Vorbildlich
Das Modell Geburtshaus Nussdorf

[…]

"Im Mai 1986 wurde mit dem Geburtshaus Nussdorf das erste Geburtshaus Europas eröffnet.

Es wurde zum Vorbild für viele spätere.

Das Geburtshaus Nussdorf verfügt über die Geburtstechnologie eines modernen Krankenhauses, mit dem Unterschied, dass die Geräte im Hintergrund bleiben.

In fünfzehn Jahren kamen in Nussdorf mehr als 3000 Kinder zur Welt. Sie wurden und werden liebevoll empfangen. Mit Musik und brennenden Kerzen."

Betreute Schwangerschaften vom 3.5.1986 bis 31.12.2001: 3355
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Quelle:
Geburtshaus Nussdorf
http://www.geburtshaus-nussdorf.at
2002



Aus einem Brief an das Team des Geburtshauses Nussdorf:


Nussdorf ist überall - von wegen!
Bericht von Katinka

Im Gespräch mit werdenden Müttern ist mir in letzter Zeit immer wieder eines aufgefallen: immer wenn ich von meinen wunderschönen Erfahrungen im Geburtshaus Nussdorf erzählt habe, meinten die Mütter in spe, die sich bereits in Spitälern über die Möglichkeiten vor, während und nach der Geburt informiert hatten, sinngemäß Folgendes: "Ja, das habe ich doch im Spital alles auch!"
Seit der Geburt meiner Tochter im September 2000 ist mir klar, dass die meisten dieser Frauen einfach nicht die leiseste Ahnung davon haben, wie unrichtig diese Aussage ist! Wer Nussdorf nicht kennt, weiß ja nicht, wie sehr sich das Geburtshaus von einem Spital unterscheidet!
Besonders bewusst geworden sind mir die gravierenden Unterschiede wieder, als mich eine Freundin einlud, bei der Geburt ihrer Tochter im September 2001 in einer Klinik in Berlin dabei zu sein.
Um diese Aussage zu verdeutlichen, möchte ich hier versuchen, die beiden Geburten zu schildern:

Geburt meiner Tochter im Geburtshaus Nussdorf
Nachdem wir schon lange vor dem errechneten Geburtstermin immer wieder bei Vorträgen im Geburtshaus gewesen waren, begannen in der 28. Schwangerschaftswoche die sogenannten Hebammensprechstunden. Mein Mann und ich hatten von da an die Möglichkeit "unsere" beiden Hebammen kennen zu lernen, unsere Fragen, Ängste und Nöte mit ihnen zu besprechen, mit ihnen zu lachen und zu scherzen. Außerdem hatten wir die Gewissheit, eine der beiden rund um die Uhr erreichen zu können. Wir fühlten uns schon vor der Geburt geborgen und gut betreut und dadurch auch sicher, obwohl es unser erstes Kind war. Als schließlich die ersten Wehen begannen, blieben wir ruhig, erinnerten uns an all das was wir gehört hatten und beschlossen, uns noch eine Weile hinzulegen um Kraft zu sammeln für das, was uns erwarten würde. Einige Stunden später hielten wir es zu Hause nicht mehr aus und riefen die diensthabende Hebamme, Beate, an. Sie hörte sich meine Schilderung über den Verlauf der Wehen an und meinte daraufhin: "Na, dann kommt mal vorbei...!"
In Nussdorf angekommen, sahen wir, dass schon zwei andere werdende Mütter und Väter im Garten saßen. Nachdem Beate mich untersucht hatte, und festgestellt hatte, dass es dem Baby prächtig geht und der Muttermund auch schon recht weit offen war, gab es ein Problem zu lösen, dass sich in Nussdorf - glaube ich - bis dahin recht selten gestellt hatte: es waren drei Frauen mit Wehen im Haus, aber ein Team besteht ja "nur" aus zwei Hebammen! Glücklicherweise kannte ich die dritte anwesende Hebamme, Johanna, von meinen beiden Babysitterkindern, und hatte daher nach kurzer Überlegung und Schrecksekunde nichts dagegen, dass sie mich betreuen würde.
An die einzelnen Phasen der Geburt kann ich mich gar nicht mehr so genau erinnern; zu groß war meine innere Konzentration auf mein Kind und unsere gemeinsame Arbeit, aber ich weiß noch, dass Johanna immer da war, mit einer unglaublich unterstützenden Art: nie aufdringlich, nie im Weg und eben trotzdem immer da! Sie suchte unentwegt nach Möglichkeiten, mir die Schmerzen zu erleichtern und kam dabei auf tolle Ideen: ich hatte mir es sehr angenehm vorgestellt, in der warmen Badewanne zu liegen, aber als es dann soweit war, fehlte mir einfach der Boden unter den Füssen. Warmes Wasser, ja bitte, aber nur auf festem Boden...
Da kam Johanna auf die ausgefallene Idee, mich auf einen großen Gummiball zu setzen und mich warm ab zu duschen! Das hat unendlich gut getan!
Überhaupt hatte ich während der ganzen Geburt immer das Gefühl, es wird versucht, mir all meine Wünsche zu erfüllen und diese mit fachkundigem Wissen zu ergänzen!
Die nötigen medizinischen Maßnamen wie etwa das Hören der kindlichen Herztöne wurden so oft gemacht, wie Johanna das Gefühl hatte, es sei wichtig und nicht nach der Uhr!
Mein Mann unterstützte mich liebevoll mit all seiner Kraft, und er seinerseits wurde von Johanna angeleitet und unterstützt! Wir hatten alle Zeit dieser Welt, immer wieder wurden wir ermutigt und gelobt!
Als unsere Tochter dann schließlich auf der Welt war, durften wir die Freude darüber mit Johanna teilen! Unspektakulär und leise wurde ich versorgt, während mein Mann den Grundstein für seine tiefe Beziehung zu seiner Tochter legte, in dem er sie fest in seinem Arm hielt, sie willkommen hieß und sie bestaunte.
Dann kuschelten wir uns alle Drei in das große Bett und verbrachten eine wunderschöne erste gemeinsame Nacht!
Am nächsten Morgen holte mein Mann Frühstück für alle; für alle Hebammen und frischgebackenen Elternpaare, und das waren mittlerweile vier!
Unsere Kleine trank gut, und nachdem sie von einem Kinderarzt untersucht worden war, ging ich noch unter Johannas Aufsicht unter die Dusche, und dann traten wir als frisch gebackene Familie den Heimweg an!
In der nächsten Woche kam Johanna meistens einmal am Tag vorbei um nach uns zu sehen. Das fand ich besonders schön. Denn eigentlich hatte ich gedacht, dass eine der Hebammen aus dem ursprünglichen Team die Nachbetreuung übernehmen würde. Aber Johanna meinte, sie sei bei der Geburt dabei gewesen, also müsse sie doch wissen, wie es uns weiter ergeht!
Ich kann nur sagen, es geht uns prächtig; wir sind eine glückliche Familie, und der wunderbare Start in Nussdorf hat uns sicherlich viel geholfen auf dem nicht immer einfachen Weg dorthin. Wir freuen uns sehr darauf, im kommenden September auch unser zweites Kind auf diese unvergleichlich schöne Weise empfangen zu dürfen!

