Vegane Kinderernährung: Kann das funktionieren?

Frauen, die sich schon während ihrer Schwangerschaft vegan ernährt haben, kennen sich in der Regel gut aus mit pflanzlicher Ernährung. Dennoch kommt es oft zu großer Verunsicherung, wenn es darum geht, auch das eigene Kind vegan zu ernähren. Nicht selten werden Eltern hart kritisiert und mit Vorwürfen konfrontiert. Daher drängt sich eine Frage auf: Können Kinder sicher vegan ernährt werden?

Offizielle Meinungen zu veganer Kinderernährung

Kind vegan
Auch Beikost kann unter Berücksichtigung wichtiger Aspekte vegan gestaltet werden. (Quelle: Ben_Kerckx (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Vegane Ernährung ist trotz wachsender Beliebtheit eine Randerscheinung. Daher geht auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung vorsichtig mit diesem Thema um und empfiehlt eine rein pflanzliche Ernährung nicht. Anders jedoch sieht das die weltgrößte Ernährungsorganisation A.N.D. (Academy of Nutrition and Dietetics) aus den USA. In ihrem 2016 neu aufgesetzten Positionspapier spricht die A.N.D. davon, dass eine gut geplante vegetarische und vegane Ernährung in allen Lebensabschnitten, inklusive Säuglingsalter, Kindheit sowie Jugend als ernährungsphysiologisch angemessen gilt.

Dennoch bleibt die Studienlage rund um vegane Ernährung bei Kindern recht dünn. Ändern soll das die VeChi Diet Studie, die die Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz gemeinsam mit dem Institut für alternative und nachhaltige Ernährung, der Universität Bonn und der Fachhochschule des Mittelstands durchführt. Im Rahmen dieser Studie soll herausgefunden werden, wie sich vegetarische und vegane Ernährung im Vergleich zu omnivoren Alternativen auf die kindliche Entwicklung auswirkt. Genaue Informationen finden Interessierte unter vechi-studie.de. Die konkreten Ergebnisse und Auswertungen der VeChi Studie werden voraussichtlich erst 2019 veröffentlicht.

Entscheidend bleibt die Tatsache, dass nur eine gut geplante vegane Ernährung empfohlen werden kann. Eltern, die ohne Hintergrundwissen auf rein pflanzliche Ernährung umstellen, vergessen unter Umständen wichtige Aspekte und können ihre Kinder so tatsächlich in Gefahr bringen. Da zeigt sich an Beispielen, die medial viel Aufmerksamkeit erregen und von Babys berichten, deren Gehirnentwicklung und Gesundheit durch falsche vegane Ernährung litten.

Es genügt also zweifellos nicht, ein Baby mit Pflanzenmilch zu füttern, um dessen ernährungsphysiologischem Bedarf gerecht zu werden. Am gesündesten ist es daher, ein Baby zu stillen, sofern die Mutter während dieser Zeit auf ihre eigene Ernährung und eventuell kritische Nährstoffe achtet. Ist es nicht möglich, das Kind zu stillen, stellen spezielle Säuglingsmilchnahrungen aus Soja oder Reis eine Alternative dar. Diese jedoch sind in Deutschland bislang schwer erhältlich, weswegen hier abgewägt werden muss. Im Zweifel ist es besser, das Kind erst ab dem Beikoststart vegan zu ernähren.

Was bei veganer Kinderernährung zählt

Eltern, die ihre Kinder ab dem Beikoststart vegan ernähren möchten, sollten sich eingehend mit gesunder und ausgewogener Ernährung sowie Mikronährstoffen befassen. Fehlt persönliches Wissen lohnt sich die Zusammenarbeit mit erfahrenen Ärzten oder Ernährungsberatern, die sich auf dem Gebiet der pflanzlichen Ernährung hinreichend fortgebildet haben.

Vegan Kind Gesundheit
Regelmäßige ärztliche Kontrollen und Blutuntersuchungen sind bei vegan ernährten Kindern ratsam. (Quelle: Semevent (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Darüber hinaus sollte vegane Kinderernährung stets vollwertig und abwechslungsreich sein und aufgrund der niedrigeren biologischen Wertigkeit pflanzlicher Proteine mehr Protein enthalten als bei omnivorer Ernährung. Wer zusätzlich auf kritische Nährstoffe achtet und diese in der richtigen Dosierung verwendet, ernährt sein Kind verantwortungsbewusst.

