Stillförderung in Deutschland
Koordination im stationären und ambulanten Bereich
Bericht vom Runden Tisch zur Stillförderung in Deutschland am 4.5.2002 auf der Stillfachtagung des Bundes Deutscher Hebammen (BDH) in Kassel
Schwerpunkthema: Verknüpfung der Stillförderung in Krankenhäusern mit der Stillförderung im ambulanten Bereich
von Dr. Michael Abou-Dakn
Bei dem Runden Tisch zur Stillförderung am 4.5.2002 auf der Fachtagung des Bundes Deutscher Hebammen in Kassel diskutierten Vertreter/innen aus zwölf Verbänden die Zusammenarbeit bei der Stillförderung im stationären und ambulanten Bereich. Die WHO/UNICEF-Initiative "Stillfreundliches Krankenhaus", die Nationale Stillkommission (NSK) und der Bund Deutscher Hebammen (BDH) haben zu dieser interdisziplinären Gesprächsrunde eingeladen.
Nach einer vergleichsweise intensiven Begleitung der Schwangeren und jungen Mütter vor der Geburt und in der Klinik findet nach der Entlassung oft keine weitere Betreuung in der Stillzeit statt. Dies führt häufig zu einem vorzeitigen Abbruch der Stillbeziehung, vor allem, wenn Stillprobleme auftreten. Trotz regionaler Unterschiede stehen jedoch grundsätzlich Hilfen für die ersten Monate mit dem Kind bundesweit bereit. Die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) und La Leche Liga (LLL) haben beispielsweise ein Netz von lokalen Stillgruppen. In diesen Gruppen wird die natürliche Stillkompetenz der Mütter gefördert. Speziell ausgebildete Stillberaterinnen unterstützen die Mütter und helfen auch bei Problemfällen weiter. Darüber hinaus wirken die regelmäßigen Zusammenkünfte in den Stillgruppen der Vereinsamung der Mütter entgegen. Eine sehr wichtige Unterstützung sind auch die nachbetreuenden Hebammen, auf deren Hilfe die Mütter während der gesamten Stillzeit Anspruch haben.
Dennoch werden diese Angebote meist nicht ausreichend genutzt. Die Inanspruchnahme der Hebammenhilfe liegt in manchen Regionen bei nur 50 Prozent. Auch die Möglichkeit, mit den zertifizierten Laktationsberaterinnen bei Problemen oder im Rahmen von Stillberatungen Kontakt aufzunehmen, wird noch zu selten genutzt. Die Vertreterinnen der Selbsthilfeverbände (AFS und LLL), des Berufsverbands Deutscher Laktationsberaterinnen (BDL) und des Bundes Deutscher Hebammen (BDH) führen dies teilweise auf die mangelnde Kooperationsbereitschaft seitens der Krankenhäuser und der Ärzte zurück. Nach ihrer Einschätzung sind Mütter nicht oder nicht ausreichend informiert und werden auch vom medizinischen Fachpersonal nicht dazu ermuntert, die vorhandenen Angebote zu nutzen. Um hier Abhilfe zu schaffen und das Vertrauen unter den Berufsgruppen zu fördern, empfiehlt der Runde Tisch mit allen beteiligten Berufsgruppen der Region in den Dialog zu treten und lokale Treffen zu organisieren. Hier gibt es bereits gute Beispiele aus Hamburg und Berlin.
Die Nationale Stillkommission (NSK) befasst sich ebenfalls mit der besseren Verknüpfung der Stillförderung in Kliniken mit der in den ambulanten Bereichen. Die Stillkommission entwickelt zurzeit eine Checkliste, die der Mutter bei Entlassung aus der Klinik überreicht werden soll. Anhand dieser Checkliste kann die Mutter feststellen, ob sie sich bei kleineren Problemen selbst helfen kann und ob sie weiß, wo sie sich gegebenenfalls Hilfe holen kann.
Bei der WHO/UNICEF- Initiative "Stillfreundliches Krankenhaus" ist die Stärkung der Stillkompetenz der Mütter sowie die Sorge für ein Weiterbetreuungsangebot ein wichtiges Kriterium, das erfüllt werden muss, um die internationale Plakette zu erlangen. Nach "Schritt Zehn" des weltweiten Programms von WHO und UNICEF müssen Stillfreundliche Krankenhäuser die Entstehung und Stärkung von Stillgruppen fördern und Mütter bei der Entlassung aus der Klinik mit diesen Gruppen in Kontakt bringen.
Viele Stillfreundliche Krankenhäuser bieten sogar in ihren Räumlichkeiten Stillgruppen an oder haben eine Stillhotline, bei der sich Mütter rund um die Uhr Rat holen können. Mit diesen und anderen Maßnahmen gewährleisten Stillfreundliche Krankenhäuser eine optimale Verzahnung der stationären und ambulanten Betreuung.
Der nächste Runde Tisch findet am 21.9.02 von 16.50 h bis 18.10 h im Rahmen der 98. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ) in Leipzig statt. Thema wird die Rolle der Kinderärzte bei der Unterstützung des Stillens sein.
Autor:
Dr. Michael Abou-Dakn ist leitender Oberarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Vivantes Humboldt - Klinikum Reinickendorf (Am Nordgraben 2, 13503 Berlin, Tel.: 030 - 4194 1252/1261, E-Mail: mabou-dakn@krankenhaus-reinickendorf.de.
Er engagiert sich seit vielen Jahren für die Umsetzung der Initiative in seiner Abteilung und ist Zweiter Vorsitzender des Vereins zur Unterstützung der WHO/UNICEF-Initiative "Stillfreundliches Krankenhaus" (BFHI) e.V. und Mitglied der Nationalen Stillkommission Deutschland.
Anmeldungen und Rückfragen zum Runden Tisch in Leipzig bitte an folgende Adresse:
Verein zur Unterstützung der WHO/UNICEF- Initiative "Stillfreundliches Krankenhaus" (BFHI) e.V.
Homburger Straße 22, 50969 Köln
Tel: 0221-3409980 Fax: 0221-3409981
E-Mail: info@stillfreundlicheskrankenhaus.de
Internet: www.stillfreundlich.de
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