St. Anna Hospital Wanne-Eickel
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Die Wassergeburt
"Ins Wasser Geboren"

In den letzten Jahren wurde viel über ein Thema gesprochen, unter dem sich nur die wenigsten etwas vorstellen können, oder eine nur ungenügende Vorstellung haben. Es geht um Wassergeburten als eine von vielen möglichen Entbindungsformen innerhalb der natürlichen-familienorientierten Geburtshilfe.

Einige Fragen, die sich wohlmöglich stellen, sind:

Um diese Fragen zu beantworten, haben wir diesen kleinen Artikel vorbereitet. Er soll Ihnen einen Überblick geben, über den Ablauf dieser Geburtsform, die Vorteile, aber auch über die möglichen Risiken und Vorsichtsmaßnahmen, die zu treffen sind. Der Inhalt dieses Artikels ist daher bewußt medizinisch gehalten, um zu versuchen, Ihnen nicht nur Beschreibungen, sondern auch Fakten zu liefern.

Im Gegensatz zu früher, als Schwangerschaft und Geburt als "Gott gegeben" und dadurch in ihrem Ablauf und ihrer Form als nicht beeinflußbar galten, geht das Bewußtsein heute, wie in allen Bereichen des Lebens, vermehrt zurück auf die Ursprünge und die natürlichere Form der Dinge. Wir sehen Schwangerschaft und Geburt heutzutage als einen sehr wohl beeinflußbaren Vorgang an, der allerdings als eines der wichtigsten Ereignisse im Leben der Frau von ihr selbst am meisten und günstigsten beeinflußt und geleitet werden sollte. Die Geburt ihres Kindes kann von der Frau als ein sehr schöner und bewußt erlebter Moment empfunden werden, wenn man dazu die Rahmenbedingungen schafft. Diese Bedingungen zu schaffen, und der Frau die unterschiedlichsten Formen der Selbstentfaltung und Selbstbestimmung zu ermöglichen, ist in den letzten Jahren ein großes Stück Inhalt unserer geburtshilflichen Arbeit hier im St. Anna Hospital geworden.

Noch vor 30 Jahren wurde der, an sich ja physiologische, also ganz natürliche, Vorgang der Geburt in den Krankenhäusern noch so medizinisch und ärztlicherseits kontrolliert gehalten, wie eben möglich. Man war der Ansicht, durch ein Maximum an technischen Hilfsmitteln auch ein Maximum an Sicherheit für die Frau und das Kind zu schaffen. Dadurch wurden die Frauen sehr schnell zu Patienten, also Kranken, die sich einem vorgegebenen Ablauf einer Entbindung zu fügen hatten, ohne auf ihre eigenen Befindlichkeiten während dieses Vorganges achten zu dürfen.

Diese Zeiten sind vorbei, besser, sie sollten vorbei sein. Nicht nur in unserem Hause sondern in vielen Geburtshilfe-Kliniken geht es vermehrt um die Wünsche und die Selbstbestimmung der Frau, sowie um eine angenehme, angstfreie Atmoshäre, die dem schmerzhaften Ereignis "Geburt" den Schrecken nehmen kann.

Im Zuge dieser Entwicklung haben sich daher die verschiedensten alternativen Geburtsformen herauskritallisiert, die der Schwangeren eine breite Pallette an Möglichkeiten bietet, ihr Kind auf die für sie angenehmste Art und Weise zur Welt zu bringen. Hierzu gehören:

Die Geburt im Wasser ist in diesem Spektrum eine weitere Möglichkeit der individuellen Geburtsgestaltung durch die werdenden Eltern.

Warum überhaupt Wassergeburt?

Schon immer wußte man, daß Wasser eine besondere Anziehungskraft auf den Menschen ausgeübt hat. Wasser als weibliche Qualität strömt Ruhe und Geborgenheit aus. Dagegen steht die eher männliche Qualität der Technik in Krankenhäusern und auch in früheren Kreißsälen.Durch den Einfluß des Wassers ist der Mensch imstande, sein rationales Verhalten abzulegen und das Kind in ihm wieder hervorkommen zu lassen. Viele Menschen sehnen sich nach dem Meer, träumen davon mit Delphinen zu schwimmen und singen unter der Dusche oder in der Badewanne.

Im Element Wasser hat sich der Mensch seit jeher wohlgefühlt. Er konnte sich immer schon im Wasser bewegen, noch bevor er laufen konnte.