Vegan Kind essen
Abwechslungsreiche Ernährung ist entscheidend. (Quelle: studioessen (CC0-Lizenz)/ pixabay.com)

Es gibt einige Nährstoffe, die im Rahmen einer pflanzlichen Ernährung nicht so leicht aufgenommen werden können, oder schlicht in geringeren Mengen vorkommen. Diese Nährstoffe sollten Eltern kennen, um den Bedarf ihres Kindes mit dem richtigen Speiseplan decken zu können. Über Mikronährstoffe und den individuellen Tagesbedarf sowie Tipps zu dessen Deckung informiert highfive-vegan.org.

Als kritisch in der veganen Kinderernährung gelten:

Jod

Eine zu geringe Aufnahme des Mikronährstoffes Jod ist kein rein veganes Problem. Experten gehen davon aus, dass etwa ein Viertel aller Deutschen zu wenig Jod zu sich nimmt. Stillende Mütter, die sich vegan ernähren, sollten daher ein Jod-Präparat nehmen. Im Rahmen der Beikost empfiehlt es sich, geringe Mengen an Nori Alge zu verwenden, da diese Jod enthalten. Auch angereicherte, vegane Säuglingsmilch kann sinnvoll sein.

Vitamin B12

Vitamin B12 kann nicht durch vegane Ernährung aufgenommen werden. Stimmen, die pflanzlichen Lebensmitteln einen ausreichenden B12-Gehalt unterstellen, sollten besser ignoriert werden, um das eigene Kind nicht zu gefährden. Vitamin B12 nämlich ist laut vitamindoctor.com nämlich wichtig für die Reifung der Körperzellen, die Entwicklung des Kindes und auch ein gesundes Nerven- und Immunsystem. Stillende Mütter sollten daher selbst supplementieren und ihrem Kind spätestens nach dem Beikoststart B12 in Form von Nahrungsergänzungsmitteln geben.

Vitamin D

Dass der menschliche Körper Vitamin D bilden kann, stimmt. Oft jedoch sind die gebildeten Mengen zu gering, um eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. Da aus Vitamin D Calcitriol gebildet wird, das wichtig für die Knochengesundheit, das Immunsystem, die Blutdruck-Regulierung sowie die Insulin-Ausschüttung ist, sollten sich Eltern daher nicht auf die körpereigene Vitamin D Bildung verlassen, sondern ein Nahrungsergänzungsmittel bei sich selbst und ihren Kindern nutzen. Hier ist es ratsam, Vitamin D3 zu nutzen, da es besser als D2 verwertet werden kann.

Omega 3 Fettsäuren

Omega 3 Fettsäuren sind wichtig für die Entwicklung des Kindes, insbesondere des Gehirns. Außerdem wirkt sich eine ausreichende Versorgung mit Omega 3 Fettsäuren positiv auf das Immunsystem aus und kann Entzündungen im Körper vorbeugen. In der Beikost sollten Eltern daher auf eine hochwertige Omega 3 Quelle achten. Durch die Gabe von Leinöl oder auch Rapsöl ist das möglich. Da die Umwandlung von Omega 3 in DHS nicht unbegrenzt ist, könnte auch die Gabe eines mit DHA angereicherten Öls sinnvoll sein.

Calcium

Der Calciumbedarf eines Kindes sollte unbedingt gedeckt werden. Milch allerdings ist hierfür nicht zwingend notwendig. Sinnvolle Alternativen, die bei der Versorgung helfen, sind calciumreiches Mineralwasser sowie angereicherte Pflanzenmilch. Auch Trockenfrüchte, verschiedene Gemüsesorten sowie Nüsse und Kerne enthalten Calcium. Bei Nüssen und Kernen sollten Eltern die Gefahr bedenken, dass sich das Kind an ihnen verschlucken kann und sie besser pürieren

Eisen

Um ausreichend Eisen bei pflanzlicher Ernährung bereitstellen zu können, muss zwischen zweiwertigem und dreiwertigem Eisen unterschieden werden. Das Eisen aus Pflanzen kann vom Körper schwerer aufgenommen werden. Mit eingeweichtem Getreide, gegarten Hülsenfrüchten und der Gabe einer Vitamin C Quelle zu den Mahlzeiten lässt sich die Aufnahme jedoch fördern.

Abschließend kann gesagt werden, dass eine vegane Ernährung auch bei Kindern möglich ist, sofern sich Eltern gut informieren, einen ausgewogenen Speiseplan erstellen und wichtige Mikronährstoffe nicht vergessen. Dennoch ist und bleibt es ratsam, die Hilfe von Experten in Anspruch zu nehmen, um keine Fehler zu machen. Auch dieser Artikel zeigt lediglich einen Teil der wichtigsten Aspekte auf und ersetzt daher keine fundierte Beratung durch einen Arzt oder Ernährungsberater.

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