Hebammen-Geschichte
Von archäologischen Funden her weiss man, dass schon in prähistorischer Zeit Helferinnen bei der Geburt anwesend waren. Dennoch kann man nicht sagen, dass der Hebammenberuf so alt ist wie die Menschheit. Aus der Zeit der Antike ist eine bedeutende geburtshilfliche Tradition von Hebammen, den Maiai, überliefert. Geburtshilfliche Lehrbücher belegen den hohen Stand von dieser Zeit. Mit Ende der Antike verschwand dieser Typ der wissenschaftlich gebildeten, eher als Ärztinnen anzusehenden Hebammen. In den folgenden Jahrhunderten oblag die Geburtshilfe den Weisen Frauen.
Die zur Gegenwart führende Entstehungsgeschichte der berufsmässigen Hebammen ist in den Städten des Mittelalters entstanden. Sie organisierten sich zunftähnlich, bildeten einem Handwerk entsprechen Lehrmädchen aus und wurden zum Bestandteil einer geregelten medizinischen Versorgung der städtischen Bevölkerung. In der Hierarchie waren die Hebammen in Ehrbare Frauen, Oberhebammen, Lehrmägde, Stuhlweiber und andere Gehülfinnen eingegliedert. Es gab zu der Zeit auf Geburtshilfe spezialisierte Hebammen einerseits und heilkundige Frauen, andererseits, die zugleich Hebamme und Weise Frau waren. Diese behandelten neben Geburtshilfe als Nachbarschaftshilfe auch allgemein Krankheiten. Für sie, die ihr Erfahrungswissen und Können wahrscheinlich mündlich weitergaben, gibt es in historischen Quellen kaum Belege. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurden in den Städten die Stellung der Stadtärzte geschaffen und mit an Universitäten ausgebildeten Medizinern besetzt. Diese Mediziner, die zwar über viel Literaturkenntnisse, aber wenig Volksnähe und Praxis verfügten, errangen bis zum Ende des 15. Jahrhunderts eine ärztliche Vormachtstellung in den Städten. Nur die Geburtshilfe, Frauen- und Kinderheilkunde blieben in den Händen der Hebammen und anderen heilkundigen Frauen.
Ab dem 16. Jahrhundert übernahmen die Ärzte dann allmählich die Kontroll- und Machtfunktion der Ehrbaren Frauen und über die Hebammen. Sie erweiterten somit ihre geburtshilflichen Kenntnisse durch Erfahrungen von Hebammen, die sie darüber examinierten. Ab 1440, mit der Erfindung des Buchdrucks verfassten Ärzte Hebammenbücher und Schriften. Das erste, in deutscher Sprache entstandene Hebammenlehrbuch stammt von 1513, geschrieben vom Frankfurter Stadtarzt Eucharius Rösslein. Die Geringschätzung der Hebammen, die unter Medizinern ab dem 16. Jahrhundert weit verbreitet war, stand im Kontrast zur hohen, geachteten Stellung der Stadthebammen, die sogar vom Gericht zugezogen wurden. Dies, wenn es um Themen wie Verdacht auf Schwangerschaft, Abort, begangenen Kindesmord, aber auch Jungfräulichkeit und Impotenz ging. Während die geschworenen (geprüften) Hebammen zunehmend kontrolliert wurden, aber auch selbst Kontrolle ausüben sollten, setzte eine allmähliche Verfolgung der freien Hebammen als Hexenhebammen ein. Bis Ende des 18. Jahrhunderts fielen der grossen Hexenverfolgung viele Hebammen zum Opfer.
Im preussischen Medizinaledikt von 1725 wurde angeordnet, dass alle Hebammen vor der Zulassung von Medizinalcollegien 'ordentlich examiniret und approbiret' sowie in der Anatomie an weiblichen Leichen zu unterrichten seien. Bei komplizierten Geburten sollten sie nun einen Arzt hinzuziehen, womit der Grundstein zur Reduzierung der Hebammentätigkeit auf die normale Geburt gelegt wurde.
Das Kindbettfieber und die Hygiene waren prägende Faktoren dieser Zeit. Ignaz Philipp Semmelweis (1818-1865) erkannte erstmals den Zusammenhang zwischen Kindbettfieber und mangelnder Hygiene. Mit der Einführung der Asepsis konnten die Todesfälle im Wochenbett stark reduziert werden. Die Lage der Hebammen verschlechterte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend. Sie waren von der Verarmung der Bevölkerung im Zuge der Industrialisierung als meist selbständig Arbeitende betroffen. Die Gebärenden und Wöchnerinnen konnten häufig nicht bezahlen oder wandten sich gleich an eine kostengünstigere Wickelfrau. In dieser Zeit wurden die Hebammen oft als Hauptverantwortliche bei Kindbettfieber gesehen. Ihre Arbeit wurde als völlig veraltet angesehen. Diese Haltung bestimmte die bald darauf einsetzende Bewegung zur Reform des Hebammenwesens. Ziel war es, die Hebammengeburtshilfe im Privathaus als veraltet abzuwerten, um damit das Krankenhaus mehr ins Zentrum der Geburtshilfe zu rücken und antiseptische Massstäbe der Klinik auf die Arbeit der Hebammen zu übertragen.
Quelle und mehr Informatives bei:
Claudia Putscher-Ulrich,
Hebamme und Kinderkrankenschwester
http://www.putscher.ch
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