Bereits 1778 beobachtete Thomas Cook bei seiner Entdeckung der Inseln um Hawaii, daß die Neugeborenen der Inseln auf dem Rücken liegend im Wasser der warmen Bäche und Lagunen schwammen. Alten Überlieferungen nach wurden in vielen Kulturen der Welt die Kinder im Meer geboren, so bei den Ägyptern, den Panama-Indianern und den neuseeländischen Maori. Bekannt war nämlich immer schon, daß während der Wehen die Anziehungskraft von warmen Wasser am größten ist. So wird zum Beispiel in einem Buch, das um die Jahrhundertwende veröffentlicht wurde und den Titel trug " Die Frau als Hausärztin", bei schwierigen Wehen ein warmes Wannenbad empfohlen. Und so kam es zunächst einmal zu der Entwicklung von warmen Wannenbädern während der Eröffnungsphase des Muttermundes, wie sie bereits vor 200 Jahren in Frankreich üblich waren.

Durch dieses warme Vollbad, das in vielen Kliniken seit Jahren praktiziert wird, wurde schon weitgehend ein Circulus vitiosus, ein Teufelskreis, durchbrochen, der sich äußert in Schmerz---->Angst ----> Verspannung----> Schmerz. Die Wärme des Wassers wirkt entspannend auf die Frau, der Muttermund kann sich leichter öffnen, da der Entspannungsgrad der Frau unmittelbar mit der Festigkeit und Rigidität des Muttermundes zusammenhängt. Bei maximaler Entspannung erfolgt auch am Muttermund eine Entkrampfung und eine Erweichung, die zur leichteren Öffnung führt. Die Wehen, die sozusagen an den Muskeln des Muttermundes arbeiten, sind von der Frau leichter zu tolerieren, der Schmerz wird gelindert, die Angst reduziert, dadurch wiederum das Vermögen loszulassen und sich zu entspannen gesteigert.

Während eines solchen Entspannungsbades hat es immer wieder Fälle gegeben, in denen die Frau zur eigentlichen Entbindung die Wanne nicht mehr verlassen konnte, da der Verlauf zu weit fortgeschritten war. Die Presswehen der sogenannten Austreibungsphase hatten begonnen und die Kinder sind in diese normalen Badewannen geboren. Die erste so " verunfallte" Geburt soll bereits 1805 in Frankreich stattgefunden haben.

Diese Erfahrungen führten dazu, die Wassergeburt als eigenständige Entbindungsform zu überprüfen, ihre Vor- und Nachteile in Studien zu belegen und in den letzten Jahren mehr und mehr zu etablieren.

Wassergeburten werden demnach grundsätzlich aus zwei Gründen durchgeführt und bejaht:

Wie verläuft eine Wassergeburt?


Der Verlauf einer Wassergeburt gestaltet sich folgendermaßen:

Zunächst einmal findet die Wassergeburt nicht im Swimmingpool des Krankenhauses statt, sondern in einer dafür eigens vorgesehenen Gebärbadewanne, in einem ebenfalls für diesen Zweck ausgerüsteten Kreißsaal, der einigen Sicherheitsbestimmungen zu genügen hat, wie zum Beispiel rutschfeste Böden, Haltevorrichtungen am Wannenrand etc.

Im Regelfall liegt die Frau in dieser bis etwa Nabelhöhe gefüllten Gebärwanne, die ihr genug Platz bietet, sich in die Haltung zu begeben, die ihr am bequemsten erscheint. Hebamme, Arzt und Partner leiten und begleiten die Frau und die Geburt "vom Wannenrand aus", wobei alles so ausgestattet ist, daß es nicht zu einem Verlust an Nähe dieser Personen kommt. Einen Badezusatz gibt es nicht. Das Wasser sollte eine Temparatur von ca. 34-36°C haben. Sowohl Eröffnungs-als auch Austreibungsperiode - also Preßperiode - können hier stattfinden. Die kindlichen Herztöne werden kontinuierlich über wasserdichte Schallköpfe abgeleitet. Die Übertragung auf den Wehenschreiber erfogt dabei aus Sicherheitsgründen nicht über Kabel, sondern per Funk.

