Pränataldiagnostik - Was bedeutet sie für Mutter und Kind?
Segnungen - Risiken - Nebenwirkungen

von Dorothea Wolf-Stiegemeyer
Wolf-Stiegemeyer@t-online.de

Pränataldiagnostik - kurz PND, auf Deutsch: Vorgeburtliche Diagnostik - ist für werdende Mütter in der heutigen Zeit etwas Selbstverständliches. Dabei wird sie oft als harmlose Routine-Untersuchung dargestellt. Viele Mütter nehmen sie in Anspruch ohne sich letztlich über die mögliche Bedeutung und die Auswirkungen für ihr weiteres Leben und das ihres Babys bewusst zu sein. In Gesprächen mit vielen Müttern wurde deutlich, dass die meisten lieber nicht darüber nachdenken, was passieren könnte, wenn der Befund "positiv" ausfällt (positiv - welche Ironie - meint dabei: Es liegt eine Behinderung des Kindes vor). Dieser Artikel wird versuchen die einzelnen Aspekte der PND und deren Auswirkungen zusammenzufassen.

Zur PND zählen verschiedene Methoden wie z.B. Ultraschalluntersuchung oder die Fruchtwasserpunktion.


Gesundung und Therapie

Aber was bedeuten die verschiedenen Diagnostika für die werdende Mutter und den heranwachsenden Embryo?

Durch die vorgeburtliche Diagnostik in Verbindung mit den medizinischen Fortschritten der letzten Jahre kann das Kind bereits im Mutterleib therapiert werden, z.B. bei Blutgruppenunverträglichkeit oder Wassereinlagerungen; Mittlerweile werden sogar schon intrauterine Operationen bei Spina bifida durchgeführt. Ein weiterer Vorteil des frühzeitigen Erkennens von Erkrankungen ist, dass bei der Geburt bereits Fachleute vor Ort sind, die eine direkte weitergehende Behandlung des Säuglings ermöglichen. So kann die PND zur Vermeidung schwerer Erkrankungen des Säuglings beitragen und sogar lebenserhaltend wirken! Eine Hilfe für Mutter und Kind!

Nicht zu vergessen, dass die vorgeburtliche Diagnostik - bei einem freudigen Ergebnis - zur Beruhigung der Mutter beitragen kann, wobei ein sogenannter positiver Befund den werdenden Eltern die Möglichkeit bietet sich auf die besonderen Anforderungen im Zusammenleben mit dem neuen Erdenbürger vorzubereiten.


Anspruch auf ein gesundes Kind?

Diese, die Gesundung betreffenden Aspekte, treten in der heutigen Zeit leider eher in den Hintergrund. Vielmehr scheint die PND in erster Linie mit Selektion und mit dem Ausschluss unwerten Lebens in Zusammenhang zu stehen.

Durch fehlende ausführliche Informationen ist in der Gesellschaft oft die Meinung vorzufinden, dass sich mit Hilfe der vorgeburtlichen Diagnostik jede Behinderung aufspüren lasse und sich vor allem vermeiden lässt, dass ein Kind mit Behinderung geboren wird. Die Schlussfolgerung daraus: "Die Mutter ist "selber schuld", wenn sie ein mit Behinderung lebendes Kind gebiert." Die PND scheint einen persönlichen und gesellschaftlichen Anspruch auf ein gesundes Kind erwachsen zu lassen.


"Schwanger auf Probe"

Bis zum Abschluss der vorgeburtlichen Diagnostik sind viele Frauen heute "schwanger auf Probe". Manche sind voller Sorgen und können zu ihrem ungeborenen Kind noch nicht wirklich in Beziehung treten aus Angst vor einem möglichen frühen Ende. Denn was mit der PND ganz eng in Verbindung steht - aber gern "übersehen" wird - ist die Abtreibung. Es besteht zumeist die latente oder manchmal auch offen vorgetragene Erwartung, dass die Mutter sich selbstverständlich von ihrem ungeborenen Kind trennt, wenn eine Behinderung diagnostiziert wird. Dabei ist das Thema Abtreibung und seine wirkliche Bedeutung für Mutter und Kind zumeist ein Tabu-Thema. Die pränataldiagnostische Methode der Fruchtwasserpunktion kann erst um die 16. Schwangerschaftswoche herum eingesetzt werden. Manche Entwicklungsstörungen lassen sich sogar erst nach der 22. SSW diagnostizieren. Dabei darf nicht vergessen werden, dass es seit der Änderung des § 218 im Jahr 1995 keine zeitliche Frist für Abtreibungen mehr gibt. Rein rechtlich darf somit während der kompletten Schwangerschaft ein Abbruch durchgeführt werden, denn das Argument, dass die Behinderung des Kindes eine schwerwiegende Beeinträchtigung des seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren sein wird, lässt sich immer finden. Wobei es hier aber sicherlich auch von Seiten der Ärzte aus ihrem medizinischen Ethos heraus zeitliche Grenzen gibt. Hierzu die Aussage einer Ärztin eines Humangenetischen Instituts: "Ich arbeite leider in einem Haus, dass Abbrüche sehr befürwortet und da spürt man besonders, wie wichtig es wäre, ab einer gewissen Woche - z.B. ab 23. SSW wie früher - einfach Ruhe zu haben, indem Abbrüche ab dann einfach verboten wären."


