Kerzen und ihre wohltuende Wirkung auf den Menschen

Kerzen stellen für uns Menschen nicht nur ein Licht in der Dunkelheit dar. Sie wirken außerdem beruhigend, angstlösend und entspannend.

Das flackernde Licht einer Kerze im Dunkeln hat eine fast hypnotisierende Wirkung auf Menschen. Es entspannt und beruhigt.
Das flackernde Licht einer Kerze im Dunkeln hat eine fast hypnotisierende Wirkung auf Menschen. Es entspannt und beruhigt.

In der Kirche haben Kerzen eine symbolische Bedeutung, die über das einfache Entzünden einer Lichtquelle hinausgeht. Neben der religiösen Bedeutung von Kerzen haben sie eine große Macht in anspannenden Situationen. Wann das Entzünden einer Kerze besonders angenehm und wichtig ist und wie sich die gesamte Wirkung entfalten kann, erläutert dieser Beitrag.

Kerzen zur Entspannung – zum Beispiel unter der Geburt

Das Anzünden einer Kerze ist fast ein ritueller Moment. Es braucht ein gewisses Maß an Konzentration, sich dabei nicht zu verbrennen. Der erste Augenblick, wenn der Docht Feuer gefangen hat, ist dabei immer ein ganz Besonderer. Das zeigt, wie entspannend Kerzenlicht sein kann: Wer eine Kerze entzündet, genießt den Feuerschein automatisch. Das Ansehen des Lichtes wärmt von innen, es sorgt für Entspannung und Ruhe. Kerzenlicht kann in vielerlei Situationen beruhigend und entspannend wirken, beispielsweise während der Menstruation, unter der Geburt oder beim Stillen. Deshalb gehört für viele werdende Mütter eine Kerze genauso in die Kliniktasche wie ein Stillnachthemd oder Traubenzucker. Die Hebamme oder der werdende Vater können die Kerze dann während der Geburt entzünden und so für eine weiches, entspannendes Licht sorgen. Nicht umsonst gilt es als sinnvoll, das Licht während einer Geburt zu dimmen. Was passt da besser als der flackernde Kerzenschein?

Kerzen, die Gläubige gegen einen kleinen Obolus in der Kirche entzünden können, werden Opferkerzen genannt. Sie stehen für Gebet und Andacht.
Kerzen, die Gläubige gegen einen kleinen Obolus in der Kirche entzünden können, werden Opferkerzen genannt. Sie stehen für Gebet und Andacht.

Die Kerze in der Kirche

In den Kirchen sehen wir immer wieder Kerzen. Sie werden zu verschiedenen Anlässen entzündet und haben stets symbolische Bedeutung. Ganz grundsätzlich bedeuten Kerzen eine Verbindung zu Gott. Menschen zündeten schon immer Kerzen an, um Gott zu loben und ihm zu danken. Heute gibt es zahlreiche Kerzen in der Kirche, die von den Gläubigen oder den Priestern angezündet werden können. Ganz klassisch sind die Opferkerzen zu nennen, die in fast jeder deutschen Kirche frei zugänglich sind. Beim Entzünden wird der Toten gedacht, gebetet und Wünsche an Gott herangetragen. Weiter Kerzen, die in der Kirche eine wichtige Bedeutung haben:

Hochzeitskerze
Die Hochzeitskerze wird in der Regel vom Brautpaar ausgesucht und während der Trauung entzündet. Traditionell trägt das Blumenmädchen oder ein Trauzeuge die Kerze beim Einzug in die Kirche. Die Traukerze wird dann vom Brautpaar selbst nach der eigentlichen Trauung entzündet. Nach der Trauung trägt die Braut die Hochzeitskerze nach draußen. Viele Brautpaare entzünden die Hochzeitskerze an jedem Hochzeitstag erneut.

Osterkerze
Die Osterkerze wird jedes Jahr in der Osternacht am Osterfeuer entzündet. Die Osternacht ist dabei diejenige von Karsamstag auf Ostersonntag. Sie brennt dann von Ostern bis Pfingsten im Altarraum der Kirche. Das Licht der Osterkerze wird zum Entzünden anderer Kerzen, etwa der Hochzeitskerze, verwendet.