Geburt der Tochter meiner Freundin in einer Berliner Klinik
Nachdem mich eine Freundin aus Berlin im September 2001 eingeladen hatte bei der Geburt ihres ersten Kindes dabei zu sein, reiste ich rechzeitig vor dem errechneten Termin nach Berlin.
In langen intensiven Gesprächen erzählte ich meiner Freundin von den eindrücklichen Erlebnissen bei der Geburt meiner Tochter ein Jahr zuvor und erfuhr von meiner Freundin, dass die Klinik, die sie sich ausgesucht hatte einen sehr guten Ruf habe, dass man dort alles habe von der Badewanne, über das Geburtsrad bis hin zum Gebärhocker, und dass wir eingeladen seien, uns vorher gemeinsam die Räumlichkeiten anzusehen und die diensthabenden Hebammen kennen zu lernen, denn obwohl meine Freundin sich für eine ambulante Geburt entschieden hatte, war es nicht möglich, die betreuende Hebamme mit in die Klinik zu nehmen.
Als wir an einem der nächsten Tage aufbrachen um die versprochene Besichtigungstour an zu treten, erfuhren wir vor dem Kreissaal lediglich, dass der Moment jetzt sehr ungünstig sei, und auf unsere Frage, wann wir denn wieder kommen dürfen, hieß es sinngemäß: am besten erst dann, wenn die Wehen bereits eingesetzt hätten, denn Besichtigungen der Räumlichkeiten seinen zwar grundsätzlich möglich, aber nicht erwünscht. Enttäuscht und nach Entschuldigungen für dieses ausladende Verhalten suchend, gingen wir wieder nach Hause. Bei uns beiden blieb aber ein unangenehmer Nachgeschmack der Geschichte zurück.
Ein paar Tage später setzten bei meiner Freundin zeitig in der Früh die ersten Wehen ein. Ich schlug ihr vor, erst einmal ein warmes Bad zu nehmen um heraus zu finden, ob die Wehen weitergingen, oder wie es in den Tagen zuvor oft passiert war, wieder verschwanden. Die Wehen blieben, und meine Freundin war so unsicher, dass sie mich bat, gleich los zu fahren, obwohl wir eigentlich beide wussten, dass wir noch viel Zeit gehabt hätten.
Genau mit diesem Vorwurf wurden wir auch sofort nach unserer Ankunft in der Klinik konfrontiert: Wehen schön und gut, aber das dauere sicherlich noch Stunden; warum sind sie denn jetzt schon da? Nach einigem Hin und Her einigten wir uns darauf, dass meine Freundin und ich noch einen Spaziergang unternehmen wollten und in etwa zwei Stunden wieder zurück sein sollten. Wir fühlten uns zum ersten Mal an diesem Tag ziemlich alleine und im Stich gelassen.
Nach unserer Rückkehr legte sich meine Freundin in die Badewanne. Hebamme haben wir in dieser Zeit keine gesehen, und ich war froh, aus eigener Erfahrung zu wissen, wie eine Geburt ungefähr abläuft, denn so hatte ich die Möglichkeit meine Freundin so gut wie möglich zu unterstützen, zu trösten und zu beruhigen.
Wie allerdings ein zurecht nervöser Vater alleine mit dieser Situation hätte zurecht kommen sollten, ist mir bis heute ein Rätsel!
So ging es weiter, Stunde um Stunde, mittlerweile hatte schon eine neue Hebamme die Schicht übernommen, aber das erfuhren wir auch nur, weil diese pünktlich einmal pro Stunde erschien, um meine Freundin an ein Gerät an zu schließen, das die Herztöne des Kindes aufzeichnete. Egal, wie sich meine Freundin gerade fühlte, sie musste sich sofort hinlegen und verkabeln lassen. Ich spürte, dass diese Prozedur immer mehr zu einer Qual wurde, und fragte deshalb einmal, ob man damit nicht noch ein wenig warten könne, aber es hieß nur, das sei ja nicht so schlimm und außerdem eben Vorschrift...!
Die Geburt dauerte an und mit jedem Mal stieg die Angst meiner Freundin vor der bevorstehenden Verkabelung. Sie sagte mir später, dass sie eigentlich nicht die Schmerzen als das Schlimmste empfunden habe, sondern diese routinemäßig wiederkehrende Maßnahme, die sie in eine für sie unangenehme Lage gezwungen hat.
Ich versuchte indessen, mich an Positionen zu erinnern, die mir damals angenehm gewesen waren und fand in einem Zimmer ein Seil und einen Gebärhocker.
Ich ging also und fragte die diensthabende Hebamme, ob wir das Zimmer wechseln dürften. Nach langem Hin und Her durften wir.
Gegen Ende der Geburt fand zu unserem großen Glück nochmals ein Schichtwechsel statt, und die jetzige Hebamme war die erste, die sich wirklich um meine Freundin kümmerte. Zwar war auch sie oft woanders, aber sie bemühte sich wenigstens um uns.
Immer wieder hörten wir den Satz, dass es jetzt aber voran gehen müsse, was uns sehr verunsicherte, denn dem Baby und meiner Freundin ging es laut Aussage der Hebamme und des Arztes gut.
Als die kleine Tochter meiner Freundin schließlich am Abend geboren wurde, wurde sie sofort gebadet und angezogen. Danach half die Hebamme meiner Freundin noch die Kleine das erste Mal anzulegen. Schön war, dass uns erlaubt wurde, noch im Kreissaal mit dem Vater auf die Geburt anzustoßen und wir sogar noch eine Kleinigkeit zu essen bekamen.
Streng nach Vorschrift verließen wir drei Stunden nach der Geburt die Klinik auf eigene Verantwortung, denn wer länger bleiben wollte, musste sich stationär aufnehmen lassen!