Die "totgeschwiegenen" Spätabtreibungen

Thema dieses Artikels sind nicht die Abtreibungen, sondern die Auswirkungen der PND, aber dazu gehören eben auch die oft "totgeschwiegenen" Spätabtreibungen.

Vorgeburtliche Diagnostik steht oft in Zusammenhang mit den sogenannten Spätabtreibungen (nach der 20., bzw. 23. SSW). Laut Statistik gab es im vergangen Jahr bei ca. 130.000 Abbrüchen "nur" 188 Spätabtreibungen. Dabei wird allerdings vermutet, dass viele Schwangerschaftsabbrüche als Totgeburten registriert werden und somit die Zahl um ein vielfaches höher liegt.

Bei Spätabtreibung wird in der Literatur hauptsächlich auf zwei Methoden hingewiesen: Die Postagladin- und die Kaliumchloridmethode.

Bei der Postaglandinmethode wird eine Frühgeburt durch ein wehenauslösendes Medikament eingeleitet. Da der Körper der Schwangeren noch nicht geburtsbereit ist, dauert die Geburt oft viele Stunden und/oder Tage. Eine Narkose gibt es dabei nicht, aber Schmerz- und Beruhigungsmittel. Manche Mütter spüren, dass ihr Kind im Todeskampf um sich tritt. Und manche Kinder kommen lebend zur Welt, wie z.B. Tim (25. SSW), der im Sommer 1997 seine eigene Abtreibung überlebte und 10 Stunden allein kämpfte, bevor er medizinisch versorgt wurde. (s. auch www.Tim-lebt.de)

Um solche "Abtreibungs-Faux-pas" zu vermeiden wird heute in erster Linie die Kaliumchloridmethode angewandt. Hierbei punktiert der Arzt mit einer langen Nadel die Bauchdecke der Frau. Danach sticht er die Nadel unter Ultraschallsicht in das Herz des Ungeborenen. Das Herz des Kindes hört sofort auf zu schlagen. Die Mutter kann am Monitor zusehen, wie ihr Kind getötet wird.

Kaiserschnitt wird so gut wie nie angewandt, da das Kind lebend zur Welt kommen könnte.


Alleine mit der Verantwortung

Die Entscheidung zur Abtreibung muss allein von den Eltern, oft den Müttern getroffen werden. Dies ist keine passive Sterbehilfe, sondern ein Auftrag zu einer aktiven Tötung! Den Müttern wird eine Riesenverantwortung aufgeladen und die meisten Frauen tragen zeitlebens an einer Schuld.

Dabei ist es für die Frauen, die sich für eine Abtreibung entschlossen haben, sehr schwer darüber mit Freunden, etc. zu sprechen. Das Thema ist zu beladen und belastend und wird zumeist tabuisiert. Außerdem stellt sich die Frage, ob den Müttern überhaupt eine Trauer nach einer selbst beschlossenen Abtreibung sozial zugestanden wird.

Während bei Totgeburten 90 % der Väter anwesend sind begleiten nur 10 % der Männer ihre Frauen zu einer Abtreibung. Wie alleingelassen und alleinverantwortlich mag sich eine Frau in einer derartigen Situation fühlen? Welche Auswirkungen kann das auf die Partnerschaft haben?

Es scheint heutzutage so zu sein, dass die Pränatale Diagnostik eindeutig eugenische Bestrebungen aufweist. Bei der Diagnose "Trisomie 21" entscheiden sich z.B. 92 - 93 % für einen Schwangerschaftsabbruch. So geraten die zur Gesundung und zur Therapie eingesetzten Maßnahmen, die auch aufgrund einer PND erfolgen, in den Hintergrund.

Quelle:
Mütter besonderer Kinder
www.muetter.besondere-kinder.de

März 2004


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