Mothering the Mother
von Angelika Rodler
MAP (Mother Assistant Projekt - mothering the mother) ist das neueste Projekt des Eltern-Kind-Zentrum Graz. Die Wurzeln liegen jedoch in der "Doula"- Arbeit, die schon seit 1994 fester Bestandteil des EkiZ-Programms ist. Doula bedeutet Dienerin der Frau - im besten Sinne… Eine Geburtsbegleiterin sieht die Geburt als zentrale Erfahrung im Leben einer Frau und setzt ihre ganze Kraft und Aufmerksamkeit zum Wohle der Gebärenden ein.
Sie bietet kontinuierliche, nicht medizinische, einfühlsame Mutter-zu-Mutter Begleitung. Durch das Kennenlernen bereits in der Schwangerschaft sind Mutter und Doula miteinander vertraut.
Wir werden den Begriff der Doula in Zukunft nicht mehr verwenden, da es bei der Gründung eines europäischen Schwestermodells neue Erkenntnisse gab: Doula, im alten Griechenland die "Dienerin der Frau" bedeutet im heutigen griechischen Sprachgebrauch auch "Liebessklavin"! Also wählen wir den internationalen Begriff "Mother Assistent Projekt". Der Unterbegriff blieb derselbe: "Mothering the mother"
Eine "MA" begleitet Frauen aus unterschiedlichsten Lebenssituationen während Schwangerschaft und Geburt. Nicht "Allein" im Kreißsaal zu sein, zu wissen, daß auch bei Hebammenwechsel eine vertraute Person dableibt, aber durchaus praktische Hilfestellungen (bei Positionswechsel, Massage und Atemunterstützung) können Gründe sein, wieso frau sich eine Doula wählt, die ihr bereits in der Schwangerschaft zur Seite steht. Eine Frau, die bereits geboren hat, die Physiologie und energentischen Zusammenhänge der Geburt versteht, bestärkt in der Gebärenden die Zuversicht und das Vertrauen für die "schweren Stunden".
Wie (zeit-) intensiv dieser Kontakt ist, hängt im Wesentlichen von den Bedürfnissen der Schwangeren ab. In manchen Krankenhäusern ist es inzwischen möglich, auch Paare zu begleiten. Gerade sehr junge Väter empfinden das Beisein einer erfahrenen Vertrauten oft als besonders entlastend. In der Hausgeburtshilfe ermöglicht die Begleitung dem werdenden Vater das alleinige Dasein für die Gebärdende und übernimmt die nötigen Handreichungen oder die Betreuung anwesender Kinder.
Von Hebammenseite wird von Zeit zu Zeit das Argument vorgebracht, Geburtsbegleiterinnen arbeiteten in Bereichen, die Hebammen zustehen. Aus historischer Sicht kann ich dem nur enthusiastisch zustimmen, aus heutiger genauso vehement nicht.
Wir geben selbstverständlich ausschließlich nichtmedizinische Hilfe, stellen keinerlei Diagnosen, untersuchen nicht, ect. Wir tun keine Hebammenarbeit im klinischen Sinn.
Wir sind Mit-Frauen im Sinne der historischen "Not- und Hilfsgemeinschaft" von Frauen, der auch, aber nicht nur die Hebamme angehört hat. Heute sind die Zeiten vorbei, in denen die "midwife (engl. Hebamme)" für Feuerholz und saubere Wäsche bei der Geburt sorgen mußte, wenn weder Ehemann noch die weibliche Nachbarschaft bereitstand, und dafür sah sie oft kein Bargeld. Manchmal blieben sie sogar tagelang bei den Frauen, um zu gewährleisten, dass das Wochenbett eingehalten werden konnte.
Üblicherweise waren es aber die Frauen der Nachbarschaft, die Speisen brachten, ältere Kinder mitversorgten und sich um die Fortführung des Haushalts kümmerten.
Diese "Not- und Hilfsgemeinschaft" rund um die Geburt haben wir wiederbelebt, aus Frauensolidarität, und haben uns zum Ziel gesetzt, bedürfnisorientierte, unbürokratische und liebevolle Unterstützung anzubieten.
Was MotherAssistantProjekt für die Geburtsbegleitung verändert hat? Erstmals ist es uns auch möglich, nach der Geburt für Frauen in größerem Umfang dazusein, im Haushalt einzuspringen und somit eine weitere große Erleichterung für krisenbelastete Frauen oder Familien zu schaffen.
Das Magistrat Graz, Amt für Jugend und Familie, hat diese Erweiterung des Projektes ermöglicht und wir hoffen, in den kommenden Jahren eine zufriedenstellende Initiative für alle Grazerinnen und ihre Familien bieten zu können.
Kontaktadresse:
Angelika Rodler
Eltern-Kind-Zentrum
Bergmanngasse 10
8010 Graz
Tel.: 0316/37 81 40/55
Email: ekiz.graz@utanet.at
Dieser Artikel erschien zuerst bei der Webfamilie Österreich:
http://www.webfamilie.at/artikel123.html
2001
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