Artikel aus Medicine Worldwide:


Willibald Pschyrembel

Arzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

* 1. Januar 1901 † 26. November 1987

 

 

Eine persönliche Hommage

 

Der Autor dieser Hommage begegnete Professor Pschyrembel das erstemal auf Bitten seines Klinikdirektors im Sommer des Jahres 1979. Es ging um die Ausarbeitung der Stichworte für Radiologie und Physik in dem weltbekannten Medizinlexikon "Pschyrembel", das damals von ihm selber gestaltet und von dem Verlag de Gruyter herausgegeben wurde.

 

Dem Autor begegnete ein älterer, sehr liebenswerter Herr, der ihn nach kurzer aber intensiver Musterung auf die Terrasse seiner schönen Villa in der Halmstraße in Berlin-Westend geleitete. Ein wenig schwierig war es, in dem bereitgestellten Sessel Platz zu nehmen, da dieser bereits von einem sehr eigenwilligen Kurzhaardackel belegt war. Über den Hund war das Gespräch sehr schnell bei Thomas Mann und seinem Buch "Herr und Hund". Thomas Mann hatte bei W. Pschyrembel stark an Sympathie eingebüßt, da er in dem besagten Buch seinen Hund schlagen ließ.

"Nein, nein, mein lieber Herr Ramm", dozierte er sehr engagiert "das kann kein großer Schriftsteller sein, der seinen Hund schlagen läßt, und sei es auch nur in einem Buch".

 

Im Laufe vieler Besuche und Gespräche lernte der Autor in W. Pschyrembel einen ungewöhnlich sensiblen, sehr menschlich denkenden und vor allem umfassend gebildeten Menschen kennen. Noch heute profitiert er von dem Wissen über Italien, seine Kultur, die Medicis, über die Kultur des Französischen Königshofs sowie über edle Weine. Natürlich sprach er neben anderer Sprachen fließend Italienisch und Französisch. In Paris hatte er sogar sein Dolmetscherexamen in Französisch abgelegt.

 

Ein kluger Mensch mit Lebensart der feinsten Ausprägung

 

Seine sehr viel jüngere Frau, ebenfalls eine Gynäkologin, vervollkommnete diesen Lebensstil.

Zu seinem eigenem größten Bedauern mußte er, nicht zuletzt wegen seines Alters, die Redaktion an dem Wörterbuch im Jahre 1984 an die Redaktion des de Gruyter Verlages abgeben. Ob dies dem Buch genutzt hat möge jeder selber entscheiden.

Für den Autor bedeutete der Tod von Willibald Pschyrembel einen schmerzhaften Verlust. Auch wenn er das gesegnete Alter von fast 87 Jahren erreicht hatte. Er denkt noch heute oft und gerne an diesen liebenswerten, klugen und gebildeten Mensch zurück.

 

Er starb am 26. November 1987 in Berlin und liegt auf dem Waldfriedhof Trakehner Allee in Berlin.

In seinem Geist entsteht -auch unter Mithilfe des Autors- im Internet ein neues Medizinlexikon.

Zum Schluß sei ein anderer Autor zitiert, der in einer großen deutschen Zeitung u. a. folgendes schrieb:

 

Willibald Pschyrembel war ein Universalgelehrter und genialer Didaktiker, dessen Vorlesungen stets überfüllt waren und dessen Bücher bis heute richtungsweisend sind.

 

Die folgenden Lebensdaten sowie die Abbildung wurden Medicine-WorldWide freundlicherweise von dem Neffen von W. Pschyrembel, dem Direktor der Klinik für Geburtsmedizin der Charitè in Berlin, Herrn Professor Dr.med. Joachim Dudenhausen, zur Verfügung gestellt. Zum milden Erstaunen des Autors musste er feststellen, dass der de Gruyter-Verlag, trotz nahezu 50jähriger Zusammenarbeit, über keine Biographie und nur über einige wenige Daten von W. Pschyrembel verfügte.

 

1901

1. Januar geboren in Berlin. Aufgewachsen in Lüdenscheid/ Westfalen

1924

7. August Promotion zum Dr.phil. im Fach Physik Das Promotionsthema lautete: " Entwicklung der Elektrotechnik in Japan"

1926- 1932

Medizinstudium in Berlin

1932

Approbation als Arzt

1932- 1933

Medizinalpraktikant in der Inneren Abteilung des Martin-Luther-Krankenhauses in Berlin

1934- 1984

Beginn der Herausgabe und Redaktion des Klinischen Wörterbuchs Pschyrembel, das anfangs noch Dornblüth-Pschyrembel hieß. Das Klinische Wörterbuch Pschyrembel ist die Weiterentwicklung des 1884 von Otto Dornblüth gegründeten "Wörterbuch der medicinischen Kunstausdrücke".

1935

Promotion zum Dr.med., sein Doktorvater war Professor Sauerbruch.Das Promotionsthema lautete: " Osteomyelitis der Patella"

1935- 1936

Arzt an der Gynäkologischen Abteilung des Paul-Gerhardt-Krankenhauses in Berlin

1936

Dolmetscherdiplom für Französisch in Paris

1937

Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe

1936- 1945

Oberarzt am Städtischen Krankenhaus Neukölln in Berlin

1945- 1961

Direktor der Frauenklinik des Krankenhauses Friedrichhain in Berlin. Die Tätigkeit endete mit dem Mauerbau.

1950

Externe Habilitation bei Prof. Stoeckel an der Humboldt-Universität, Berlin

1952- 1961

Dozent und später externer apl. Professor mit Lehrauftrag an der Humboldt-Universität Berlin. Die Tätigkeit endete mit dem Mauerbau.

1961- 1987

Diverse Lehrtätigkeiten in Berlin, Arbeit vor allem an dem von ihm bis 1984 herausgegebenen Klinischen Wörterbuch: Pschyrembel. Weitere, noch heute führende gynäkologische Lehrbücher: "Praktische Geburtshilfe mit geburtshilflichen Operationen" "Praktische Gynäkologie"

 

Quelle: 'Medicine-Worldwide' www.m-ww.de/persoenlichkeiten/pschyrembel.html

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