Die Hebamme befindet sich am Wannenrand, unterstützt und leitet die Frau. Gegen Ende der Austreibung kann es zu einem Nachlassen der Wehentätigkeit kommen, dies wird durch das Aufstehen und durch einige Minuten Stehen am Seil in der Wanne reguliert; die kältere Außenluft wirkt wehenfördernd auf die Gebärmutter. Wenn die Wehen wieder stärker werden, kann sich die Frau wie gehabt in die Wanne zurücklegen. Der Kopf des Kindes tritt jetzt tiefer. Die Hebamme kann den Damm wie gewohnt untersuchen. Ein Dammschnitt, die sogenannte Episiotomie, kann zwar im Wasser ebenfalls durchgeführt werden, falls der Damm zu reißen droht, ist normalerweise aber nicht notwendig. Der Kopf wird in das Wasser geboren, steht eine Wehe lang im Scheideneingang der Frau, dann folgen die Schultern. Das Kind wird von der Hebamme oder - besser noch - von der Frau selber innerhalb von 5-10 Sekunden an die Wasseroberfläche gebracht und auf den Bauch der Mutter gelegt, wo es vom warmen Badewasser umspült wird. Die Abnabelung des Kindes wird in der Regel durch den Vater, bei dem noch mit der Mutter im Badewasser liegenden Säugling durchgeführt.

Danach ist vor allem zunächst für Wärme und Ungestörtheit für Mutter und Kind zu sorgen. Die Frau sollte nichts anderes zu tun haben, als sich um ihr Kind zu kümmern. Blickkontakt, Hautkontakt und mit dem Kind sprechen sind jetzt besonders wichtig. Das Anlegen zum Stillen ist hier bereits möglich.

Auch die Geburt des Mutterkuchens kann im Wasser erfolgen. Häufig haben die Frauen dann nur für wenige Tage Wochenfluss.

Eventuelle Verletzungen, wie Dammrisse oder Dammschnitte, werden im Anschluß an die Erholungsphase durch den Arzt "an Land" vorgenommen, während sich Vater und Hebamme um das Kind kümmern. Die Atmosphäre wird während dieser ganzen Zeit gleichbleibend ruhig gehalten. Der Raum ist abgedunkelt, angenehm warm, auf Wunsch kann eigene Musik im Hintergrund gespielt werden oder es werden ätherische Öle im Raum vernebelt.

Ist die Wassergeburt sicher?

So angenehm und harmonisch das nun gehalten und praktiziert wird, es stellt sich trotzalledem für viele von Ihnen die Frage, ist die Wassergeburt eine ebenso sichere Entbindungsform, wie die Geburt "an Land" ? Warum ertrinkt das Kind nicht?

Dazu möchten wir Ihnen in sehr einfachen Worten etwas über die Physiologie des Ungeborenen und Neugeborenen erzählen, die der Sicherheit der Wassergeburt zugrunde liegt.

Drei wesentliche physiologische, also normale Vorgänge schützen das Kind vor der Einatmung von Wasser unter der Geburt.

1. Der Diving-Reflex:

Das Kind verfügt bereits im Mutterleib über einen Reflex, der sich Tauchreflex nennt. Ausgelöst wird dieser über Rezeptoren in der kindlichen Gesichtshaut. Rezeptoren sind Nervenendigungen, die Reize aufnehmen und daraufhin eine Reaktion auslösen. Diese Rezeptoren lösen, solange sie mit Wasser in Berührung stehen, den Verschluß des kindlichen Kehlkopfes aus. Dieser Verschluß erfolgt reflexartig, also immer und durch den Willen nicht beeinflußbar. Solange also das kindliche Gesicht mit Wasser in Berührung steht, kann es zu keinem Einatmen von Badewasser in die kindlichen Lungen kommen. Der reflexartige Verschluß wird erst aufgehoben, wenn die Hautrezeptoren des Gesichts mit Außenluft statt mit Wasser in Berührung kommen. Im Fall der Wassergeburt also in dem Augenblick, in dem das Kind aus dem Wasser auftaucht und der Mutter auf den Bauch gelegt wird. Hierbei ist darauf zu achten, das der Kopf danach nicht wieder unter die Wasseroberfläche gerät, damit der Kehlkopf in Öffnungsstellung bleibt und das Kind seine ersten Atemzüge tun kann, die wiederum durch die Rezeptoren angeregt werden, sobald sie als Signal die Außenluft registrieren.

2. Die kindlichen Atembewegungen im Mutterleib:

Lange dachte man, daß das Kind im Mutterleib, also im Fruchtwasser, nicht atmet. Man fand jedoch heraus, daß der Tauchreflex über lange Zeit einer Gewöhnung unterliegt, so daß es über kurze Strecken zu regelmäßigen Ein-und Ausatmungsbewegungen kommt. Das ungeborene Kind "übt" die Atembewegungen, der kindliche Brustkorb und die Lunge können sich an die bevorstehende Dehnung gewöhnen. Das Einatmen im Fruchtwasser entspricht damit einer eventuellen Einatmung unter Wasser außerhalb des Mutterleibes.