Taufkerze
Auch zu einer Taufe gehört eine Kerze unweigerlich dazu. Sie symbolisiert den Eintritt des Täuflings in die Gemeinschaft der Gläubigen. In der Regel suchen die Eltern die Taufkerze aus, manchmal auch die Paten des Kindes. In jedem Fall findet sich auf der Taufkerze der Name des Täuflings wieder. In vielen Familien ist es eine Tradition, die Taufkerze am Geburtstag, zur Kommunion oder Konfirmation und zu anderen wichtigen Anlässen anzuzünden.

Das Friedenslicht
Seit 1986 wird das Friedenslicht aus Bethlehem in viele Länder der Welt gebracht. Seit 1994 erhalten auch die Menschen in Deutschland das Friedenslicht. Beim Friedenslicht handelt es sich um eine Tradition, die von Pfadfinderinnen und Pfadfindern nach Deutschland gebracht wurde. Das Friedenslicht ist eine Aktion der Vorweihnachtszeit und soll den Frieden auf Erden und die Einigkeit im Glauben symbolisieren.

Auch im Rahmen von Trauerfeiern und Beerdigungen gibt es immer Kerzen in der Kirche. Sie stellen ein Zeichen für Trost und Geborgenheit dar und spenden den Trauernden Wärme.

Kerzen spenden Licht und Wärme

Die Kerze gilt als Symbol für eine Sehnsucht, die fast jedem Menschen innewohnt. Menschen sehnen sich nach Wärme, Licht, Geborgenheit, Trost und Frieden. Auch Ruhe strahlt eine brennende Kerze aus. Früher waren Kerzen jedoch vor allem klassische Lichtquellen. Sie erhellten Räume und wurden klassisch genau dazu genutzt. Die rituelle Bedeutung der Kerzen kam erst später hinzu. Heute ist es so, dass Kerzen als Lichtquelle mehr oder weniger ausgedient haben – außer bei einem Stromausfall. Viel mehr werden Kerzen wegen der Stimmung, die sie verbreiten, geliebt und angezündet.

Nicht zuletzt deshalb gibt es heute eine große Vielfalt an verschiedenen Kerzen. Duftkerzen können neben der beruhigenden Wirkung des Lichts mit betörenden Düften aufwarten. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: Von klassischem Rosen- oder Lavendelduft über den Geruch frisch gemähter Wiese bis zu Bratäpfeln und Vanillekipferln ist alles möglich. Bunt eingefärbte Kerzen machen sich als dekoratives Element gut und sind auch als

Ein Licht in dunklen Zeiten. Kerzen können in den schwersten Stunden Trost spenden.
Ein Licht in dunklen Zeiten. Kerzen können in den schwersten Stunden Trost spenden.

Trauerkultur kommt nicht ohne Kerzen aus

Ob im christlichen Glauben oder in fernen Kulturen: Trauerkultur und das Entzünden von Kerzen hängen eng zusammen. Nach Unfällen oder Verbrechen mit Toten werden am Ort des Unglücks noch lange Zeit Kerzen entzündet. Ein gutes Beispiel dafür ist der Breitscheid-Platz in Berlin, der im Jahr 2016 Schauplatz eines schweren Anschlags wurde. Noch heute finden sich auf den Stufen zur Ruine der Gedächtniskirche und an der offiziellen Gedenkstätte Kerzen und Blumen. In Deutschland kennt man außerdem die klassischen Grablichter, die zu Allerheiligen, Todes- und Geburtstagen auf den Gräbern der Friedhöfe angezündet werden.

Kerzenrituale können den Trauernden den Umgang mit ihren Gefühlen erleichtern. Hebammen und Sternenkindfotograf*innen bringen beispielsweise häufig Kerzen mit, wenn sie zu einer Stillen Geburt kommen. Diese Kerzen werden dann entzündet und spenden den Eltern Trost. Nicht nur in Deutschland ist das Anzünden von Kerzen im Rahmen von Andacht und Trauer weit verbreitet. Kerzenlicht steht auch in vielen anderen Kulturen für eine Verbindung ins Jenseits und Trost in den schwersten Zeiten. Das flackernde Licht einer Kerze löst viel in den Menschen aus und hilft ihnen, mit ihren Gefühlen – gut wie schlecht – umzugehen.

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