Bericht der Weltgesundheitsorganisation 2005
Mütter und Kinder sind weltweit benachteiligt


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Anfang April ihren diesjährigen Bericht vorgelegt. Es geht diesmal schwerpunktmässig um die Gesundheit von Müttern und Kindern. Das Motto: Jede Mutter und jedes Kind zählen.

“It is a disgrace that so many mothers and children remain excluded from the care they need and demand.The consequences are often fatal, and progress is too slow and too patchy. More can and should be done.”

So steht es in der Stellungnahme der WHO zum Bericht, was soviel heisst wie: „Es ist eine Schande, dass immer noch so viele Mütter und Kinder von der Versorgung ausgeschlossen bleiben, die sie brauchen und nach der sie fragen. Die Konsequenzen sind oftmals tödlich, Fortschritt passiert zu langsam und zu uneinheitlich. Es könnte und sollte mehr getan werden.“

Die erschreckenden Fakten:

Kinder:


Frauen:
Zu wenig ist erreicht worden in den letzten 10 Jahren. In vielen Ländern - vorrangig in Afrika, Zentralasien und in Kriegsgebieten - ist noch nicht einmal die medizinische Minimalversorgung gesichert. Es mangelt an Trinkwasser und an einer ausreichenden und qualitativen Ernährung. Viele Frauen und Mütter hungern, ebenso wie ihre Kinder. Kompetente Schwangerenbetreuung und fachkundige Geburtshilfe sind in vielen Teilen der Welt keine Selbstverständlichkeit.

Die hohe Kinder- und Müttersterblichkeit ist auch nur die Spitze des Eisberges: tatsächlich ist die Gesundheit von vielen Millionen Frauen und Kindern lebenslang beeinträchtigt oder permanent gefährdet.




Nach Aussagen der WHO erscheint es aber durchaus möglich, eine Absenkung der Mütter- und Kindersterblichkeit in naher Zukunft zu erreichen:

“Relativ simple Massnahmen können Leben von Kleinkindern retten (Neugeborene warmhalten; lebenswichtige Medikamente bereitstellen; Durchfallerkrankungen, Atemwegsinfektionen und Meningitis behandeln sowie die Ernährung verbessern). Eine qualifizierte Geburtshilfe und eine Notfallversorgung bei Komplikationen sowie ein Überweisungssystem, das den Zugang im Bedarfsfall auch sicherstellt, könnten die Müttersterblichkeit dramatisch senken. [...] Viele Leben lassen sich mit unserem heutigen Wissen retten. Die Herausforderung besteht darin, das Wissen in Handlung umzusetzen.“
(Zitat: WHO Europa, Kommentar zum Bericht 2005)

Die medizinische Grund- und Notfallversorgung und die Bereitstellung von Medikamenten muss gesichert werden, ebenso wie ausreichende Nahrung und der Zugang zu sauberem Trinkwasser. Bestehende Gesundheitssysteme müssen ausgebaut und langfristig stabilisiert werden. Der Zugang zu medizinischer Behandlung muss allen Frauen und Kindern ermöglicht werden. Darüber hinaus sind eine vermehrte soziale Fürsorge, eine flächendeckende Gesundheitserziehung und eine viel stärkere Vertretung der Frauenrechte in den betroffenen Ländern absolut notwendig.

Die Schwangerenversorgung und fachkundige Geburtshilfe muss deutlich verbessert - bzw. in vielen Gegenden überhaupt angeboten - werden. Eine kompetente und präventive Betreuung während der Schwangerschaft durch ausgebildete Fachkräfte ist von grosser Bedeutung, ebenso eine gute Geburtshilfe und eine Nachbetreuung für Mütter und Babies, wie wir sie in den reichen Ländern für uns als Selbstverständlichkeit in Anspruch nehmen.
Es geht - bei geschätzten 46 Millionen Abtreibungen pro Jahr weltweit - vorrangig auch darum, ungewollte Schwangerschaften zu verhüten. Dazu ist es notwendig, ausreichende Mengen qualitativer Verhütungsmittel zur Verfügung zu stellen und Aufklärung zu betreiben, auch was die Verbreitung von AIDS/HIV angeht. Die Öffentlichkeit muss über die Risiken unsachgemäss ausgeführter Abtreibungen informiert werden. Dies gilt insbesondere für Länder in Afrika und Südamerika.

Mehr gesundheitliche Aufklärung und eine effektivere Gesundheitserziehung ist insgesamt dringend notwendig. Hier spielt insbesondere auch die Anleitung zum Stillen eine wesentliche Rolle (nur 38% der Säuglinge werden 4 Monate lang ausschliesslich gestillt). Wissen muss weitergegeben und Anleitung zur Selbsthilfe muss vermittelt werden.

Es besteht ein hoher Bedarf an Hebammen, (Kinder-)Krankenschwestern, ÄrztInnen und anderen Fachkräften aus dem Bereich der Frauen- und Familiengesundheit. In den nächsten zehn Jahren werden mindestens 334.000 zusätzliche Hebammen gebraucht, sowie 27.000 Ärzte und 140.000 andere medizinische Fachkräfte.

Verbesserungswürdig sind aber nicht nur die Versorgungsverhältnisse von Müttern und Kindern in Dritte-Welt-Ländern und in der GUS, sondern auch in der Europäischen Union. In der EU gibt es zwischen den einzelnen Ländern erhebliche und nicht akzeptable Unterschiede, sprich: enorme Benachteiligungen für Frauen und Kinder, die hier wie in anderen Ländern der Welt in erster Linie bedingt ist durch Armut.
Bis zum Jahr 2015 will die WHO weltweit die Sterblichkeit von Kindern im Alter bis zu 5 Jahren um zwei Drittel senken. Die Müttersterblichkeit soll um drei Viertel gesenkt werden. So verspricht es der Regionaldirektor der WHO für Europa.


Jede Minute stirbt eine Frau durch Komplikationen
während der Schwangerschaft oder bei der Geburt.
3 von 4 Frauen könnten gerettet werden.

Jede Minute sterben 20 Kinder unter 5 Jahren.
2 von 3 Kindern könnten gerettet werden.



Erst wenn alle Kinder dieser Welt unsere Kinder sind, 
beginnt der Frieden auf Erden.

- Hermann Gmeiner, Gründer von SOS Kinderdorf -


Quellen und mehr Informationen:


April 2005


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