3. Kindliche Lungenflüssigkeit:

Wenn das Kind jetzt jedoch Atemexkursionen im Fruchtwasser vollzieht, müßte theoretisch auch Fruchtwasser in die Lunge gelangen. Da die Lunge des ungeborenen Kindes täglich etwa 250-300 ml Lungenflüssgkeit bildet, ist die fetale Lunge jedoch bereits mit Flüssigkeit gefüllt. Diese Flüssigkeit ist für die Ausdehnung der Lunge nach der Geburt wichtig. Bei dem Versuch Wasser in die Lunge einzuatmen kommt es somit nur zu einer Verschiebung von Flüssigkeitssäulen, und nicht zu einem Vollaufen eines luftgefüllten Raumes.

Genau diese Flüssigkeit befindet sich gegen Ende der Geburt noch in der Lunge des Kindes, so daß es nicht zu einem Einlaufen von Badewasser in die Lungen kommen kann.

Was geschieht mit der Lungenflüssigkeit? Ungefähr drei Tage vor Einsetzen der Wehen kommt es durch eine hormonelle Steuerung aus dem Gehirn des Kindes zu einer Rückresorption, einer Aufnahme der Flüssigkeit aus den Lungenbläschen in das Blutsystem, die zur Zeit der Geburt noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Den verbleibenden Rest hustet das Kind nach der Geburt ab, in manchen Fällen, bei grünem Fruchtwasser zum Beispiel, wird die Lunge nach der Geburt kurz abgesaugt. Erst wenn das Kind den ersten Atemzug macht, entfaltet sich die Lunge und füllt sich mit Luft.

Diese Phänomene, vor allem den Tauchreflex, macht man sich seit längerem für das wiederentdeckte Babytauchen zunutze. Dies ist der wohl beste Beweis dafür, daß Säuglinge bis zum vierten Lebensmonat in der Lage sind Tauchgänge durchzuführen, wobei der Verschluß ihres Kehlkopfes reflexartig erfolgt. Kommt nämlich nach der Geburt das kindliche Gesicht erneut mit Wasser in Berührung, tritt der Tauchreflex wieder in Kraft. Erst nach dem vierten Monat verliert sich diese, auf einem System früherer angeborener Reflexe beruhende Fähigkeit wieder. Danach muß das Kind neu erlernen, was es bis dahin unbewußt gekonnt hat, nämlich Schwimmen und Tauchen.

Die bisher beschriebenen Schutzreflexe des Kindes unter Wasser können aber unter bestimmten Bedingungen außer Kraft gesetzt werden. Dies gilt vor allem dann, wenn es im Mutterleib zu einem Sauerstoffmangel des Kindes kommt. Ursache dieser sogenannten Hypoxie können Nabelschnurumschlingungen, eine Unterfunktion des Mutterkuchens, sowie zu starke Gebärmutterkontraktionen oder einfach die Erschöpfung des Kindes sein. Erkennen kann man solch eine Sauerstoffunterversorgung durch Veränderung der kindlichen Herztonkurve auf dem Wehenschreiber, dem CTG. Bei dem Verdacht auf eine Sauerstoffmangelsituation wird die Frau gebeten, die Wanne zu verlassen. Eine Hypoxie nämlich kann den Tauchreflex außer Kraft setzen. Der Kehlkopf des Kindes öffnet sich, und es kann tatsächlich zum Eindringen von Wasser in die Lunge kommen. Auch durch andere Geburtsrisiken kann es während der Geburt zur Aufhebung der physiologischen Schutzreflexe kommen, so daß von einer Wassergeburt abgeraten wird bei:

Da all diese Umstände das Risiko eines Sauerstoffmangels in sich tragen, sollte hier auf eine Wassergeburt verzichtet werden. Auch bei zusätzlichen geburtshilflichen Risiken wie Mehrlingsschwangerschaft oder Beckenendlage sollte von einer Wassergeburt abgesehen werden.

Das klingt jetzt dramatischer, als es in Wirklichkeit ist. Die weitaus meisten Schwangerschaften und Geburten zeigen komplikationslose Verläufe. Es ist vielmehr als eine Sicherheitsmaßnahme zu sehen, denn bei aller Natürlichkeit der Entbindung sollten Sicherheitsfaktoren nicht außer acht gelassen werden.

