Dem kommenden Nachwuchs ein schönes Nest bauen.

Ein Baby ist unterwegs. Für die meisten werdenden Eltern ist das ein Grund zur Freude.

Vor allem Mütter können zu mehr als 95 Prozent bestätigen, dass ihre Vorfreude auf den Nachwuchs mit jeder Schwangerschaftswoche wächst. Und während sich der weibliche Körper nach und nach immer mehr auf seine Aufgabe vor, während und vor allem nach der Geburt vorbereitet, kann sich auch in der Psyche einiges verändern. Und eines Tages lässt es sich einfach nicht mehr leugnen, der Nestbautrieb hat eingesetzt. Mit diesem aus dem Tierreich entlehnten Begriff ist das Bedürfnis vor allem vieler werdender Mütter gemeint, ihr häusliches Umfeld so gut wie möglich auf die Ankunft des neuen Familienmitgliedes vorzubereiten, ihm also ein gemütliches Nest herzurichten.

Psychologisches Phänomen oder eingebildeter Kaufrausch?

Der Nestbautrieb ist wissenschaftlich längst nicht so gut erforscht wie viele andere Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft, seien sie körperlicher oder psychischer Natur. Allerdings hat die Amerikanische Schwangerschaftsgesellschaft (APO) das so genannte „Nesting“ offiziell als wissenschaftliches Phänomen anerkannt. Ob es sich nun einfach auf eine von der Vorfreude beseelte anhaltende Euphorie handelt oder ob die Schwangerschaftshormone tatsächlich ein genetisches Programm auslösen, das für den Nestbautrieb verantwortlich ist, zu leugnen ist ein wachsendes Bedürfnis, dem Nachwuchs ein gemütliches Nest zu schaffen, in vielen Fällen nicht. Da scheint der Mensch bei all seinen überragenden kognitiven Fähigkeiten dem Tierreich in nichts nachzustehen.

Die meisten werdenden Mütter und auch einige Väter kennen das Gefühl, das sie mit fortschreitender Schwangerschaft dazu bringt, den Shoppingbummel in den Babymarkt zu verlegen und das Internet und Zeitschriften nach Babyausstattung zu durchstöbern. Wie stark der Nestbautrieb ausgeprägt ist, ist ganz verschieden. Er reicht vom verzückten Blick in die Babyabteilung im Kaufhaus über Dekorationsphantasien in Pastelltönen und eine Dauerkarte im Babymarkt bis hin zu dem dringenden Wunsch, eine Immobilie zu erwerben. Manchmal entwickelt sich der Nestbautrieb ganz allmählich und schleichend. Es fängt beim Kauf der ersten Babysöckchen an und steigert sich von Woche zu Woche, bis sich schließlich doch die Kisten stapeln. So manche werdende Mutter wacht aber auch eines Morgens auf und verspürt wie aus dem Nichts das dringende Bedürfnis, in den nächsten Baumarkt zu fahren, um Tapeten und Farben in zarten Pastelltönen zu kaufen und das Babyzimmer auf Hochglanz zu bringen. Besonders euphorische Schwangere beginnen bereits mit dem positiven Schwangerschaftstest damit, Einkaufslisten zu führen oder sich durch passende Musik in Schwangerschaftsstimmung zu bringen. Sie genießen den Vergleich von Produkten in der Schwangerschaft, tummeln sich in themenrelevanten Foren und brennen förmlich darauf, selbst in Sachen Nestbau aktiv zu werden.

Forscher halten vor allem den Mutterinstinkt für verantwortlich, wenn der Nestbautrieb dazu führt, dass das Babyzimmer eingerichtet und allerhand nützliche und weniger nützliche Dinge angeschafft werden. Das Bedürfnis werdender Mütter, es ihrem Baby so gemütlich wie möglich zu machen, damit es ihm von Geburt an an nichts fehlt, kann sehr stark werden. Fachärzte und Hebammen berichten beispielsweise von Fällen, in denen werdende Mütter die bevorstehende Geburt scheinbar unterbewusst so lange hinausgezögert haben, bis das letzte Detail im heimischen Nest fertiggestellt war. Erst nachdem alles zur vollständigen Zufriedenheit hergerichtet war, setzten die Wehen ein. Was selbstverständlich auch als Zufall gedeutet werden kann, lässt ein äußerst starkes bewusstes oder unterbewusstes Bedürfnis erahnen, das vor allem Frauen mit einem ausgeprägten Mutterinstinkt inhärent ist. Was häufig als bloßer Kaufrausch aus übergroßer Vorfreude abgetan wird, könnte also durchaus auf ein tiefsitzendes genetisches Programm hinweisen, das werdende Eltern und vor allem Mütter ihren Pendants aus dem Tierreich ein Stück näherbringt.

Was gehört zum Nestbautrieb?

