Muttertag



von Dorothea Wolf-Stiegemeyer

Einmal im Jahr ist Muttertag. Blumengeschäfte und Parfümerien freuen sich. Politiker, soziale Institutionen und auch viele Kinder (sowohl junge wie erwachsene) erinnern sich dieser Frau, die durch die Geburt des Kindes die Wandlung von der Frau zur Mutter erlebte.

Ein großer Fortschritt des letzten Jahrhunderts ist es, dass Mädchen genauso wie die Jungen, die Möglichkeit zu umfassender schulischer Bildung geboten bekommen. Darauf aufbauend können sie studieren und/oder einen Beruf ergreifen. Sie entwerfen zumeist einen eigenen Lebens- und Berufsplan. Eine ganz gravierende Veränderung tritt ein, wenn das Baby und damit auch die Mutter geboren wird. Aus der selbstbestimmt agierenden Frau wird eine stark durch die Bedürfnisse des Kindes fremdbestimmte Mutter.

Sie erfährt ganz neue tiefgehende Gefühle der Wärme, Zärtlichkeit und Zuneigung. Aber auch Frustrationen und Überlastung. Es erfolgt eine gravierende Veränderung, die die Mutter als Person betrifft, die aber auch ihre sozialen Kontakte und ihre Stellung innerhalb der Gesellschaft verändern kann.

Trotz der beruflichen Emanzipation der Frau werden die Inhalte der Mutterrolle noch weitgehend von der Vorstellung der hauptsächlichen (möglichst alleinigen) Versorgerin des Babys und der umfassenden Verantwortung für das Wohlergehen, Gedeihen und Wohlgeraten des Kindes geprägt.

Aus den Frauen, die bisher ihr Leben individuell gestaltet haben werden die Mütter. Egal, ob mit Hochschuldiplom oder als Friseurmeisterin, ob als Ergotherapeutin oder Handwerkerin, jetzt zählt sie zur allumfassenden Gruppe der Mütter, mit der entsprechenden Erwartung an die Selbstverständlichkeit der Mutter-Rollenübernahme inclusive liebevoller Selbstlosigkeit. Verbunden mit der Mutterrolle ist trotz aller emanzipatorischer Fortschritte die Hausfrauentätigkeit, die oft in eine Art Dienerinnen-Dasein zum Wohle der anderen Familienmitglieder mündet. Die Anerkennung, die anderen Berufstätigen zukommt, fehlt dieser dienenden Mutter. Es wird immer wieder in psychologischer und pädagogischer Literatur betont, wie wichtig die "gute Mutter" für das Gedeihen der Kinder ist. Doch der Normalalltag honoriert diese herausragenden unentgeltlichen Leistungen mit wenig Anerkennung.

Diese schönen Muttertagsreden mit huldvoller Herausstellung der besonderen Leistungen der opferbereiten Mütter sind eigentlich eher ein Beweis für die fehlende alltägliche Honoration.

Im letzten Jahr erschien in einer Lokalzeitung zum Thema Muttertag das Interview mit einem 29-jährigen Gastwirt, der deutlich herausstellte, dass er seiner Mutter an diesem Ehrentag besonders gedenken werde. Er kaufe seiner Mutter einen Blumenstrauß und werde ihn ihr kurz vor Mittag bei einem Besuch schenken. Dafür erwarte er aber auch, dass sie ihm etwas Besonderes koche...

Als Mutter bin ich dafür, dass auch mal ein Kindertag eingeführt wird, an dem ich dem Kind etwas schenke - vielleicht ein schönes Bild, ein kleines Gedicht oder einen Blumenstrauß. Und dafür werde ich dann vom Kind fürsorglich bedient und versorgt...

April 2004


© 2004 Dorothea Wolf-Stiegemeyer
Mütter besonderer Kinder
http://www.muetter.besondere-kinder.de


Mehr über den Muttertag:

zurück
© 2000-2010 Geburtskanal ™
Impressum

Aktualisiert: 12.04.2012  webmaster@geburtskanal.de
ANZEIGE