Rauchen in der Schwangerschaft

5-Tage-Programm zur Raucherentwöhnung an der "Klinik für Geburtsmedizin" der Charité

Babies rauchender Mütter rauchen mit. Sie sind gesundheitlich benachteiligt. Denn Rauchen vermindert u.a. den Sauerstoffgehalt im Blut der Mutter und damit des Ungeborenen und belastet es gleichzeitig mit dem giftigen Kohlenmonoxyd. Bei Geburt sind die Säuglinge kleiner und leichter, also schlechter entwickelt, als vergleichbare Kinder von Nichtraucherinnen.

Die "Klinik für Geburtsmedizin der Charité" (am Campus Virchow-Klinikum in Berlin-Wedding) hat sich deshalb entschlossen, werdenden Müttern zum Beginn der Schwangerschaft ein Rauchentwöhnungsprogramm anzubieten.

Da der erste Kontakt der werdenden Mütter mit der Klinik gewöhnlich erst im späteren Verlauf der Schwangerschaft stattfindet, arbeitet die Klinik mit rund 60 in eigener Praxis niedergelassenen Frauenärzten in Berlin zusammen. Dort wird jede Frau, die schwanger geworden ist und erstmals den Arzt aufsucht, auf die Möglichkeit der Raucherentwöhnung durch die Klinik hingewiesen und zur Teilnahme aufgefordert.

Frauen, die dem Gedanken zugunsten der gesunden Entwicklung des Kindes auf das Rauchen zu verzichten, offen gegenüberstehen, können dann in der Klinik zunächst an einer Einführungsveranstaltung teilnehmen und sich gegebenenfalls anschließend in fünf Sitzungen, die jeweils etwa zwei Stunden pro Woche dauern, an dem eigentlichen Entwöhnungsprogramm beteiligen. Die Termine werden in der Regel auf den frühen Abend gelegt, damit auch die jeweiligen Partner der Schwangeren, falls sie es möchten, teilnehmen können. Wahlweise wird es jedoch auch einen Vormittagstermin geben.

Kosten entstehen den Frauen nicht. Das Projekt, das ab sofort (Dezember 1999) startet, wird auch wissenschaftlich begleitet, jedenfalls bei den ersten 150 Frauen, die mitmachen. Die "Begleitung" besteht darin, zu Anfang und am Ende der Trainingsphase einen (anonymisierten) Fragebogen über ihr Rauchverhalten auszufüllen und eine Urinprobe abzugeben. Als Vergleichs(=Kontroll)gruppe werden Schwangere aus den Praxen der Frauenärzte dienen, die das Angebot zur Raucherentwöhnung in der Charité ablehnen, aber dennoch bereit sind die beiden Fragebögen auszufüllen.

Die Leiterin des Projektes, Privatdozentin Dr. Renate Bergmann, erwartet, daß etwa die Hälfte der Raucherinnen und etwa ein Fünftel der sie begleitenden, rauchenden Männer entwöhnt werden kann. Ein Erfolg wäre auch schon eine wesentliche Reduktion der Zahl der pro Tag gerauchten Zigaretten.

Eingesetzt wird ein ausschließlich verhaltenstherapeutisches Konzept. Dabei wird über die Besonderheiten der Wirkung des Rauchens auf den Körper, aber auch auf die Seele aufgeklärt. Die Teilnehmer erkennen die eigenen Motive zum Rauchen, lernen sich selbst beobachten und entwickeln für sie persönlich brauchbare Bewältigungsstrategien zur Vermeidung des Griffs zur Zigarette.

Schwangere, die sich beteiligen wollen, können auch von sich aus bei ihrem die Schwangerschaft betreuenden Arzt nach dem Programm fragen oder sich in der Klinik erkundigen (Tel. 450-64186).
Wenn die Intervention sich als so erfolgreich erweist, wie Frau Dr. Bergmann erwartet, wird sie zum ständigen Angebot der Klinik werden, das unter anderem auch Elternschule, Suchtprävention und Impfprogramme umfaßt.

Silvia Schattenfroh 1999

Quelle: www.charite.de 2000

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