Auch Kinder können einen Schlaganfall erleiden
Selbsthilfegruppen und Erfahrungsaustausch

Auch Kinder können einen Schlaganfall erleiden

Zwar kein Tabuthema, trotzdem aber weitestgehend unbekannt:
Auch Kinder können einen Schlaganfall erleiden. Statistisch gesehen erkranken von 100.000 Kindern rund 2 pro Jahr an einem Schlaganfall.

Experten gehen davon aus, dass an die 200-300 Kinder in Deutschland jährlich einen Schlaganfall erleiden, wobei die Dunkelziffer wahrscheinlich um einiges höher ist. Doch bei fast einem Drittel dieser Fälle ist die Ursache des Schlaganfalls unbekannt. Auch über die richtigen Behandlungsmethoden herrscht Unklarheit.


Stiftung organisiert Erfahrungsaustausch von Betroffenen und Medizinern

Auf einem Erfahrungsaustausch in Vechta Ende 2001, der von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe organisiert wurde, trafen sich Mediziner, betroffene Eltern und Kinder aus ganz Deutschland erstmalig in einem größerem Rahmen. Neben der Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen, informierten erfahrene Mediziner und Therapeuten über Untersuchungs- oder Therapieverfahren und neuere Forschungsansätze. Dabei stellte sich heraus, dass bereits erste Forschungsergebnisse an der Kinderklinik der Universität Münster vorliegen, die Wissenschaftler aber erst am Anfang ihrer Untersuchungen stehen.


Herz- und Gefäßkrankheiten häufigste Ursache

Im Rahmen der ESPED-Studie (Erhebungseinheit für seltene pädiatrische Erkrankungen in Deutschland) wurden bisher rund 500 Schlaganfall Kinder untersucht. 44% der Kinder waren zwischen 6 Monaten und 8 Jahre alt, als sie einen Schlaganfall bekamen. Jeweils fast 30 % waren bis zu 6 Monate alt oder zwischen 9 und 18 Jahren.

Im Gegensatz zu erwachsenen Schlaganfall-Patienten sind Bluthochdruck oder Arteriosklerose selten die Ursachen für einen kindlichen Schlaganfall. Oft sind es Herz- oder Gefäßerkrankungen, die in Kombination mit einem akuten Auslöser (z.B. Operation, Trauma, Infektion) zum Schlaganfall führen.


Diagnose bei Kindern oft mangelhaft

Oft wird der Schlaganfall bei einem Kind zu spät oder gar nicht diagnostiziert. Manchmal kommen auch falsche Behandlungsmethoden zum Einsatz. Zum Beispiel werden Therapien, die für erwachsene Schlaganfall-Patienten gut und richtig sind, auf Kinder übertragen.

Das aber ist nicht immer die richtige Behandlung. Vieles ist noch nicht genügend erforscht, über manche Therapien gibt es Sinndiskussionen in der Ärzteschaft. So gibt es Ärzte, die sagen, es sei nicht weiter schlimm, wenn ein Kind keine Therapie bekäme. Im Moment können diese Aussagen weder widerlegt noch bestätigt werden. Die kindliche Schlaganfall-Forschung steht noch am Anfang.


Selbsthilfegruppen für Schlaganfall bei Kindern

Auf dem Erfahrungsaustausch in Vechta trafen sich ca. 50 Väter und Mütter von Schlaganfall-Kindern. Jetzt sollen in verschiedenen Städten Deutschlands Selbsthilfegruppen von und für betroffene Eltern gegründet werden. Auch soll es einen regelmäßigen Austausch mit anderen betroffenen Eltern geben.


Kontakt: Sabine Dawabi
bei der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe in Gütersloh.
Frau Dawabi kümmert sich um das Projekt "Junger Mensch und Schlaganfall". In diesem Zusammenhang auch um Kinder, die einen Schlaganfall erlitten haben. Wenn Sie Hilfe brauchen, dann wenden Sie sich bitte direkt an sie.
Email: sabine.dawabi@bertelsmann.de

Mehr Information:
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
http://www.schlaganfall-hilfe.de


4/2004

zurück
© 2000-2010 Geburtskanal ™
Impressum

Aktualisiert: 12.04.2012  webmaster@geburtskanal.de
ANZEIGE