Gibt es spezielle Risiken der Wassergeburt?

Einige Studien beleuchten Fragen bezüglich der Risiko-Aspekte von Wassergeburten. Untersucht wurden:

a) Das Infektionsrisiko des Säuglings

Gibt es ein Infektionsrisiko für das Neugeborene im Badewasser nach der Entbindung?
Nachgewiesen wurde, daß es zu keiner erhöhten Ansteckungsgefahr des Kindes durch das mit Fruchtwasser und Blut vermischte Badewasser kommt. Es handelt sich um körpereigene Stoffe der Mutter, mit denen das Kind seit 9 Monaten lebt und an die es gewöhnt ist.

Eine Ansteckungsquelle könnte die Badewanne selber nach mehreren verschiedenen Bädern sein. Trotz Reinigung und Desinfektion können sich zwischen zwei Wassergeburten Keime am Beckenrand ansiedeln. Um dieses geringe Infektionsrisiko auszuschließen, werden in regelmäßigen Abständen mikrobiologische Abstriche aus der Wanne entnommen und ausgewertet.

b) Kreislaufproblematiken der Mutter

Kommt es durch das warme Badewasser zu Kreislaufproblemen der Mutter, die sich negativ auf den Geburtsverlauf auswirken können?
Solange die Wassertemparatur die Körpertemparatur von 36°C nicht übersteigt, kann es bei einer gesunden Schwangeren zu solchen Dysregulationen nicht kommen. Diese Überlegung ist ein eher individuelles und theoretisches Problem. Bei eventuell aufkommenden Kreislaufproblematiken kann durch Zulauf von kaltem Wasser, Öffnen des Fensters etc. schnelle Abhilfe geschaffen werden.

c) Gefäßerweiternder Effekt des warmen Wassers

Kommt es zu einer Gefäßerweiterung im Wasser und damit zu einer erhöhten Blutungsgefahr?
Auch dies ist individuell verschieden. Jede Frau blutet unter der Geburt verschieden stark. Um eine verstärkte Blutung zu verursachen, müsste das Wasser weit mehr als 36° C warm sein. Darüber hinaus ist die Verweildauer der Frau in der Wanne nicht lang genug, um einen tatsächlichen Erweiterungseffekt an den Beckengefäßen auszulösen. Mit Hilfe von kaltem Wasser lassen sich aber andererseits bestehende Blutungen durchaus vermindern.

d) Hilfe bei Geburtshindernissen

In einem solchen Fall, bei Auftreten einer Schulterdystokie, einem Steckenbleiben der Schultern nach Geburt des Kopfes beispielsweise, wird der Mutter geraten, direkt aus der Wanne zu steigen und sich auf das nahestehende Kreißbett zu legen. Solche Situationen sind allerdings bei Wassergeburten sehr selten. Sollten sie dennoch einmal auftreten, müssen vom Geburtshelfer bestimmte Hilfsmanöver durchgeführt werden, die optimalerweise im sogenannten Querbett erfolgen, da hier der Damm für den Geburtshelfer ausreichend überschaubar und für die Hilfsmanöver genug Platz vorhanden ist.

Fazit: Es gibt keine Geburtskomplikationen, die durch eine Wassergeburt verschlimmert werden. Sollten einmal Komplikationen auftreten, die ein medizinisches Eingreifen erforderlich machen, so hat man immer die Zeit die Wanne zu verlassen. Eine Umlagerung auf das Quebett dauert wenige Sekunden und stellt keinen Zeitverlust für die Einleitung von Hilfsmaßnahmen dar.

Gibt es spezielle Vorteile der Wassergeburt?


Daneben stehen, auch von Studien untermauert, die ganz klaren Vorteile der Wassergeburt:

Diese Untersuchungen sprechen demnach eindeutig die Vorteile der Wassergeburt aus, abgesehen von den angenehmen Rahmenbedingungen, die das warme Wannenbad für Mutter und Kind bietet.

In unserem Hause jedoch wurde die Geburt in der Gebärbadewanne vor allem eingeführt um gemäß unserer " Philosophie" unseren Respekt vor den Wünschen und der Selbstbestimmung der Frau zum Ausdruck zu bringen, indem wir Ihnen eine weitere von vielen Entbindungsformen ermöglichen.

Weiterführende Literatur:

Quelle: St. Anna Hospital Wanne-Eickel, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
www.annahospital.de

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