Babys und Hygiene – was ist genug, was ist zu viel?

Wer heutzutage durch die Reinigungsmittel- und Hygieneabteilungen der Supermärkte schlendert, findet immer mehr Desinfektionsmittel. Das gilt nicht nur für WC-Reiniger, sondern auch für andere Putzmittel und viele Produkte zum Händewaschen.

Abbildung 1: Alles, womit Babys und Kleinkinder in Berührung kommen, sollte sauber sein. Desinfektionsmittel sind in den seltensten Fällen notwendig.
Abbildung 1: Alles, womit Babys und Kleinkinder in Berührung kommen, sollte sauber sein. Desinfektionsmittel sind in den seltensten Fällen notwendig.

Hautärzte und Hygieniker sehen den Gebrauch von zu viel Desinfektionsmitteln eher kritisch. Sie weisen regelmäßig darauf hin, dass zu viel davon zu Resistenzen führen kann. Außerdem sind viele der Inhaltsstoffe bei Dauergebrauch schädlich für die Gesundheit. Das gilt umso mehr bei einem Baby. Doch wie viel Hygiene ist in einem Haushalt mit Baby notwendig?

Die Babyflaschenhygiene

Nach jeder Mahlzeit ist es notwendig, die Babyflaschen und die Sauger mit heißem Wasser und Spülmittel zu reinigen. Dazu eignet sich eine Flaschenbürste am besten, die nur für diesen Zweck vorbehalten ist. Das Spülmittel immer gründlich abspülen. Die Flaschen dann einfach trocknen lassen und an einem luftigen Ort aufbewahren, dabei mit einem sauberen Geschirrtuch abdecken.

Silikonsauger sind etwas hygienischer als Gummisauger. Letztere können porös werden. Dadurch können Bakterien sich leichter ansiedeln. Sollten die Sauger die Farbe verändern oder rau werden, ist es an der Zeit sie auszutauschen. Für die Babyhygiene ist es ausreichend, die Sauger gelegentlich, etwa ein- bis zweimal die Woche, auszukochen. Dafür stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Viele Schnullerhersteller haben auch sogenannte Vaporisatoren im Angebot. Damit lassen sich die Schnuller und Sauger mit Dampf sterilisieren. Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung eines Ultraschallreinigers. Er reinigt ohne Reinigungsmittel und ohne Hitze. Zudem kann er eventuell vorhandene, vielleicht sogar eingetrocknete Milchreste gleich mitentfernen.

Tipp: Den Sauger vom Fläschchen nicht in den Mund nehmen. Auf diesem Weg überträgt sich Karies ganz leicht. Um die Temperatur zu testen, ist die empfindliche Innenseite des Handgelenks sehr gut geeignet.

Beim Stillen auf Hygiene achten

Mütter, die ihre Babys stillen, brauchen eigentlich nicht viel, schon gar keine Desinfektionsmittel. Es sollte selbstverständlich sein, die Brust nur mit sauberen, frisch gewaschenen Händen zu berühren. Ansonsten ist hier keine weitere Reinigung notwendig. Es gibt Empfehlungen, die Brust vor dem Stillen mit einem feuchten Waschlappen abzuwaschen. Das ist jedoch nicht notwendig. Im Gegenteil: Durch das Abwaschen geht der besondere Geruch verloren, an dem sich das Baby orientiert. Denn der Warzenvorhof bringt ein Drüsensekret hervor, das Lockstoffe enthält. Einmal am Tag normal waschen oder duschen ist vollkommen ausreichend. Mütter, die ein Stillhilfsmittel verwenden, beispielsweise ein Stillhütchen, sollten dieses nach jedem Gebrauch kurz durchwaschen.

Regelmäßig Hände waschen

Abbildung 2: Beim Stillen sind keine besonderen Hygienevorkehrungen zu treffen.
Abbildung 2: Beim Stillen sind keine besonderen Hygienevorkehrungen zu treffen.

