Gesundes Kind aus neun Jahre alter tiefgefrorener Eizelle
Ein Erfolg für die Reproduktionsmediziner?

Aus einer befruchteten Eizelle, die neun Jahre lang eingefroren war, hat sich nach Implantation ein gesundes Kind entwickelt. Das Baby, ein Junge, wurde vor kurzem geboren. Nach erfolgloser IVF-Behandlung einer Patientin wurden die überschüssigen befruchteten Eizellen 1991 eingefroren und seither bei etwa minus 190 Grad aufbebewahrt. Im vergangenen Jahr erfolgte nach genauer Abwägung des Risikos eine erneute Behandlung - diesmal erfolgreich. Manchmal heiligt der Zweck eben die Mittel.

Prof. Hans van der Ven - Leiter der Abteilung für Reproduktionsmedizin der Uni Bonn - spricht von einer weltweiten Rarität. Die Chance auf Erfolg sei nach medizinischem Ermessen denkbar niedrig gewesen. Er fordert nun eine ethische Debatte. Dies scheint auch dringend notwendig, wenn man bedenkt, was die Langzeitlagerung von befruchteten Eizellen und deren anschliessende Implantation (oder auch Nicht-Implantation!) für Auswirkungen haben könnte.

In England ist vor einiger Zeit eine 60jährige Frau Mutter geworden. Fast ebenso alte Mütter gibt es in Italien und anderswo. Ein Erfolg der Endokrinologen und der Reproduktionsmediziner? Sicherlich - medizinisch gesehen eine Glanzleistung.
Aber werden uns demnächst Eltern begegnen, die nach erfolgreicher Karriere - und möglicherweise nach dem Eintritt ins Rentenalter - den Wunsch nach einem eigenen Kind verspüren und sich diesen dann erfüllen (lassen)? Die bereits 30 Jahre vor der eigentlichen Implantation entnommenen und im Reagenzglas befruchteten Eizellen aus ihrer Jugendzeit kämen dann doch noch zum Einsatz. Und wenn es nicht zur Reproduktion kommt, dann können die aufgehobenen Embryonen ja wenigstens noch zum therapeutischen' Klonen verwendet werden…


Lesen sie auch die folgenden Berichte:

Bild der Wissenschaft online:
Newsticker 17.1.2001

Gesundes Kind aus neun Jahre lang eingefrorener Eizelle

Erstmals hat sich aus einer neun Jahre lang eingefrorenen, befruchteten Eizelle ein gesundes Kind entwickelt. Das sagte Prof. Hans van der Ven vom Zentrum für Geburtshilfe und Frauenheilkunde am Dienstag in Bonn. Ihm sei weltweit kein anderer Fall bekannt, in dem es nach einer so langen Lagerzeit zu einer erfolgreichen Schwangerschaft gekommen sei.

Gleichzeitig wies der Leiter der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin darauf hin, dass es sich bei der Behandlung der inzwischen 39 und 44 Jahre alten Patientinnen um eine "absolute Rarität" gehandelt habe, der "besondere Umstände" zu Grunde gelegen hätten. Die Erfolgschancen seien sehr gering gewesen. Trotzdem habe eine Frau vor kurzem einen gesunden Sohn zur Welt gebracht, die andere sei mit Zwillingen im fünften Monat schwanger. Beide hätten sich bereits 1991 einer - seinerzeit erfolglosen - Behandlung ihrer Kinderlosigkeit unterzogen.

Aus medizinischen und persönlichen Gründen wurden den Frauen die damals aufbewahrten Eizellen jetzt eingesetzt. Van der Ven betonte, die behandelnden Ärzte hätten das Risiko der Eingriffe genau abgewogen. Zudem verlangte er eine ethische Debatte über das jahrelange Einfrieren der Eizellen. Die Bonner Reproduktionsmediziner empfehlen ausdrücklich, Eizellen nur kurze Zeit zu lagern und der Frau vor dem 45. Lebensjahr einzusetzen. Das Einfrieren von Eizellen könne Frauen aber nicht bei ihrer Entscheidung "Kind oder Karriere" helfen.

Bei der so genannten "in-vitro-Befruchtung" werden der Frau mehrere Eizellen entnommen und außerhalb des Körpers mit den Spermien des Mannes befruchtet. Bei einem Erfolg werden der Frau dann maximal drei befruchtete Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt, die restlichen werden bei etwa minus 190 Grad eingefroren. Nach deutschem Recht sind die Eizellen Eigentum des Paares, das allein darüber entscheidet, ob und wann die überzähligen Zellen verworfen werden.

dpa

Quelle: www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=48195



Spiegel online:
Wissenschaft 16.1.2001

A U F G E T A U T

Gesundes Baby trotz neun Jahren Tiefkühlfach

Auch neun Jahre bei minus 194 Grad Celsius können Eizellen offensichtlich nichts anhaben: Reproduktionsmediziner haben nun einen weiteren Erfolg bei der künstlichen Befruchtung vermeldet.

Bonn - Erstmals soll sich aus einer neun Jahre lang eingefrorenen, befruchteten Eizelle ein gesundes Kind entwickelt haben und geboren worden sein. Das zumindest sagt Hans van der Ven vom Zentrum für Geburtshilfe und Frauenheilkunde der Bonner Uni-Klinik. Ihm sei, so der Medizinprofessor, weltweit kein anderer Fall bekannt, in dem es nach einer so langen Lagerzeit zu einer erfolgreichen Schwangerschaft gekommen sei.

Zwei 39 und 44 alten Frauen waren vergangenes Jahr gefrorene Eizellen eingepflanzt worden. Eine der beiden Patientinnen brachte vor kurzem einen gesunden Sohn zur Welt, die andere ist mit Zwillingen im fünften Monat schwanger. Beide haben sich bereits 1991 einer - seinerzeit erfolglosen - Behandlung ihrer Kinderlosigkeit unterzogen.
Aus medizinischen und persönlichen Gründen wurden den Frauen die Eizellen erst nach neunjähriger Lagerung eingesetzt. Van der Ven betonte, die behandelnden Ärzte hätten das Risiko der Eingriffe genau abgewogen. Zudem verlangte er eine ethische Debatte über das jahrelange Einfrieren der Eizellen. Die Bonner Reproduktionsmediziner empfehlen ausdrücklich, Eizellen nur kurze Zeit zu lagern und der Frau vor dem 45. Lebensjahr einzusetzen. Das Einfrieren von Eizellen könne Frauen nicht bei einer Entscheidung "Kind oder Karriere" helfen.
Bei der so genannten In-vitro-Befruchtung werden der Frau mehrere Eizellen entnommen und außerhalb des Körpers mit den Spermien des Mannes befruchtet. Nach etwa 18 bis 20 Stunden wird kontrolliert, ob die Befruchtung erfolgreich war. Anschließend werden der Frau maximal drei befruchtete Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt, die restlichen werden bei minus 195 Grad Celsius eingefroren.
Nach deutschem Recht sind die Eizellen Eigentum des Paares, das allein darüber entscheidet, ob und wann die überzähligen Zellen vernichtet werden.

Quelle: www.spiegel.de/wissenschaft/0,1518,112595,00.html

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