So individuell wie jede Schwangerschaft ist auch der Nestbautrieb einer werdenden Mutter. Das gilt sowohl für seine Intensität und den Zeitpunkt, an dem er einsetzt, als auch dafür, in welcher Form er sich manifestiert. Zwei wesentliche und ganz praktische Aspekte liegen dem Nestbautrieb aber in allen Fällen zugrunde:

  1. Die Vorbereitungen sollen gewährleisten, dass es dem Baby nach der Geburt gut geht und dass es von Anfang an bestmöglich versorgt werden kann.
  2. Die werdenden Eltern, vor allem die Mütter, möchten sich so gut wie möglich auf ihre neue Aufgabe vorbereiten und sich selbst die Eingewöhnung in den neuen Alltag als Familie nach der Geburt so einfach und komfortabel wie möglich gestalten.

Auf diese beiden Grundgedanken gehen eigentlich alle Vorbereitungen zurück, die im Rahmen des Nestbautriebes getroffen werden. Und so leben die meisten werdenden Eltern ihren Nestbautrieb aus:

Das Babyzimmer oder der Schlafplatz des Babys wird liebevoll eingerichtet

Ganz gleich, ob das Baby ein eigenes Zimmer bekommen oder einen Schlafplatz bei den Eltern erhalten soll, je näher die Geburt rückt, desto wichtiger ist es werdenden Eltern, dass die unmittelbare Umgebung des Babys perfekt ist. Ein gemütliches und sicheres Babybett, eine Wiege oder ein Stubenwagen müssen her, ebenso eine Wickelmöglichkeit und natürlich reichlich kuschelig-süße Babykleidung, Pflegeprodukte und Spielartikel. Die farbliche Gestaltung des häuslichen Umfelds gewinnt im Rahmen des Nestbautriebes auch meist an Bedeutung. Erst wenn das Mobile über dem Bettchen hängt und die Kuscheldecke bereit liegt, empfinden werdende Mütter meist eine innere Ruhe, mit der sie in die Geburt gehen möchten.

Das häusliche Umfeld wird babysicher gemacht

Das Zuhause eines Babys muss nicht nur gemütlich, sondern vor allem auch sicher sein. Viele werdende Eltern überprüfen im Rahmen ihres Nestbautriebes deshalb das häusliche Umfeld auf Sicherheitsrisiken wie Steckdosen, scharfe Kanten oder Treppen. Auch wenn Babys erst nach einigen Wochen beginnen, ihr Umfeld auf eigene Faust zu erforschen, beruhigt es viele Mütter und Väter, wenn bereits vor der Geburt alles babysicher gemacht wurde.

Shoppingtour fürs Baby

Ein ganz klassisches Anzeichen für den Nestbautrieb sind ausgiebige Shoppingbummel im Babymarkt oder in einschlägigen Internetshops. Die Auswahl an mehr oder weniger nützlichen Artikeln rund ums Baby ist riesig und kann durchaus einen wahren Kaufrausch auslösen. Werdende Eltern sind gut beraten, wenn sie sich vor dem Einkauf bei erfahrenen Familien darüber informieren, was den Alltag mit Baby tatsächlich erleichtert und was eher überflüssiges Beiwerk ist.

Renovieren oder umziehen

Die Geburt eines Babys ist ein enormer Umbruch für eine junge Familie. Setzt der Nestbautrieb ein, verspüren viele werdende Eltern deshalb das Bedürfnis, ihre Wohnsituation grundlegend zu überdenken und eventuell sogar zu verändern. Kleinere und größere Renovierungsarbeiten sind ebenso Ausdruck des Nestbautriebes wie ein kompletter Umzug oder vielleicht sogar der Kauf einer eigenen Immobilie.

Organisatorische Vorbereitungen

Neben ganz praktischen Vorbereitungen wie Einkäufe, die Einrichtung oder Dekorationen gehören auch organisatorische Vorbereitungen zum Nestbautrieb. Manche Mütter planen Dinge wie Mutterschutz, Elternzeit und Kindergeld ebenso gerne frühzeitig vor wie die Haushaltsführung, die Essensplanung oder eine potentielle Kinderbetreuung nach der Geburt.

Der Nestbautrieb kann viele Gesichter haben. Er ist ebenso Ausdruck von Vorfreude und Euphorie wie das tiefsitzende Bedürfnis, sich so gut wie möglich auf die bevorstehende Veränderung vorzubereiten. Ausführliche Pläne, Checklisten zum Abhaken und sonstige organisatorische Helfer können ein gutes Bauchgefühl vermitteln und Sicherheit für die bevorstehende aufregende Zeit geben. Den Nestbautrieb auszuleben, ist ein wertvoller Schritt im psychologischen Prozess, den Mütter und Väter in spe durchlaufen, um sich auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe vorzubereiten.

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