Ich denke, diese beiden Berichte zeigen Eines ganz deutlich:
Auch die Klinikgeburt war in Ordnung; sie war Routine.
Meine Freundin und ich haben uns auf weiten Strecken sehr alleine gefühlt; die versprochenen Möglichkeiten waren zwar alle vorhanden, es war nur jedes Mal ein kleiner Kampf nötig um sie auch nutzen zu dürfen!

In Nussdorf gibt es keine Kämpfe und keine Routine; im Mittelpunkt stehen die werdende Mutter und ihr Kind und auch natürlich der Vater oder eine andere Vertauensperson!
Wie ich schon einmal gesagt habe: wer Nussdorf nicht kennt, weiß auch nicht, wie individuell schön eine Geburt sein kann!
Obwohl mir klar ist, dass sich nicht jede Frau in Nussdorf wohlfühlen wird, würde ich mir wünschen, dass aber die Entscheidung für oder gegen das Geburtshaus den Frauen selbst überlassen wird und nicht unter anderem stark dadurch beeinflusst wird, dass das Geburthaus immer noch keinen Kassenvertrag hat!

Nussdorf ist eben nicht überall, sondern einmalig und unersetzlich!

Quelle und mehr Informationen:
Geburtshaus Nussdorf
http://www.geburtshaus-nussdorf.at
2002

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Aktualisiert: 12.04.2012  webmaster@geburtskanal.de
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