Im Krankenhaus müssen die Mütter und alle Personen, die das Baby anfassen, sich die Hände desinfizieren. Dort ist es notwendig, weil viele Menschen ein und aus gehen. Zuhause ist das nicht mehr notwendig. Hier ist das Händewaschen mit Wasser und Handseite die effektivste Methode. Damit lässt sich die Ausbreitung von Krankheitskeimen im Alltag verhindern. Den Merksatz „nach dem Klo und vor dem Essen Händewaschen nicht vergessen“ kennt wahrscheinlich jeder. Dem gibt es nur wenige Punkte hinzuzufügen:

  • direkt nach dem Heimkommen
  • vor der Zubereitung von Mahlzeiten
  • nach dem Anfassen von fremden Tieren

Richtig Händewaschen

Abbildung 3: Durch richtiges und regelmäßiges Händewaschen lassen sich viele Krankheitserreger einfach wegspülen, bevor sie in den Körper gelangen.
Abbildung 3: Durch richtiges und regelmäßiges Händewaschen lassen sich viele Krankheitserreger einfach wegspülen, bevor sie in den Körper gelangen.

Viele denken, den Wasserhahn aufzudrehen, die Hände kurz abzuspülen und dann den Wasserhahn wieder zuzudrehen, würde ausreichen. Ganz so einfach ist es nicht.

So geht richtiges Händewaschen:

  1. Wasserhahn aufdrehen
  2. die Hände kurz anfeuchten
  3. Seife auf den Händen verteilen und gründlich reinigen. Dabei sind Handrücken, Finger, Fingerspitzen, Daumen, die Bereiche zwischen den Fingern und auch die Nägel wichtig. Das Ganze dauert etwa 20 bis 30 Sekunden, so die Empfehlung. Zuhause sind 10 bis 15 Sekunden eher realistisch.
  4. Seife gründlich abspülen
  5. mit einem trockenen und sauberen Handtuch abtrocknen

Zu sauber ist nicht zwangsläufig besser

Es ist wichtig, in einem Haushalt mit Baby alles sauber zu halten. Babys und Kleinkinder haben noch kein so starkes Immunsystem und brauchen einen gewissen Schutz vor Krankheitskeimen. Aufgrund der guten hygienischen Voraussetzungen ist die Kindersterblichkeit in vielen Industrieländern gering. Doch gerade diese Kinder brauchen eigentlich etwas mehr Schmutz und nicht noch weniger. Denn die Hyperpingeligkeit schießt etwas über das Ziel hinaus. Vor allem Allergologen kritisieren dies.

Ist die Umgebung eines Babys oder Kleinkinds zu sauber, ist das nicht unbedingt gut für die Kleinen. Logischerweise sollte eine Wohnung sauber sein, jedoch nicht zu sauber. Denn für das Immunsystem der Babys ist es wichtig, dass das Kind mit den spezifischen Keimen zuhause in Berührung kommt. Außerdem sind Desinfektionsmittel schädlich für die Haut. Sie stören die Mikroorganismen, die die Haut normalerweise schützen.

Zudem gelangen die meisten Krankheitserreger über die Hände in den menschlichen Körper. Denn die Hände kommen ständig in Kontakt mit Gegenständen, anderen Menschen, anderen Organismen. Da der Mensch sich sehr oft ins Gesicht fasst, gelangen die Keime leicht auf die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund. Regelmäßiges Händewaschen halbiert das Risiko, sich mit Durchfallerkrankungen anzustecken. Deshalb ist es so wichtig, dass jeder, der von draußen kommt, sich zunächst die Hände wäscht.

Zu diesem Thema forscht auch das Helmholtz-Zentrum in München. Die Forscher dort haben die Hygiene-Hypothese, seltener auch Bauernhof- oder Urwaldhypothese, aufgestellt. Diese Hypothese beruht auf Beobachtungen, wonach Allergien und Hauterkrankungen in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen haben. Auf einem Bauernhof aufgewachsene Kinder haben Studien zufolge viel seltener Heuschnupfen, Asthma oder andere Allergien als Kinder in normalen Haushalten, egal ob in der Stadt oder in einem kleinen Dorf. Der Aufenthalt im Kuhstall und das Trinken von Rohmilch spielen dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Mikroorganismen haben scheinbar sogar eine Schutzwirkung gegen Allergien.

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