 94469 Deggendorf
Kinderklinik Dritter Orden Passau
(Chefarzt: Prof. Dr. med. F. Staudt), 94032 Passau
Kinderklinik Weiden
(Chefarzt: Dr. med. Lachmann), 92637 Weiden
Kinderklinik Bayreuth
(Chefarzt: Prof. Dr. med. Wündisch), 95445 Bayreuth
Niedergelassene Augenärzte:
Dr. med. C. von Düring, 94032 Passau
Drs. U. und N. Demmler, 94032 Passau
Dr. med. M. Kranewitter, 94469 Deggendorf
Dr. med. D. Lux, 92637 Weiden
PD Dr. Wolfgang Schrems, 95444 Bayreuth
Software-Entwicklung:
Bayerisches Forschungszentrum für Wissensbasierte Systeme (ForWiss)
Universität Passau, 94032 Passau
Dr. Erich Fuchs, Sabine Augustin
Literatur
(1) Lorenz,B., Bock,M., Müller,H.M., Massie,N.A. (1999) Telemedicine based screening of infants at risk for retinopathy of prematurity. Stud.Health Technol.Inform. 64:155-63: 155-163.
(2) Clemens,S., Eckardt,C., Gerding,H., Grote,A., Jandeck,C., Kellner,U., Lorenz,B., Petersen,J., Seiberth,V., Stark,N., Ulbig,M.W., Zubcov,A., Jorch,G., Pohlandt,F. (1999) Augenärztliche Screening-Untersuchung von Frühgeborenen. Ophthalmologe. 96 (4): 257-263.
Quelle:
Uni Regensburg
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde
Direktor: Prof. Dr. V.-P. Gabel
Abteilung für Kinderophthalmologie, Strabismologie und Ophthalmogenetik
Leiterin: Prof. Dr. med. Birgit Lorenz
http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/Medizin/Paedopht/projekte.html
November 2001
zurück
|
|
|
© 2000-2010 Geburtskanal ™
Impressum Aktualisiert: 12.04.2012 webmaster@geburtskanal.de |
|
|
Aktuelles Artikel Kurzmeldungen Gesundheit Unterhaltsames Aufgelesen Veranstaltungen Archiv |
|
Wissen A-Z Umfassende Wissensbasis zu Familienplanung, Schwangerschaft, Geburt und Leben mit Kindern |
|
Hot News Brandaktuelles In eigener Sache Newsletter ...und mehr |
|
Suchen & Finden im unserem Fachleute-Verzeichnis: Hebammen, -praxen Geburtshäuser Fachärzte/-innen Kliniken und Institutionen ExpertInnen der Frauen- und Familiengesundheit Organisationen und BeraterInnen Selbsthilfegruppen ...und mehr |
|
Literatur Themenspezifische Bücherlisten Buchbesprechungen Neue Bücher Unsere Buch-Tips Aktuelle Fachliteratur Besonderes J |
|
Pinnwand Kontakte Marktplatz Tauschbörse Geburtsanzeigen ... kostenlos inserieren |
|
Bildergalerie Kinder der Welt Wie Leben entsteht Fotokunst Malerei Eindrücke Abbildungen ... und mehr |
|
Bequem Einkaufen Online Shops Neue Produkte Besondere Angebote Unsere Empfehlungen Anbieter-Verzeichnis |
|
Über uns Impressum Unsere Zielsetzung Mitmachen ? Service - Kontakt Kooperationen Werbung - Statistik Rechtliches |
|
Links Linksammlungen zu verschiedenen Themenbereichen |